Interview mit Peter Szabo, Vorstandsvorsitzender der Energiekontor AG
Die Bremer Energiekontor AG ist aktuell erneut am Kapitalmarkt aktiv. Das Erneuerbare Energien-Unternehmen bietet eine unbesicherte Anleihe mit einem Zinskupon von 5,50% p.a. und 8 Jahren Laufzeit an, die Mindestzeichnungssumme beträgt 3.000 Euro. Der Vorstandsvorsitzende Peter Szabo hat mit dem Anleihen Finder ausführlich über die neue Anleihe und die aktuellen Projekte gesprochen.
Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Szabo, wie laufen aktuell die Geschäfte der Energiekontor AG – sowohl finanziell als auch projektbezogen? Was erwarten Sie generell für das Gesamtjahr 2025?
Peter Szabo: Nach dem Geschäftsjahr 2024 konnten wir auf operativer Ebene in der ersten Jahreshälfte 2025 wichtige Fortschritte erzielen – sowohl in der Projektentwicklung als auch beim weiteren Ausbau unseres Eigenparkportfolios. Zwei Projekte konnten wir bereits veräußern. Zwei zusätzliche Kaufverträge wurden unterzeichnet. Weitere Projekte befinden sich derzeit in teilweise sehr fortgeschrittenen Verkaufsprozessen – sowohl im In- als auch im Ausland. Darüber hinaus sorgen zahlreiche schon genehmigte und bezuschlagte Projekte für weiteres Potenzial in den Bereichen Verkauf und Eigenbestandserweiterung.
Aktuell befinden sich acht Wind- und Solarprojekte für unseren Eigenbestand im Bau. Diese werden die Erzeugungskapazität unseres Portfolios in Zukunft auf mindestens 650 Megawatt erhöhen. Insgesamt befanden sich zuletzt 15 Projekte mit rund 450 Megawatt in der Bau- oder Vorbereitungsphase. Für das Gesamtjahr 2025 und die nächsten Jahre blicken wir daher sehr zuversichtlich nach vorn. Die Pipeline ist gut gefüllt, die operativen Fortschritte bestätigen unsere strategische Ausrichtung und wir sind auf einem guten Weg, unsere Ziele für 2025 und unsere Wachstumsstrategie 2023 bis 2028 wie geplant zu erreichen.
Anleihen Finder: Welche Bereiche tragen aktuell am stärksten zum Umsatz- und Ergebniswachstum bei? Welchen Stellenwert haben volatile Strompreise und regulatorische Änderungen derzeit?
Peter Szabo: Einen wesentlichen Beitrag zum Umsatz- und Ergebniswachstum leisten derzeit vor allem die Projektverkäufe. Unser zweites wichtiges Standbein ist die Stromerzeugung aus konzerneigenen Wind- und Solarparks. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den im Juni 2025 erfolgten Verkauf eines großen Windparks in Schottland an Uniper, der bereits einen bedeutenden Anteil zum diesjährigen Ergebnis beisteuert. Ergänzt wurde dieser durch den Verkauf eines kleineren Windprojekts in Deutschland an mehrere Privatinvestoren. Außerdem konnten wir Ende Juni 2025 die Kaufverträge für zwei weitere Windprojekte in Deutschland finalisieren, wobei die formale Gremienzustimmung auf Käuferseite und damit die Veröffentlichung weiterer Details zu diesem Erfolg noch ausstehen.
„Einen wesentlichen Beitrag zum Umsatz- und Ergebniswachstum leisten derzeit vor allem die Projektverkäufe“
Bezugnehmend auf den zweiten Teil Ihrer Frage müssen wir zwischen den beiden eben genannten Segmenten unterscheiden. Mit Blick auf die Projektentwicklung können Strompreistendenzen und veränderte regulatorische Anforderungen durchaus Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit und die Realisierungsgeschwindigkeit unserer Projekte haben. Für eine nachhaltige und über viele Jahre zuverlässige Erlösstruktur unserer Projekte nehmen wir deshalb an EEG-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teil. Wo möglich, vereinbaren wir für neue Projekte alternativ subventionsfreie Langfrist-PPAs mit Energieversorgern oder Industrieunternehmen. Auch im Ausland, z.B. in Großbritannien und Frankreich, nehmen wir an Ausschreibungsverfahren teil, die eine langjährige und oft sogar inflationsindexierte Vergütung gewährleisten. Die Parks, die wir bereits im konzerneigenen Bestand betreiben, verfügen entweder bereits über EEG-Vergütungen oder, insofern diese ausgelaufen ist, über zumeist kurzfristige PPAs, die regelmäßig erneuert werden.
