CSRD und ESRS: Die beiden Abkürzungen sind eng verwoben. Beim einen handelt es sich um die Grundlage für das Thema Nachhaltigkeit in Unternehmen (in Form einer europäischen Richtlinie), beim anderen um das Handlungsgerüst dazu (als Standard-Matrix für die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts). „Hört sich kompliziert an und ist es auch“, gibt Goldy Raimann, Gruppenleiterin Nachhaltigkeit bei der ASEW, zu bedenken. „Doch wie so oft gilt: Komplexität lässt sich durch Aufteilung reduzieren oder sogar auflösen!“ Hier setzt auch die ASEW-Lösung an: Denn erster Schritt eines jeden Nachhaltigkeitsberichts ist eine sogenannte Doppelte Wesentlichkeitsanalyse.
Doppelte Wesentlichkeit bedeutet, dass sich Unternehmen sowohl über die Auswirkungen des eigenen Geschäftsbetriebs auf die Gesellschaft und die Umwelt als auch über die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf das Unternehmen Gedanken machen müssen. Hält man sich hierbei bereits an ein bestimmtes Raster, erleichtert das die nachfolgende Arbeit (oder macht diese unter Umständen sogar obsolet). „Der ESRS kann enorm hilfreich sein, ist aber, zugegeben, auch eine Herausforderung“, gibt Lisa Thelen, Projektmanagerin Klimaschutz bei der ASEW, zu bedenken; sie hat die Arbeitsergebnisse der beiden Projektgruppen zusammengefasst. „Mittlerweile gibt es viele Handreichungen zur Umsetzung, aber keine wirklichen praktischen Umsetzungshilfen. Häufig wird auch deshalb die am Anfang stehende doppelte Wesentlichkeitsanalyse auf das Nötigste reduziert, sprich man will so wenig Aufwand wie möglich betreiben, um den Vorgaben zu genügen. Das ist nachvollziehbar, aber oft bleibt so das enorme Potenzial dieser Analyse ungenutzt. Eine fundierte und strukturierte Analyse kann die Grundlage schaffen, um echte und nachhaltige Veränderungen anzustoßen.“
Mit dem ASEW-Ansatz erhalten Stadtwerke die Möglichkeit, die gesamten Wertschöpfungsketten eines Stadtwerks Schritt für Schritt zu durchleuchten. Ziel ist es dabei, Chancen, Risiken und Auswirkungen präzise zu erkennen. „Der besondere Vorteil unseres Ansatzes liegt darin, dass die Wesentlichkeitsanalyse direkt klare Leitplanken definiert, anhand derer im Anschluss die Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt werden kann. Denn bei vielen Wesentlichkeitsanalysen bleibt letztlich unklar, wie aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen entwickelt werden können und welche davon tatsächlich sinnvoll sind.“
Praxisnah erfolgte auch die Ausarbeitung des Leitfadens. Dafür rief die ASEW zwei Projektgruppen ins Leben, die großen Anklang bei den Stadtwerken des ASEW-Netzwerkes fanden. Ihre Arbeit wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von 60 Stadtwerken getragen. Konkret besteht der ASEW-Leitfaden zur Doppelten Wesentlichkeitsanalyse aus fünf Teilen. Die ersten drei fassen die einschlägigen Regelungen von CSRD und ESRS zusammen. „Die zwei weiteren Teile geben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung einer Wesentlichkeitsanalyse. Die Dateien sind optimiert für Bildschirme und digitale Anwendung.“
Der Leitfaden ist zwar im Kern für die Verwendung durch Stadtwerke gedacht. Aktuell befindet er sich in Anwendung, um Daten für einen Branchenvergleich zu sammeln, die in den Leitfaden integriert werden. „Ziel ist es aber letztlich, dass der Leitfaden auch anderen Branchen als der Energiewirtschaft helfen kann“, gibt Goldy Raimann zu bedenken. „Die Adaptierbarkeit auf andere Branchen war von Beginn an unser Ziel.“
Die fünf Teile des ASEW-Leitfadens Doppelte Wesentlichkeitsanalyse, der gemeinsam mit Plant Values erstellt wurde, werden bis zum Ende des ersten Quartals 2025 sukzessive zum Abruf bereitstehen.