Die Circular Economy (CE) verspricht Ansätze für die Lösung der drei drängendsten Probleme, vor denen der Europäische Wirtschaftsraum sowie viele Regionen in Europa stehen:
Erstens: Mehr Nachhaltigkeit durch Kreislaufwirtschaft. Zirkuläre Praktiken führen zur Reduktion des Materialverbrauchs und damit zur Reduktion von Treibhausgasemissionen (ökologische Nachhaltigkeit) sowie ebenso zur Reduktion von Materialkosten und Kostenrisiken von Unternehmen (ökonomische Nachhaltigkeit).
Zweitens: Diversifizierung der Rohstoffquellen durch die Erschließung des Materialstocks als zusätzliche Rohstoffquelle mithilfe der R-Strategien (Reuse, Refurbishment, etc.).
Drittens: Mehr Resilienz in der Rohstoffversorgung durch höhere Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen bzw. geringerer Nachfrage wegen langlebigerer Produkte.
Die Circular Foresight Initiative (CFI) vereint sieben kreislaufwirtschaftliche Vorreiterorganisationen und CE-Netzwerke aus Bayern und Österreich, um innovative, zirkuläre
Wertschöpfungsprozesse in Branchen mit hoher Materialintensität zu fördern. Hierzu zählen die Wirtschaftsförderung Burghausen als Leadpartner, die TH Rosenheim/Campus Burghausen, das Ressourcen Forum Austria, die Wirtschaftsagentur Business Upper Austria, das Umwelttechnologie-Cluster Bayern, die Standortagentur Tirol sowie die Innovation Salzburg.
Die CFI verfolgt einen grenzüberschreitenden Ansatz, der von den Erfahrungen, der Expertise und den Kontakten aller Partner profitiert. Die CFI fördert die zirkuläre Transformation im bayerisch- österreichischen Grenzraum mit einem ergebnisoffenen Bottom-Up-Ansatz. Im Gegensatz zu Top- Down Ansätzen, die vorgefertigte Lösungen wie digitale Tools entwickeln, richtet sich die CFI an die unbekannten Bedürfnisse von Unternehmen bei der Implementierung von Maßnahmen zur Stärkung der CE. Dabei nutzt sie die Expertise und das Erfahrungswissen zirkulärer Vorreiterunternehmen (Pioniere) aus materialintensiven Branchen.
In Workshops werden die Erfahrungen dieser Pioniere analysiert, bestehende und bestandene Herausforderungen sowie angewandte und erfolgreiche Strategien zur Überwindung dieser Herausforderungen identifiziert und daraus praxisnahe und handlungsorientierte zirkuläre Zukunftspfade für Unternehmen entwickelt. Neue Erkenntnisse werden mit den teilnehmenden Unternehmen validiert, um Kohärenz und Präzision sicherzustellen.
Die Grundlage für diese Analyse und Synthese bildet eine neu entwickelte Circular-Foresight-Methodik (CFM) - eine Kombination aus Szenarioanalysen und Corporate Foresight mit Fokus auf die Kreislaufwirtschaft. Die CFM wird an der TH Rosenheim entwickelt und im Rahmen von eigens durchgeführten Workshops angewandt. Ein Prototyp der Methodik existiert bereits, sie wurde im berufsbegleitenden Masterstudiengang CE explizit als Entwurf für dieses Projekt konzipiert.
Zielgruppen sind vor allem kleine- und mittlere Unternehmen (KMU) mit Erfahrung, Know-How, Anwenderwissen und Erfahrung in Bezug auf die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsmaßnahmen. Für diese wird basierend auf dem entwickelten Verständnis unternehmens- und wertschöpfungskettenspezifische Zukunftspfade für die Kreislaufwirtschaft erarbeitet. Diese Erkenntnisse werden genutzt, um Angebote für kreislaufwirtschaftliche Einsteigerunternehmen zu unterstützen und konkrete Angebote für diese zu entwickeln.
Für eine bessere Erreichung der Kernzielgruppe werden die CFM-Workshops in bestehende Veranstaltungsformate wie Messen oder Branchentreffen integriert. Die CFI unterstützt Unternehmen dabei, die grüne Transformation erfolgreich zu gestalten. Zentrales Ergebnis ist ein tiefgreifendes Verständnis der Bedürfnisse und Herausforderungen von Unternehmen sowie die Identifizierung der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche zirkuläre Transformation.
Der Kern des Projekts liegt im Aufbau eines strukturierten, grenzüberschreitenden Innovationsnetzwerks, das Wissen der kreislaufwirtschaftlichen Pioniere nutzt, um zirkuläre Zukunftsstrategien gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und Clusterorganisationen zu entwickeln, die von KMU aus der Region angewandt werden können.
Der Projektzeitraum ist vom 1. Januar 2026 bis 30. Juni 2028 angesetzt. Kofinanziert wird die Circular Foresight Initiative von der Europäischen Union im Rahmen des Interreg Programms für Bayern und Österreich. Das Gesamtbudget beträgt knapp 850.000 € bei einer Förderquote von 75 Prozent.