Anleihen Finder: Energiekontor hat zuletzt einige Ausschreibungen der Bundesnetzagentur gewonnen.Wie sieht Ihre gegenwärtige Projektpipeline im Wind- und Solarbereich aus? Und wie groß ist der Eigenbestand der Energiekontor AG an Wind- und Solarparks?
Peter Szabo: Wir konnten in den ersten Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur in diesem Jahr bereits bedeutende Erfolge erzielen: Insgesamt wurden zwölf Windprojekte mit rund 317 Megawatt und ein Solarprojekt mit knapp fünf Megawattpeak bezuschlagt. Die erhaltenen Zuschläge sind eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte, d.h. den Financial Close und die anschließende Realisierung der Projekte.
Unsere Projektpipeline im Wind- und Solarbereich ist sehr gut gefüllt. In den letzten Jahren konnten wir sie kontinuierlich ausbauen und weiterentwickeln – per Ende Juni 2025 auf rund zwölf Gigawatt. Das ist mehr als das Achtfache der Projekte, die wir insgesamt in unserer gesamten 35-jährigen Unternehmensgeschichte realisiert haben. Besonders erwähnenswert ist dabei der Anteil der Projekte, die sich in sehr fortgeschrittenen Entwicklungsphasen befinden und in denen rund 90 Prozent der Wertschöpfung realisiert werden. Diese machen derzeit etwa ein Viertel der gesamten Pipeline aus. Aktuell betreiben wir außerdem 39 Wind- und Solarparks mit rund 444 Megawatt im eigenen Bestand. Hinzu kommen mehr als 200 Megawatt, die sich derzeit im Bau befinden und ebenfalls dem Eigenbestand zugeführt werden sollen. Damit sind wir auf einem klaren Kurs, unser Eigenparkportfolio mittelfristig auf mindestens 650 Megawatt auszubauen. Weitere Projekte befinden sich in der Entwicklung.
„Unsere Projektpipeline im Wind- und Solarbereich ist sehr gut gefüllt“
Anleihen Finder: Inwiefern unterscheiden sich Ihre Geschäftsmodelle im „Eigenbetrieb“ und im „Projektverkauf“ generell? Wie planen Sie diese Balance in Zukunft?
Peter Szabo: Unser Geschäftsmodell basiert bewusst auf zwei Säulen: dem Projektverkauf und dem Eigenbetrieb von Wind- und Solarparks.
Im Projektierungsgeschäft durchlaufen wir alle Stufen der Wertschöpfungskette von der Akquisition der Flächen, die Projektentwicklung und den Bau der Projekte – d.h. inklusive Genehmigung, Anlagenkaufverträgen, Netzanschluss, Finanzierung usw. Wir verkaufen sie anschließend an private oder institutionelle Investoren, Versorger oder Energieunternehmen. Diese Transaktionen tragen maßgeblich zum Umsatz- und Ergebniswachstum von Energiekontor bei. Auch nach der Veräußerung der Projekte begleiten wir die Projekte bis zur Inbetriebnahme und übernehmen im Anschluss zumeist auch die externe kaufmännische und technische Betriebsführung für den neuen Betreiber.
Von den im Segment Projektierung entwickelten Projekten übernehmen wir außerdem in etwa die Hälfte in den konzerneigenen Bestand, was zu höheren Stromerzeugungskapazitäten und entsprechenden Mehreinnahmen in den darauffolgenden Jahren führt, um wiederum die Kosten für unser Projektgeschäft sowie unsere Personal- und Gemeinkosten abzudecken – quasi ein geschlossener Kreislauf, mit dem wir uns möglichst widerstandsfähig und finanziell stabil aufstellen. Mit unseren eigenen Wind- und Solarparks generieren wir letztlich planbare Einnahmen und stärken damit unsere wirtschaftliche Substanz nachhaltig und wiederkehrend.
