„Es kann mich doch niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden.“ Dieses vermeintliche Konrad Adenauer Zitat ist eine beliebte deutsche Redensart geworden, die aktuell in die politische und wirtschaftliche Landschaft hierzulande herrlich passt. Kurz nach der Bundestagswahl werden die Töne wieder versöhnlicher und die sachlichen Aufgaben stehen im Mittelpunkt der Regierungsbildung. Grabenkämpfe und Polemik sind größtenteils erst einmal abgehakt.
Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland, ist das auch dringend nötig. Nach drei Jahren Stagnation und einer anhaltend schlechten Stimmung geht es darum, das langfristige Wachstum zu steigern. Hierfür braucht es klare Anreize für höhere Wertschöpfung und damit mehr Privatwirtschaft. Kurzfristig, aber auch mehr Staat, um der Wirtschaft in Kombination mit Reformen eine ausreichende Starthilfe zu ermöglichen. Eine Koalition der Mitte kann dazu beitragen, dass eine breite Palette an Maßnahmen sichergestellt wird.
Umgekehrt ist es jedoch fraglich, ob so ein echter Richtungswechsel gelingen kann. Zum Beispiel eine Priorisierung der Ausgabenseite des Staates, um nachhaltige Steuererleichterungen und Raum für Investition und Wachstum zu schaffen. Wahrscheinlicher scheint aktuell eine Reform der Schuldenbremse. Auch auf diese Weise würden bei einem anhaltend schwachen Potenzialwachstum notwendige Investitionen ermöglicht. Der Anreiz zu einer Priorisierung der Ausgaben dürfte gleichzeitig aber deutlich sinken.
Stimmung hellt sich auf
Der Hoffnung der Wirtschaft tut dies keinen Abbruch. Die Stimmung zeigt sich in den jüngsten Umfragen jedenfalls leicht verbessert. So erhöhte sich der Economic Sentiment Indicator sowohl in Deutschland als auch für die Eurozone. Während die Bauwirtschaft unter Druck bleibt, waren sowohl der angeschlagene Industriesektor als auch die Verbraucher die Treiber hinter der positiven Gesamtentwicklung. Konsum- und Investitionsausgaben dürfte dies Auftrieb verleihen. Zumal es auch Unterstützung von der Zinsfront gibt. Die Zinskurve hat sich in den vergangenen Monaten normalisiert und die EZB möchte die Zinsen bis Mitte des Jahres auf ein neutrales Niveau von 2% senken.
Der Deutsche Leitindex DAX, aber auch die für den Mittelstand wichtigen Indizes MDAX und SDAX, haben in diesem Vorgriff seit Jahresbeginn eine beeindruckende Performance hingelegt und viele internationale Aktienindizes übertroffen. Und dies, obwohl viele Investoren derzeit weiterhin mit angezogener Handbremse unterwegs sind. Sonst wären neben zukunftsgerichteten Investments nicht auch inflationsgeschützte Assets, wie Gold oder Bitcoin stark gefragt. So richtig traut man der ganzen Sache eben nicht. Für den wichtigen psychologischen Faktor ist das aber kein Nachteil, sondern in der Regel vielmehr ein guter Grundstein für weitere freundliche Börsen.
Aktiver Anleihemarkt
Erfreulich robust präsentiert sich im laufenden Quartal auch das gesamte Bondsegment. National wie international gab es eine Vielzahl an Neuemissionen von Unternehmensanleihen, Staatsanleihen und anderen festverzinslichen Wertpapieren. Die Emittenten nutzten das sich aufhellende Stimmungsbild, um frisches Kapital aufzunehmen und ihre Liquidität zu stärken. Auch im KMU-Umfeld waren und sind mehrere Prolongationen und Aufstockungen zu beobachten. So konnte die FCR Immobilien AG ihre bereits fünfte Folgeanleihe erfolgreich am Markt platzieren. Aktuell läuft die Aufstockung der bestehenden Eleving Group Anleihe um weitere 50 Mio. Euro auf insgesamt 100 Mio. Euro. Und die LifeFit Group erwägt eine Aufstockung ihres 140 Mio. Nordic Bonds zur Teilfinanzierung des Erwerbs der FIT/One-Gruppe.
Vertrauensbildend wirkt aus Sicht der Investoren, dass einige namhafte Emittenten ihre bestehenden Anleihen vorzeitige gekündigt haben. So wird die SANHA GmbH & Co. KG ihre 2026 endfällige Anleihe diesen Monat zurückzahlen. Ebenso hat die Zeitfracht Logistic Holding GmbH ihre alte Anleihe 2021/26 nach der erfolgreichen Emission eines neuen vierjährigen Nordic Bonds im Volumen von 145 Mio. Euro, auf Mitte März zur Rückzahlung fällig gestellt.
Der KMU-Markt entwickelt sich also auch 2025 weiter und gibt Mittelständlern eine Alternative, ihre Finanzierungsstruktur zu diversifizieren, Abhängigkeiten zu verringern und langfristige Kapitalgeber anzuziehen. Wer sich einmal als verlässlicher Emittent bewährt hat, kann seinen Mittelbedarf danach über Aufstockungen und Folgeanleihen flexibel decken. Oder, um mit einem weiteren Adenauer-Zitat zu schließen: Wenn ich von jemandem ein Butterbrot haben will, und er bietet mir eine Schnitte trockenes Brot, dann nehme ich die trockene Scheibe; die Butter hole ich mir dann eben später.
Hier finden Sie den Original-Artikel: "Fußnote": Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?