Besonders heikel ist deshalb, wenn Unternehmen versuchen, mit Tabellenkalkulationsprogrammen ein Berichtswesen aufzubauen, das den strengen aufsichtsrechtlichen Vorgaben nach MaRisk genügt: "Tabellenkalkulationsprogramme sind häufig damit überfordert, heterogene Daten nachvollziehbar und konsistent zusammenzuführen. Zudem versagen sie bei der automatisierten Erstellung von Reports. Dafür wurden sie auch nicht geschaffen", meint Frank Hansen, Risk Practice Leader bei SAS Deutschland. "Allenfalls als Benutzeroberfläche eines strategisch-analytischen Systems für die Risikosteuerung lassen sich Spreadsheets in diesem Kontext sinnvoll einsetzen."
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in ihren "Mindestanforderungen für das Risikomanagement" (MaRisk) eindeutige Anforderungen an das Berichtswesen festgeschrieben: Korrekt und konsistent müssen die Reports unter anderem sein. Da in der Regel mehrere Analysten an deren Erstellung beteiligt sind und diese jeweils mit eigenen Dateien arbeiten, ist die Vorgabe mit Tabellenkalkulationsprogrammen nicht zu erfüllen: Unterschiedliche Datenselektionen, verschiedene Sichtweisen in der Berechnungslogik oder den fachlichen Prozessen und Programmierfehler führen immer wieder zu Inkonsistenzen und Fehlern in den Berichten.
Zugleich sollen die Reports regelmäßig und automatisiert erstellt werden. Um diese Anforderung zu erfüllen, müssen die Prozessschritte Datenaufbereitung, Berechnung und Präsentation miteinander verknüpft werden - eine Aufgabe, der die typischen Office-Programme aufgrund ihrer Konzeption nicht gerecht werden können. "Dazu kommt: Tabellenkalkulationsprogramme sind auf eine interaktive Benutzung zugeschnitten. Selbst wenn Softwareentwickler die Programme den individuellen Anforderungen ihrer Unternehmen anpassen, ist mehr als ein halbautomatisiertes Vorgehen nicht möglich", erklärt Hansen. Ein solch großer manueller Aufwand verursacht zudem hohe Kosten, wie die Analysten der Hackett Group ermittelt haben: Für die Planung von einer Milliarde US-Dollar Umsatz werden 25.000 Personentage benötigt.
Der weitreichende Einsatz von Tabellenkalkulation steht also im direkten Widerspruch zu den Vorgaben der MaRisk und anderen regulatorischen Anforderungen - er kann sogar zum ernstzunehmenden Risiko werden: "Der Finanzindustrie wird mehr und mehr bewusst, dass das übermäßige Verwenden von Tabellenkalkulationen einen Schlüsselindikator für operationelle Risiken darstellt, der sich direkt in regulatorische Kosten übersetzen lässt", so Hansen weiter. "Tabellenkalkulationssoftware ist heute zu einem allgegenwärtigen Arbeitsinstrument geworden. Doch so bequem der Umgang mit diesen Programmen auch ist: Die Erfahrung zeigt, dass die Bedenken gegenüber einem Einsatz für Compliance-relevante Aufgaben berechtigt sind. Als Baustein innerhalb einer analytischen Business-Intelligence-Architektur finden sie jedoch ihren Platz."
Der weltgrößte Business-Intelligence- und Business-Analytics-Anbieter SAS hat zu diesem Thema ein umfassendes Whitepaper erstellt, das unter http://www.sas.de/excelrisk/ angefordert werden kann.