Anleihen Finder: Welche geografischen Märkte sind aktuell Ihre wichtigsten Standorte? Wo sehen Sie Expansionspotenzial – national und international?
Peter Szabo: Neben unserem Heimat- und Kernmarkt Deutschland ist insbesondere Großbritannien derzeit der zweitwichtigste Ländermarkt für uns. Aktuell entfallen rund ein Drittel aller Projekte und sogar knapp zwei Drittel unserer vorliegenden Baugenehmigungen auf das britische Projektgeschäft. Das unterstreicht die strategische Bedeutung des britischen Marktes für unsere internationale Projektpipeline und unsere Wachstumsstrategie. Sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland sehen wir auch weiterhin attraktives Expansionspotenzial. In beiden Ländern verfügen wir über langjährige Erfahrung, lokale Expertise und gut eingespielte Strukturen, was uns erlaubt, neue Vorhaben effizient und wirtschaftlich tragfähig zu realisieren.
In Portugal betreiben wir vier eigene Windparks. In Frankreich konnten wir in diesem Jahr für die ersten beiden Solarparkprojekte den Financial Close erreichen. Beide Solarparks gehen 2027 ans Netz. Auch diese Parks wollen wir zukünftig selbst betreiben. In den Vereinigten Staaten konzentrieren wir uns mittlerweile ausschließlich auf den Solarbereich. Angesichts der ungünstigen Rahmenbedingungen infolge der restriktiven Politik der Trump-Administration in Bezug auf die Windenergie hatten wir unsere US-Wind-Pipeline zuletzt noch einmal auf den Prüfstand gestellt und haben entschieden, die bisher geplanten US-Windprojekte nicht weiter zu verfolgen.
Anleihen Finder: Ihr Fokus liegt auf Wind- und Solarenergie. Wie sehen Ihre Planungen bzgl. Hybridparks, Speicherlösungen und Wasserstoff aus? Wo sehen Sie hier das größte Wachstumspotenzial?
„Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit externen Partnern an ersten Projekten, in denen wir etwa Solarparks mit Batteriespeichern kombinieren“
Peter Szabo: Unser operativer Schwerpunkt liegt seit jeher auf Wind- und Solarenergie. In diesen beiden technologischen Bereichen kennen wir uns aus – dort verfügen wir über jahrzehntelange Erfahrung und eine starke Projektpipeline. Gleichzeitig beobachten wir sehr genau die wachsende Bedeutung ergänzender Technologien wie Hybridparks und Batteriespeicherlösungen.
Diese Lösungen sind unverzichtbar und bieten großes Wachstumspotenzial, insbesondere mit Blick auf die Kombination mit Erneuerbare-Energie-Anlagen und einer stabileren, bedarfsgerechteren Stromeinspeisung. Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit externen Partnern an ersten Projekten, in denen wir etwa Solarparks mit Batteriespeichern kombinieren, um die Stromerzeugung und Netzanforderungen noch besser in Einklang zu bringen. Auch darüber hinaus evaluieren wir kontinuierlich, wie sich diese Technologien sinnvoll in unsere strategische Ausrichtung integrieren lassen – unter anderem im Rahmen gezielter Kooperationen mit Green Tech-Startups.
Anleihen Finder: Nach der Platzierung einer 20 Mio. Euro-Anleihe Anfang des Jahres haben Sie nun erneut eine Anleihe aufgelegt. Für welche Projekte sollen die Anleiheerlöse von bis zu 15 Mio. Euro konkret eingesetzt werden? Und warum ist eine Anleihe der Muttergesellschaft dafür das richtige Instrument?
