Wie aktuelle Fälle aus der praktischen Datenrettung zeigen, ist Datenzugriff selbst bei vorhandenen Backup-Konzepten nicht mehr zuverlässig gegeben.
Verschlüsselung, hardwaregebundene Speicherarchitekturen und automatisierte Replikationsprozesse führen dazu, dass Daten trotz Vorsorge technisch nicht erreichbar sind. Damit verschiebt sich der Fokus im Ernstfall zunehmend von der Frage, ob gesichert wurde, hin zu der Frage, was technisch belegbar ist.
Wenn Wiederherstellung scheitert, zählt Nachweisbarkeit
In der Praxis stehen Unternehmen immer häufiger vor Situationen, in denen:
- Sicherungen vorhanden waren
- Wiederherstellungsversuche vorgesehen oder durchgeführt wurden
- der Zugriff dennoch technisch nicht möglich war
Datenzugriff wird damit zu einer erklärungs- und belegpflichtigen Größe.
Notfallkonzepte enden häufig beim Backup
Viele bestehende Notfall- und Sicherheitskonzepte enden organisatorisch beim Restore-Prozess.
Was geschieht, wenn dieser scheitert, ist in der Praxis häufig nicht definiert.
Typische Lücken im Schadenfall sind:
- fehlende technische Einordnung der Ursachen
- keine belastbare Dokumentation von Zugriffshindernissen
- unklare Eskalationsschritte nach fehlgeschlagenem Restore
- Vermischung von organisatorischer Vorsorge und technischer Realität
Datenrettung wird Teil der Compliance-Kette
Vor diesem Hintergrund verändert sich die Rolle der professionellen Datenrettung grundlegend.
Datenrettung wird Teil der Compliance-Kette – nicht als Beratung, sondern als technischer Nachweis.
Im Mittelpunkt stehen dabei keine rechtlichen Bewertungen, sondern nachvollziehbare technische Fakten:
- Analyse von Schadensbildern
- Dokumentation hardware- oder verschlüsselungsbedingter Zugriffshindernisse
- Bewertung der technischen Wiederherstellbarkeit
- Belegbarkeit unternommener Zugriffsbemühungen
Technische Entwicklungen erhöhen den Erklärungsbedarf weiter
Die Bedeutung dieser Nachweisbarkeit wird 2026 weiter zunehmen.
Ursache sind technische Entwicklungen, die den Datenzugriff zunehmend an funktionierende Hardware koppeln:
- steigende Verbreitung hardwaregebundener Verschlüsselung
- enge Integration von Speicher, Controller und Logik
- geringere Toleranz gegenüber physischen und elektronischen Defekten
Ausblick
Backups bleiben ein unverzichtbarer Bestandteil jeder IT- und Sicherheitsstrategie.
Sie garantieren jedoch keinen Zugriff mehr unter allen Bedingungen.
Die technische Realität moderner Speicherarchitekturen erfordert ein erweitertes Verständnis von Datensicherheit – eines, das auch den nachvollziehbaren technischen Umgang mit gescheitertem Zugriff einschließt.
Datensicherheit endet nicht bei der Sicherung, sondern bei der belegbaren Einordnung des Ernstfalls.