Gemeinsam mit Sebastian Herwig und Burkhard Weiß stellte Prof. Dr.Jörg Becker (v.r.) die Ergebnisse der ERCIS-Studie zum E-Government vor. [Foto: Wolfram Linke]Wie es überhaupt ausschaut mit dem E-?Government, hat jetzt das European Research Center for Information Systems (ERCIS) der Uni Münster untersucht. Das Angebot, in Deutschland Behördengänge via Internet abzuwickeln, wird bislang kaum benutzt. Mit der vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebenen Studie wurden Verfügbarkeit und Zugangsmöglichkeiten zu Verwaltungsleistungen im Internet unter die Lupe genommen und Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Auf der CeBIT in Hannover (4. Bis 9. März) wird Prof. Dr. Jörg Becker, Geschäftsführender Direktor des ERCIS-?Headquarters und Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement, die Studie gemeinsam mit den sieben daran beteiligten Studierenden präsentieren.
Unterbeteiligte Zielgruppen
Der Fokus der Arbeit richtete sich auf die Frage, wie auch bislang unterbeteiligte Zielgruppen in der Bevölkerung und Wirtschaft an den E-?Government-?Angeboten in Deutschland davon profitieren können. „Dabei“, so Prof. Becker, „stellte sich zunächst die Frage, wo Deutschland mit seinem Angebot derzeit überhaupt steht“. Mit Blick auf den Breitbandzugang rangieren die Deutschen im internationalen Vergleich auf den mittleren Rängen (Platz 11 von 27). Beim Thema E-?Government-?Nutzung sei die Bürgerschaft schon wesentlich weiter, als Unternehmen: Bei Beschaffen von Informationen (27,8 Prozent), Herunterladen von Formularen (17,5 Prozent) und dem ausgefüllten Zurücksenden 9,4 Prozent) stehen die deutschen Bürger im internationalen Vergleich auf Platz 7 von 27 – Deutschlands Unternehmen haben auf Platz 27 dagegen die rote Laterne.
Benachteiligte Gruppen
Bei der Nutzung des Internets seien laut Prof. Becker ländliche Gegenden überproportional unterrepräsentiert – ebenso wie die neuen Bundesländer, Menschen mit Migrationshintergrund bis in deren zweite Generation hinein, Behinderte, sozio-?ökonomisch Benachteiligte sowie ältere Menschen. Mangelnde Bildung spiele ebenfalls eine gewichtige Rolle. „Generell“, stellte der Professor fest, „nutzen Frauen das Internet weniger als Männer“.
Fehlendes Verständnis
Als Barrieren ermittelten die Experten neben fehlenden technischen Zugängen auch mangelnde technische Fähigkeiten, fehlendes inhaltliches Verständnis für das E-?Government und die inhaltliche Leistungsgestaltung . Teils seien die Internetauftritte katastrophal in Struktur und Navigation: „Die Studierenden haben manches bis zu zwei Stunden gesucht, nicht gefunden, und wir haben es dann als nicht vorhanden klassifiziert“, nannte Jörg Becker ein Beispiel. Hauptproblem jedoch sei das fehlende inhaltliche Verständnis. Auch die per Verordnung festgelegte Barrierefreiheit sei nicht immer gegeben. „Sie befindet sich eher in einem rudimentären Stadium, aber ein Transformationsprozess findet statt“, stellte Becker fest. Ergänzend dazu erläuterte er. Auch der Nutzungsgrad von Hilfsmitteln in Form von Soft- oder Hardware für Behinderte stehe noch am Anfang.
Handlungsempfehlung
Aus den Untersuchungsergebnissen sei nun eine Handlungsempfehlung entwickelt worden: Das E-?Government der Städte und Gemeinden sollte möglichst eine einheitliche Struktur haben, damit sich ein Bürger auch im Umzugsfalle am neuen Standort sofort zurechtfinden könne. Die Bürger müssen über die Vorteile und Fakten – wie etwa die ständige Verfügbarkeit sowie Wege- und Kostenersparnis durchs E-?Government - besser informiert werden. Zu empfehlen seien betreute PC-?Arbeitsplätze in den Verwaltungen, an denen der Bürgerschaft der Umgang mit dem E-?Government gezeigt und erklärt werde. Speziell für diesen Sektor gelte es, die Verwaltungssprache zu vereinfachen, mahnte Becker an. Schließlich könne auch noch über eine Subventionierung von Internetzugängen für sozial Benachteiligte nachgedacht werden.
Fünf Handlungsfelder
Daraus ergeben sich schließlich laut Studie fünf Handlungsfelder: eine „Best-?Practice-?Plattform“, ein praktischer Pilotversuch unter dem Motto „Stadt der Zukunft“, die internationale Barrierefreiheit des Internets, das Kiosksystem mit PCs in der Verwaltung und zu guter Letzt die Vereinfachung der Verwaltungssprache. Diese Verbesserungsvorschläge fließen in das von der Bundesregierung veröffentlichte Programm „E-?Government 2.0“ ein, das sicherstellen soll, dass alle Bevölkerungsgruppen einen einfachen Zugang zu Verwaltungsangeboten im Internet haben. ERCIS wird auch an der Realisierung durch das Innenministerium beteiligt sein.
ERCIS auf der CeBIT
Wer mehr über das Programm erfahren möchte kann sich auf der CeBIT-?Messe in Hannover vom 4. Bis 9. März sowohl auf dem Stand des Bundesministeriums des Innern, Halle 9, Stand B 60, als auch auf dem Gemeinschaftsstand der NRW-?Hochschulen und Forschungseinrichtungen (Halle 9, Stand C 16), wo ERCIS die Ergebnisse präsentiert, informieren.
Quelle: Wolfram Linke, Stadtmagazin Echo Münster, http://?www.?echo-? muenster.de/node/18632