Peter Szabo: Für uns als Unternehmen spielt die Diversifikation unserer Finanzierung eine wichtige Rolle. Neben den klassischen Projektfinanzierungen haben wir daher in der Vergangenheit auch immer wieder auf Anleihen gesetzt. Aus unserer Sicht stellen sie eine echte Win-win-Situation dar: Wir erhalten als erfahrener Marktteilnehmer eine flexible Finanzierungsmöglichkeit, während vor allem private Anleger:innen gezielt den Ausbau der erneuerbaren Energien und damit die Energiewende voranbringen können.
Konkrete Projekte für den Einsatz der Anleihemittel aus der Unternehmensanleihe 2025 können wir derzeit nicht benennen. Der prospektgemäße Verwendungszweck umfasst jedoch unter anderem:
- – die Finanzierung der Entwicklung von Solar- und Windkraftprojekten;
- – die Vor-, Zwischen- und Refinanzierung von Solar- und Windkraftprojekten;
- – die Finanzierung des Kaufs von Gesellschaftsanteilen an Windkraft- und/oder Solarprojekten und/oder des Kaufs ganzer Wind- und/oder Solarparks;
- – die Ablösung bestehender Kredite, die zur Finanzierung von Solar- und Windkraftprojekten aufgenommen wurden;
- – den Kauf von Projektrechten.
INFO: Den Wertpapierprospekt zur neuen Energiekontor Anleihe 2025 finden Sie hier
Anleihen Finder: Wen sprechen Sie mit der neuen Anleihe an?
Peter Szabo: Im Fokus stehen hier vor allem private Anleger:innen, die mit einer überschaubaren Laufzeit investieren wollen. Viele von ihnen begleiten uns bereits seit vielen Jahren und bringen uns – nicht zuletzt aufgrund unserer kontinuierlichen Geschäftspolitik – ein hohes Maß an Vertrauen entgegen. Wir haben uns aufgrund der kurzen Laufzeit der Anleihe gegen eine Börsennotierung entschieden.
HINWEIS: Die Anleihe kann direkt über die Emittentin gezeichnet werden
Anleihen Finder: Die Energiekontor AG notiert im SDAX und ist ein erfahrener Anleihe-Emittent. Welches Volumen an Unternehmensanleihen und Stufenzinsanleihen haben Sie insgesamt platziert und wie viel wurde davon bislang zurückgezahlt (bzw. ist noch ausstehend)?
Peter Szabo: Als einer der Pioniere am Markt haben wir von Beginn an den Kontakt zu privaten Anleger:innen aufgebaut. In den ersten 20 Jahren sind die Investitionen auch von privaten Anleger:innen direkt in die Projekte erfolgt. Seit dem Jahr 2010 haben wir fast 165 Millionen Euro in Form von Stufenzinsanleihen und rund 110 Millionen Euro an Unternehmensanleihen platziert. Davon wurden bislang rund 145 Millionen Euro stets pünktlich und zuverlässig zurückgezahlt.
Anleihen Finder: Auf der Hauptversammlung wurde die angestrebte „Wachstumsstrategie 2023-2028“ bestätigt. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie bis 2028 – sowohl hinsichtlich MW-Ausbaus als auch Ertrag und Marktposition?
„Unser Ziel ist es, das Ergebnis vor Steuern (EBT) bis zum Geschäftsjahr 2028 auf rund 120 Millionen Euro zu steigern“
Peter Szabo: Ganz richtig, die angestrebte Wachstumsstrategie 2023 bis 2028 wurde auf der diesjährigen Hauptversammlung erneut bestätigt. Unser Ziel ist es, das Ergebnis vor Steuern (EBT) bis zum Geschäftsjahr 2028 auf rund 120 Millionen Euro zu steigern, und zwar auf Basis unseres bewährten, organischen Wachstumsmodells mit einer ausgewogenen 50/50-Quote zwischen Projektveräußerungen und dem Ausbau unseres Eigenportfolios.
Strategisch setzen wir dabei auf Kontinuität und fokussiertes Wachstum. Das bedeutet: Konzentration auf unsere bestehenden Ländermärkte, in denen wir über fundiertes Know-how und etablierte Strukturen verfügen und in denen die rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen langfristige Planungssicherheit bieten. Innerhalb dieser Märkte streben wir eine gezielte regionale Expansion an, um unser Projektportfolio systematisch zu erweitern.
