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Das Bauhandwerk bleibt Sorgenkind

Zweigeteilter Blick auf Handwerkskonjunktur in Südbaden

(PresseBox) (Freiburg im Breisgau, )
Das südbadische Handwerk geht trotz angespannter Rahmenbedingungen deutlich positiver gestimmt in den Herbst als im vergangenen Jahr. Das ergab die vierteljährliche Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Freiburg. Obwohl eine immer noch hohe Inflationsrate und ein Nachfragerückgang auch die Betriebe im Kammerbezirk beschäftigen, gaben diese ihrer Geschäftslage im dritten Quartal saisonbedingt bessere Noten. „Wir erreichen wieder Zufriedenheitswerte wie vor der Coronakrise“, zeigt sich Johannes Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg erfreut. Allerdings macht er auch deutlich: „Das Bauhandwerk bleibt unser großes Sorgenkind.“

Eine deutlich verbesserte Auftragslage, eine merklich positivere Umsatzentwicklung als im Landesdurchschnitt: Die Lage der südbadischen Handwerksbetriebe insgesamt zeigt sich zum Ende des dritten Quartals 2023 besser als erwartet. „Die Zahl der Betriebe, die einen gestiegenen Auftragseingang melden, hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt“, berichtet Dr. Handirk von Ungern-Sternberg, Mitglied der Geschäftsleistung der Handwerkskammer Freiburg. „Mehr als ein Drittel der südbadischen Handwerksunternehmen berichten zudem von gestiegenen Umsätzen.“ Daher gewinnt der Konjunkturindikator der Handwerkskammer Freiburg im Vergleich zum Vorjahr 10 Zähler und liegt nun bei +35,0 Punkten (siehe Grafik 1).

Zweigeteiltes Bild in den Branchen

Allerdings offenbart der Blick auf die einzelnen Handwerksbranchen ein deutlich zweigeteiltes Bild. Die Gesundheitshandwerke wie Augenoptiker, Zahntechniker und Hörakustiker sowie die Nahrungsmittelhandwerke Bäcker, Fleischer und Konditoren bewerten ihre Geschäftslage deutlich besser als vor einem Jahr. Das Kfz-Gewerbe kann seine guten Werte noch ausbauen. Das Bauhandwerk hingegen findet nicht mehr zurück zu alter Stärke. Vielmehr bewerten die Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage noch etwas negativer als vor einem Jahr. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen stagniert bei 64,7 Punkten. „Das ist noch ein guter Wert, aber rund 15 Zähler von den Bestwerten der vergangenen Jahre entfernt“, ordnet Ungern-Sternberg ein (siehe Grafik 2).

Die Geschäftserwartungen lassen zudem keine schnelle Besserung vermuten – im Gegenteil. „Die Erwartungen im Bauhauptgewerbe sind weiterhin deutlich negativ“, berichtet Ungern-Sternberg. „Der Erwartungssaldo liegt bei -11,8 Punkten und ist somit weit von den guten Werten der anderen Branchen entfernt.“ Mittlerweile sorgt die schlechte Stimmung auch bei den nachgelagerten Ausbaugewerken für deutliche Sorgenfalten. „Auch hier ist der Erwartungssaldo nun deutlich negativ“, so Ungern-Sternberg (siehe Grafik 3).

„Das Bauhauptgewerbe wurde ausgebremst“

„Das, wovor Verbände und Handwerksorganisationen in den letzten Monaten eindringlich gewarnt haben, ist eingetreten: Das Bauhauptgewerbe wurde ausgebremst“, bewertet Kammerpräsident Ullrich die Situation. Die von der Bundesregierung beim Wohnungsgipfel in Aussicht gestellten Schritte zur Entlastung müssten nun schnellstens umgesetzt werden. „Nur wenn schnell gehandelt wird, können unsere Betriebe Anfang nächsten Jahres unter besseren Rahmenbedingungen durchstarten“, macht Ullrich klar.

„Wir sind froh, dass die Politik in die richtige Richtung denkt“, so Ullrich. Grundsätzlich greife der vorgestellte 14-Punkte-Katalog in vielen Bereich noch zu kurz. „Um Betrieben und Kunden für die kommenden Monate Sicherheit zu geben, müssen weitere Schritte erfolgen.“ Die vorhandenen Spielräume müssten konsequent genutzt werden – sowohl vom Bund als auch von den Ländern und den Kommunen. Auch weil sonst langfristig noch größere Probleme auf den Baubereich zukommen. „Wir müssen eine Abwanderung von Fachkräften aus der Branche verhindern“, mahnt Ullrich. „Sonst stehen wir nach der aktuellen Krise vor dem gleichen Problem wie aktuell die Gastronomie – die Arbeitskräfte fehlen für neue Projekte. Und wir wissen ja, dass es eigentlich einen hohen Bedarf an Wohnraum gibt“, so der Kammerpräsident.

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