Der Strommarkt erzeugte zuletzt für das Geschäftsfeld von PV- & Windenergiebetreiber immer wieder herausfordernde Marktsituationen: Neben einer zunehmenden Anzahl an Stunden mit negativen Strompreisen im vergangenen Jahr, zeigt sich dies vor allem durch eine zunehmende Strompreisvolatilität aufgrund des im Verhältnis steigenden Anteils schwankender erneuerbarer Stromerzeugung am Strommarkt. Die Lösung hierfür ist dabei so naheliegend wie vielversprechend: „Die Spanne zwischen niedrigen oder sogar negativen und hohen Marktpreisen für Strom gilt es zu überbrücken – und das gelingt besonders effektiv mit Stromspeichern“, ist Linus Erbshäuser, Senior-Projektmanager Photovoltaik bei der ASEW, überzeugt. „Vor allem zu Zeiten besonders hoher bzw. niedriger Stromerzeugung, die durch regelmäßig auftretende Phänomene wie die Mittagsspitze, Jahreszeitenschwankungen sowie Dunkelflauten häufiger auftreten, ermöglichen der intelligente Einsatz und die Vermarktung von Speichersystemen die Realisierung von Arbitragegewinnen. Darüber hinaus ist der Einsatz als Primär- und Sekundärregelleistung eine weitere mittlerweile gut erprobte Möglichkeit.“
Dieses Spektrum an Einsatzoptionen ist durchaus nichts Neues am Markt; seit Jahrzehnten werden bereits erfolgreich Pumpspeicherkraftwerke sowie flexible Erzeuger genutzt. Neu ist vielmehr der Bedarf nach Flexibilität auf dem Markt in Kombination mit den über die Jahre deutlich gesunkenen Energiepreisen. Somit gelten Großbatteriespeicher gerade als besonders attraktives Geschäftsfeld in der Energiewirtschaft.
Zusätzlich macht Batteriegroßspeicher attraktiv, dass diese in Kombination mit Freiflächensolar- oder Windkraftprojekten die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems deutlich verbessern können. Denn durch die zunehmenden Verschärfungen im EEG in Kombination mit den im Schnitt fallenden Marktpreisen ist der Business-Case von Erzeugungsanlagen zunehmend bedroht. Der Vorteil hier: In Zeiten niedriger Marktpreise erlaubt die Speicherung der erzeugten Strommengen eine zumindest teilweise zeitliche Verschiebung in Zeiten höherer Marktpreise. „Letztlich ist hier natürlich eine Kombination der verschiedenen Möglichkeiten des Einsatzes von Großbatteriegroßspeichern anzustreben, da die Szenarienvariabilität hier die Wirtschaftlichkeit zusätzlich erhöht.“
Stadtwerke beginnen aktuell, dass Geschäftsfeld für sich zu erschließen. Im ASEW-Netzwerk platzieren sich Mitgliedsunternehmen derzeit sowohl in der Vermarktung der Batteriespeichersysteme, sprich deren Vermarktung an den jeweiligen Energiemärkten, hauptsächlich aber in der Projektierung und dem Betrieb der Systeme. „Besonders interessant ist für uns dabei zu beobachten, dass sich aktuell Stadtwerke unterschiedlichster Größenordnung – teilweise mit Partnerschaften – im Geschäftsfeld engagieren“, ergänzt Christian Esseling, stellvertretender Abteilungsleiter Vertriebslösungen bei der ASEW. „Die Größe des Unternehmens scheint dabei kein beschränkender Faktor zu sein. Gleichzeitig lässt sich sagen, dass die Vermarktung mit aufwändigen Prozessen und System- sowie Know-how-Anforderungen verbunden ist, weshalb diese meist nur von Stadtwerken mit Erfahrungen in der Direktvermarktung oder zusammen mit Dienstleistern umgesetzt wird.“
Insgesamt ist aktuell ein großes Interesse bei Stadtwerken am Geschäftsfeld zu beobachten. „Das macht es umso wichtiger, sich hier frühzeitig einen Platz zu sichern und die derzeit extrem attraktive Marktsituation zu nutzen“, gibt ASEW-Geschäftsführerin Daniela Wallikewitz zu bedenken. „Stadtwerke könnten ansonsten ein spannendes Geschäft verpassen, wenn sie sich in den nächsten Jahren nicht im Geschäftsfeld positionieren. Die ASEW hat zuletzt mehrere Veranstaltungen durchgeführt, die im Netzwerk auf großes Interesse gestoßen sind. Auch in den Arbeitskreisen wird das Thema intensiv diskutiert.“
Ergebnisse aus dem Netzwerk, Unterstützungsleistungen und aktuelle Entwicklungen veröffentlichen wir regelmäßig unter www.asew.de. Am 6. März findet zudem das nächste ASEW-Seminar zum Thema, der Erfahrungsaustausch Großbatteriespeicher statt. Darüber hinaus stehen wir für den direkten Austausch mit interessierten Stadtwerkerinnen und Stadtwerkern bereit.