Technologisch legen wir den Fokus klar auf Wind-an-Land- und Solarprojekte. Insbesondere das Solargeschäft werden wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Dabei bleibt unser Anspruch, wirtschaftlich effiziente und technologisch ausgereifte Projekte mit einem klaren Fokus auf Kostenführerschaft und Prozessoptimierung zu realisieren.
Das Potenzial dafür ist gegeben: Wir verfügen über ein Realisierungsvolumen von rund zwei bis drei Gigawatt. Parallel dazu planen wir, unser eigenes Erzeugungsportfolio auf etwa 1,0 Gigawatt bis 1,5 Gigawatt auszubauen. Damit stärken wir nicht nur unsere Ertragsbasis, sondern auch unsere Marktposition als unabhängiger Stromproduzent im Bereich der erneuerbaren Energien. Kurzum: Wir wachsen zielgerichtet, nachhaltig und ertragsorientiert.
„Wir wachsen zielgerichtet, nachhaltig und ertragsorientiert“
Anleihen Finder: Mit welchen Herausforderungen sind Sie derzeit besonders konfrontiert? Wo sehen Sie weitere Risiken im Erneuerbaren Energien-Sektor und somit auch speziell für Ihr Geschäftsmodell?
Peter Szabo: Zu den aktuell größten Herausforderungen zählen verlängerte Lieferzeiten und die eingeschränkte Verfügbarkeit zentraler Komponenten wie Windkraftanlagen, Umspannwerke und Transformatoren. Diese Engpässe betreffen sowohl Wind- als auch Solarprojekte und führen zunehmend zu Verzögerungen bei der Umsetzung. Um dem entgegenzuwirken, dehnen wir die Beschaffung von Anlagen und Großkomponenten auch auf außereuropäische Märkte aus.
Ein weiterer Punkt ist der verzögerte Ausbau der überregionalen Stromnetze, der eine effiziente Verteilung erneuerbarer Energie erschwert und damit die Energiewende ausbremst. Auch das regulatorische Umfeld bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Politische Entscheidungen und sich verändernde gesetzliche Rahmenbedingungen können langfristige Investitionsentscheidungen erheblich beeinflussen. Darüber hinaus beobachten wir in einigen Regionen eine begrenzte gesellschaftliche Akzeptanz von Wind- und Solarparks, was die Projektentwicklung zusätzlich erschweren kann.
Wir begegnen diesen Herausforderungen mit einem Bündel bewährter Maßnahmen und sehen uns deshalb unverändert gut aufgestellt. Unser organisches Geschäftsmodell ermöglicht uns, flexibel zu agieren und auch unter anspruchsvollen Bedingungen stabil weiterzuwachsen.
Anleihen Finder: Energiekontor wurde unlängst von der US-Ratingagentur MSCI „abgewertet“, was einen möglichen Ausschluss aus zahlreichen ESG-Portfolios und ETFs zu Folge haben könnte. Was sind die Gründe von MSCI und wie begegnen Sie diesem Thema?
Peter Szabo: Tatsächlich haben wir es hier mit einem ganz besonderen Sachverhalt zu tun. MSCI hatte Energiekontor kürzlich von „BB“ auf „B“ herabgestuft, was empfindliche Kursverluste zur Folge hatte. Hintergrund ist, dass mit dieser Herabstufung für einige ETFs und institutionelle Anleger eine Bewertungsschwelle unterschritten wurde, die zu automatischen Abverkäufen und Kursverlusten führte. Andere Anleger, die uns im Portfolio behalten wollten, suchten den direkten Kontakt zu uns und baten um ein Statement. Dieser Bitte kamen wir jeweils umfassend nach.
