Weiterbildung im Mittelstand: Status quo
Digitale Lernformate haben durch die Pandemie einen deutlichen Schub erfahren. Viele Unternehmen mussten schnell handeln, haben Tools und Inhalte angeschafft – nicht selten jedoch nur als Zwischenlösung. Ein Teil dieser Investitionen wurde inzwischen wieder abgelöst oder durch nachhaltigere Formate ersetzt.
Heute zeigt sich ein gemischtes Bild: Laut Bitkom setzen drei Viertel der Mittelständler auf digitale Weiterbildungsangebote, vor allem im Bereich IT und Digitalisierung. Allerdings bleibt es in über 60 Prozent der Fälle bei punktuellen Maßnahmen. Nur eine Minderheit verfolgt eine unternehmensweite Strategie, die Kompetenzen systematisch aufbaut und langfristig absichert.
Der KfW-Digitalisierungsbericht verdeutlicht: Fast die Hälfte der digital aktiven Betriebe sieht Weiterbildung als Schlüsselfaktor für Projekterfolg. Denn ohne Qualifizierung bleiben neue Technologien Stückwerk. Wo Unternehmen Lernangebote bereitstellen, beteiligen sich zudem deutlich mehr Mitarbeitende. Weiterbildung wirkt – wenn sie gut strukturiert und praxisnah ist.
Trends: Lernen wird flexibler, kürzer, intelligenter
Die mmb-Trendstudie Learning Delphi zeigt, dass klassische Kursmonolithen weiter an Relevanz verlieren. Im Vordergrund stehen heute Formate, die flexibler und praxisnäher sind:
- Microlearning: Kurze, fokussierte Einheiten erleichtern Lernen im Alltag.
- Blended Learning neu gedacht: Präsenz- und Live-Formate werden gezielt dort eingesetzt, wo Austausch und Transfer entscheidend sind.
- Performance Support: Lernen wandert stärker in den Arbeitsprozess – mit Checklisten, Screencasts oder Assistenzsystemen direkt am Arbeitsplatz.
- Data-driven Learning: Erfolgskennzahlen wie Zeit-bis-Kompetenz, Fehlerquote oder Audit-Sicherheit treten an die Stelle bloßer Teilnahmequoten.
Mittelstand: Eigene Kapazitäten – klare Erwartungen
Zunehmend bauen Mittelständler eigene E-Learning-Produktionskapazitäten auf – allerdings in überschaubarem Umfang. Klar ist: Um bei der Belegschaft Akzeptanz zu finden, muss die Qualität hoch sein. Auch lässt sich individueller Content nicht von der Stange beziehen. Halbherzige Umsetzungen führen schnell zu Ablehnung. Und es gilt, die Beschäftigten neu zu gewinnen, die in der Vergangenheit bereits enttäuscht wurden.
Gleichzeitig stehen viele Unternehmen unter dem Druck, Kosten zu reduzieren. Zwar wächst der Wunsch nach voll individualisierten Lernlösungen, doch Individualproduktion ist teuer. Eine praktikable Lösung ist die Kombination: Standardcontent als Basis, ergänzt um eigenproduzierte Bausteine, die Unternehmensbezug herstellen. Und die für interne Ressourcen in der Erstellung leistbar sind. So lassen sich Kosten senken und dennoch relevante Inhalte bieten.
Die Stolpersteine im Mittelstand
Typische Bremsfaktoren bleiben:
- Zeit und Ressourcen: Weiterbildung konkurriert mit dem Tagesgeschäft.
- Fragmentierte Lernlandschaften: Insellösungen senken Akzeptanz.
- Unklare Erfolgsmessung: Solange Lerninitiativen nicht an Geschäftskennzahlen gekoppelt sind, bleibt der Mehrwert schwer nachweisbar.
- Das schwere Erbe: Frühere Lernmaßnahmen minderer Qualität haben das Vertrauen in E-Learning bereits verspielt.
eLearning im Mittelstand ist längst mehr als eine Pflichtübung. Entscheidend ist, Weiterbildung gezielt am betrieblichen Bedarf auszurichten und so zu gestalten, dass sie im Alltag wirkt. Wer den Schritt von isolierten Pflichttrainings hin zu effektiven und passgenauen Lernangeboten schafft, reduziert Fehlerquoten, verkürzt die Zeit bis zur Kompetenz – und macht Lernen zum echten Wettbewerbsvorteil.