On-Premise-Systeme werden bevorzugt in Bereichen mit hohen Ansprüchen an Datenschutz und Compliance, Investitionssicherheit und Funktionserhalt eingesetzt. Private- oder Public-Cloud-Anwendungen kommen dagegen verstärkt dann zum Einsatz, wenn Kunden von Skalierung oder Innovationen profitieren wollen, etwa in Bereichen wie KI, IoT oder Business Intelligence.
Erst die Strategie, dann die Technik
Der erste Schritt ist die Klärung im Management. Eine Cloud-Transformation beginnt nicht erst mit dem technischen Umstieg, sondern erfordert eine klare Definition der geschäftlichen Ziele. Dies erfordert einen engen Austausch auf Managementebene.
„Viele Unternehmen beginnen ihre Cloud-Transformation mit der Technik. Das ist der falsche Startpunkt“, betont Jonas Heitmann, Expert SAP Consulting bei OEDIV. „Die erste Frage muss lauten: Wohin wollen wir unser Geschäft in den kommenden fünf Jahren entwickeln? Daraus lassen sich die spezifischen Anforderungen an Datenkontrolle, Compliance, Betriebssicherheit und Flexibilität ableiten und fundiert über die künftige IT-Architektur entscheiden.“
Clean Core ist kein Dogma, sondern ein Gestaltungsspielraum
Dabei ist es auch essenziell, dass Anwender das Thema „Clean Core” in ihre Cloud-Strategie integrieren, ohne sich die Vorgehensweise von SAP aufzwingen zu lassen. Clean Core darf kein radikaler Schnitt sein, sondern muss als evolutionärer Prozess betrachtet werden, der den kulturellen Wandel zu einer standardisierten Cloud-Architektur vorantreibt.
„Standardisierung heißt nicht Funktionsverlust, sondern bessere Entkopplung“, sagt Jonas Heitmann. „Wer jahrelang in Eigenentwicklungen investiert hat, die echte Wettbewerbsvorteile liefern, sollte diese nicht auf Zuruf abschalten – sondern systematisch in eine neue Architektur überführen.“
Dies ist durch eine gezielte Extension-Strategie zu erreichen, bei der nicht einfach auf bewährte Individualisierungen verzichtet wird. Vielmehr sollen diese mithilfe der SAP BTP sowie Multi-Cloud-Ansätzen zukunftssicher erhalten bleiben. So ist es möglich, schneller auf wechselnde Anforderungen zu reagieren, ohne auf Innovationen im Kernsystem zu verzichten.
API-First als Hebel für Unabhängigkeit
Gerade in hybriden Landschaften ist die Integrationsarchitektur entscheidend für Stabilität oder Chaos. Auch hier gilt: „API-First” ist keine technische Maßnahme, sondern eine strategische Entscheidung zugunsten von Standardisierung und Unabhängigkeit. Eine Integrationsarchitektur, die nach dem API-First-Ansatz gestaltet ist und On-Premise-, Private-Cloud- und Public-Cloud-Umgebungen orchestriert, wird zum Stabilitätsfaktor und Hebel zur unternehmerischen Souveränität. Wer diesen Ansatz konsequent verfolgt, kann den Cloud-Anbieter morgen wechseln, ohne das Geschäft zu gefährden.
„Wir erleben bei unseren Kunden im Mittelstand immer wieder das gleiche Muster: Der Druck von SAP ist da, die eigene IT ist im Tagesgeschäft gebunden und strategische Entscheidungen werden vertagt“, sagt Heitmann. „Genau hier setzen wir an – nicht mit einer Standardlösung, sondern mit einem gemeinsamen Blick auf die individuelle Ausgangslage.”
Neue Rollen für interne IT-Teams
Wenn der Schritt in die Cloud nachhaltig vorangetrieben wird, verändern sich die IT-Architekturen, die Service-Modelle werden erweitert und innovative Technologien halten Einzug ins Unternehmen.
Mit solch einer Transformation verändert sich auch die Rolle interner IT-Teams grundlegend. Klassische Basisaufgaben wie Datenbank-Administration oder Patch-Management wandern zum Anbieter. „Die eigene Mannschaft muss sich vom Ausführenden zum koordinierenden Service- und Qualitätsmanager entwickeln – ein Wandel, der Begleitung braucht“, sagt Jonas Heitmann.
Eine weitere Herausforderung ist das Kostenmanagement. „Wer Cloud nutzt, bekommt eine transparente Übersicht über Abrechnung und Verbrauch“, sagt Jonas Heitmann. „Wer hier nicht vor dem Umstieg Klarheit schafft, riskiert erhebliche Budgetabweichungen. Eine detaillierte Gesamtkostenanalyse – inklusive der oft übersehenen Transformationskosten für das eigene IT-Team – ist deshalb keine Kür, sondern Pflicht.
OEDIV bietet Orientierung in der Landschaft veränderter Lizenz- und Nutzungsmodelle und sorgt für Transparenz im Bereich der indirekten Nutzungsgebühren, die insbesondere in hybriden Landschaften eine große Rolle spielen. Dadurch lassen sich ungeplante Kosten vermeiden.
Migration in Wellen: Lernen, anpassen, skalieren
Wie die Praxis zeigt, führen die meisten SAP-Anwender die Cloud-Transformation nicht als radikalen Schnitt, sondern als evolutionären Prozess durch. Je nach Geschäftsanforderungen werden Systeme und Funktionalitäten schrittweise in geeignete Betriebsmodelle migriert – egal, ob es sich um On-Premise- oder Cloud-Lösungen von SAP oder Drittanbietern handelt.
Dieses Vorgehen senkt die Risiken für den Geschäftsbetrieb und ermöglicht einen kontinuierlichen Lernprozess. So lassen sich die Erfahrungen aus den ersten Projekten nutzen, um die folgenden Schritte zu optimieren.
Da das Wartungsende für die älteren SAP ERP-System naht, sollten Unternehmen rechtzeitig mit der Konzeption ihrer künftigen IT-Architektur beginnen. „Es geht um einen strategischen Umbau,“ resümiert Jonas Heitmann. „Wer sich nicht von Anbieter-Roadmaps treiben lässt und die eigene Geschäftsstrategie zum Kompass macht, behält die Kontrolle über Kosten, Architektur und den eigenen Wettbewerbsvorteil.”
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