In dem vorliegenden Fall scheint MSCI nicht ausreichend über die deutsche Rechtslage informiert gewesen zu sein, denn das Thema Elternzeit wurde als Hauptgrund für die Herabstufung angeführt. Es erschließt sich uns leider bis heute nicht, auf welche durch Energiekontor öffentlich gemachten Angaben sich MSCI mit Blick auf dieses Thema beziehen könnte. In unserer Berichterstattung sind keine Angaben der Art erfolgt, die den Schluss zuließen, Energiekontor würde als Arbeitgeber seinen Pflichten nicht nachkommen. Energiekontor hält stets alle arbeitsrechtlichen Standards und Vorgaben ein. Vielmehr gehen wir darüber hinaus, um unsere Mitarbeitenden durch attraktive Arbeitsbedingungen zu binden und neue, gut qualifizierte Arbeitskräfte hinzuzugewinnen. Dies gilt für all unsere Niederlassungen im In- und Ausland.
„Nachhaltigkeit ist und bleibt der wichtigste Bestandteil unserer Unternehmens-DNA“
Wir haben also Kontakt zu MSCI aufgenommen und ausführlich zum jüngsten Rating Stellung bezogen, einschließlich des Hinweises auf den gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit in Deutschland. Wir haben um eine erneute Überprüfung und entsprechende Neubewertung des Ratings gebeten. Der Eingang unserer Stellungnahme wurde durch MSCI zwar bestätigt, auf wiederholte Nachfrage zum Zwischenstand erhielten wir bislang jedoch keine weiter verwertbare Rückmeldung. Mit Blick auf die in Teilen irreführende Darstellung von Energiekontor haben wir MSCI nun um prioritäre Behandlung der Angelegenheit gebeten. Der Ausgang dieser Angelegenheit ist noch offen.
Dieser unnötig kursschädigende Vorfall zeigt leider, wie undifferenziert viele große internationale ESG-Rating-Agenturen teilweise vorgehen, insbesondere in Bezug auf kleinere börsennotierte Unternehmen, die über deutlich geringere Kapazitäten verfügen als große Konzerne und der ESG-Berichtspflicht auch häufig nicht im selben Umfang unterliegen. Das öffentliche Vorhandensein vieler KI-auslesbarer Datenpunkte ist aus unserer Sicht noch lange kein Beleg für tatsächlich nachhaltige Geschäftsmodelle – anders können wir uns das „A“-Rating z.B. einzelner Rüstungskonzerne im ESG-Bereich von MSCI nicht erklären. Nachhaltigkeit ist und bleibt der wichtigste Bestandteil unserer Unternehmens-DNA, daran ändert auch ein derzeit herabgestuftes MSCI-Rating nichts.
Anleihen Finder: Abschließend:Warum setzt sich die Energiekontor AG am umkämpften Energiemarkt mit starkem Wettbewerb durch und bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Player der Energiewende?
Peter Szabo: Energiekontor ist seit 35 Jahren erfolgreich am Markt für erneuerbare Energien aktiv und das mit einem klaren, organisch gewachsenen Geschäftsmodell. In einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld und unter geopolitisch herausfordernden Rahmenbedingungen setzen wir auf langfristige Partnerschaften, eine fundierte Standortwahl und konsequente Effizienz in allen Projektphasen.
Unsere Stärke liegt nicht nur in der erfolgreichen Entwicklung und Umsetzung von Wind- und Solarprojekten, sondern auch in der bewussten Kombination von Projektverkäufen und dem strategischen Ausbau unseres Eigenportfolios. Diese ausgewogene Aufstellung ermöglicht uns, Chancen flexibel zu nutzen und gleichzeitig stabile, wiederkehrende Erträge auch in einem volatilen Marktumfeld zu generieren.
Wir konzentrieren uns dabei auf Länder mit rechtssicheren Rahmenbedingungen und kennen unsere Märkte sehr genau. Unsere langjährige Erfahrung, unser eingespieltes Team sowie unsere klare Fokussierung auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit geben uns ganz besonders in unsicheren Zeiten die nötige Stabilität und machen Energiekontor zu einem verlässlichen Akteur der Energiewende.
Anleihen Finder: Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen, Herr Szabo.
Anleihen Finder Redaktion.
Hier finden Sie den Original-Artikel: Interview mit Peter Szabo, Vorstand der Energiekontor AG