- Berylls by AlixPartners E-Mobilitäts-Zulieferer Studie analysiert die Situation der Zuliefererindustrie im Spannungsfeld der Transformation vom Verbrenner zum E-Antrieb.
- Die Abhängigkeit vom Verbrenner schwindet wesentlich langsamer als prognostiziert und die Planungssicherheit verschlechtert sich.
- Das Vertrauen in die E-Mobilität als Wachstumsmotor verringert sich, stattdessen wird E-Mobilität zunehmend als Risikofaktor gesehen.
- Kein klares Bild bei Margen- und Profitabilitätserwartungen. Knapp 25 % erwarten steigenden Druck auf die Branche, aber ein zunehmender Teil der Zulieferer glaubt auch an Margenverbesserungen.
- Konsolidierung in der Zulieferer-Branche wird als alternativlos erwartet.
- Glaube an die Richtigkeit der eigenen Strategie ist hoch.
Berylls by AlixPartners hat mit der jüngsten, jährlich wiederkehrenden Umfrage unter Zulieferern die Stimmungslage der Automobilzulieferer eingefangen und analysiert. Dr. Jürgen Simon, Partner bei Berylls by AlixPartners, sagt: „Die Transformation zur E-Mobilität geht weiter, aber deutlich langsamer und volatiler als erwartet. Die europäischen Zulieferer erleben zwar eine anhaltende Verschiebung der Industrie in Richtung E-Mobilität, diese wird jedoch von geringerer Planungssicherheit, verzögerten Plattformanläufen und schwächerem Markthochlauf begleitet.“
Vertrauen in E-Mobilität als Wachstumstreiber hat spürbar abgenommen
Im Rahmen der jährlichen Analyse haben die Zuliefererexperten von Berylls by AlixPartners mit Führungskräften von 49 europäischen Automobilzulieferern aus verschiedenen Segmenten (beispielsweise Antriebsstrang, E/E, Innenausstattung, Außenausstattung, Karosserie und Software) und verschiedenen Unternehmensgrößen gesprochen, darunter mehrere Unternehmen aus dem Berylls TOP-100-Zulieferer Ranking.
Zusammenfassend zeichnet sich ab, dass das Vertrauen in die E-Mobilität als Wachstumstreiber im Vergleich zu vorangegangenen Umfragen spürbar abgenommen hat. Tatsächlich sieht nur noch knapp die Hälfte der Befragten in der Elektromobilität eine Chance. Dieser Wert hat in den letzten drei Jahren kontinuierlich abgenommen. Ein wachsender Anteil der Zulieferer betrachtet die Elektromobilität inzwischen als neutral oder sogar als riskant. Diese Verschiebung spiegelt die Unsicherheit hinsichtlich der Marktentwicklung, die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Skalierung von BEV-Programmen und den zunehmenden Wettbewerbsdruck wider.
Abhängigkeit vom Verbrenner bleibt hoch
Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor hoch und schwindet langsamer als geplant. Mehr als 70 Prozent der Zulieferer erwirtschaften nach wie vor mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit dem Benziner- und Dieselgeschäft. Selbst bis 2030 rechnen viele der Befragten nur mit einer moderaten Reduzierung dieser Abhängigkeit.
Uneinigkeit herrscht in der Branche bei den Erwartungen an die Margen- und Profitabilitätsentwicklung. „Während ein wachsender Teil der Zulieferer auf Margenverbesserungen hofft, sehen rund 23 Prozent zusätzlichen Druck auf sich zukommen“, erläutert Dr. Jürgen Simon.
Angesichts gesunkener Umsatzprognosen und zunehmenden Wettbewerbsdrucks wird eine weitere Konsolidierung unter den Zulieferern von Komponenten für die Elektromobilität immer wahrscheinlicher. Innerhalb der nächsten sechs Jahre rechnen 92 Prozent der befragten Unternehmen mit einem deutlichen Konsolidierungstrend in der Zulieferlandschaft für die Elektromobilität; mehr als die Hälfte (52 Prozent) sogar innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre.
Überwiegende Zahl der Zulieferer zufrieden mit ihrer strategischen Ausrichtung
Trotz eher düsterer Prognosen für die nahe Zukunft, lässt sich bei der Zufriedenheit der Zulieferer mit ihrer eigenen E-Mobilitätsstrategie eine eher positive Haltung beobachten. Entgegen den schwierigen Marktbedingungen und der Tatsache, dass nur jedes zweite Unternehmen davon ausgeht, dass sich die E-Mobilität in den nächsten fünf bis zehn Jahren positiv auf dessen Umsatz auswirken wird, geben 63 Prozent der Befragten an, dass sie mit ihrer aktuellen Strategie zufrieden oder ziemlich zufrieden sind.
Dies stellt allerdings einen deutlichen Rückgang gegenüber den 85 Prozent des Vorjahres dar.
Dr. Jürgen Simon sagt dazu: „Erneut bleibt eine spürbare Kluft zwischen der schwierigen Realität, mit der die Zulieferer derzeit konfrontiert sind, und der eigenen Einschätzung der strategischen Ausrichtung.“
Die komplette Studie mit den Vergleichszahlen zu den Vorjahren finden Sie im Anhang.