Bernd Bögel: Ich heiße Bernd Bögel, bin verheiratet, habe zwei Töchter und arbeite seit 1987 bei MEKRA Lang – also seit über 38 Jahren. Ich habe hier viele Stationen durchlaufen: Vertrieb, Einkauf, Verkauf. Schon früh hat mich die internationale Ausrichtung interessiert, besonders Asien. Als Student bin ich viel in Südostasien gereist – klassisch mit dem Rucksack in den 80er Jahren. Nach dem Studium habe ich mich spontan bei MEKRA beworben und bin geblieben.
SD: Welche Bereiche gehören heute zu deinem Verantwortungsbereich?
Bernd Bögel: Mein Fokus liegt auf Strategie und Steuerung für den asiatischen Markt – insbesondere China, Japan, Korea und Südostasien.
SD: Wie kam es dazu, dass du dich auf Asien spezialisiert hast?
Bernd Bögel: Ursprünglich wollte ich in die Tourismusbranche, Reisen war immer meine Leidenschaft. Ich habe Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing studiert und meine Diplomarbeit im Tourismusmarketing geschrieben. Bei MEKRA haben sich dann immer wieder spannende Möglichkeiten ergeben. Anfang der 90er Jahre begannen wir mit internationalen Aktivitäten – zunächst in Schweden und Tschechien. Mitte der 90er kam ein Impuls von einem Kunden: „Wir wollen nach China – MEKRA soll mitgehen.“ Mein damaliger Chef fragte, wer das übernehmen möchte. Da ich schon lange eine Affinität zu Asien hatte, habe ich mich gemeldet.
SD: Wie sahen die ersten Schritte in China aus?
Bernd Bögel: Ende der 90er bin ich zu meinen ersten Reisen nach China aufgebrochen. Die ersten Eindrücke waren ernüchternd. Eine Anekdote: Bei einer Fahrt durch Südchina hielten wir an einem Straßenstand, der Rückspiegel verkaufte – für 1,50 Dollar. Wir dachten: „Das wird nichts.“ Aber wir haben weitergesucht und schließlich eine Firma gefunden, die Spiegelgläser benötigte – unser Ursprung bei MEKRA Lang. 1999 begannen wir mit einem Joint Venture in Shanghai, da 100 % Beteiligungen damals nicht möglich waren. Von dort aus haben wir das Geschäft Schritt für Schritt aufgebaut.
SD: Seit wann bist du in der Geschäftsführung?
Bernd Bögel: Seit dem Jahr 2000 bin ich in der Geschäftsführung der MEKRA Global Mirrors Holding GmbH – der Holding für unsere internationalen Beteiligungen.
SD: Welche Unterschiede gibt es in der Geschäftsetikette zwischen Asien und Deutschland?
Bernd Bögel: Asien ist vielfältig, aber gewisse kulturelle Unterschiede sind spürbar. Früher bekamen wir in China ein „Dos and Don’ts“-Coaching – etwa, dass man am Tisch nicht schnäuzen sollte oder dass man das „Gesicht“ wahren muss. Heute ist vieles entspannter, und direkte Kommunikation ist eher möglich. In Japan oder Korea wird Kritik oft indirekt geäußert – ein klares „Nein“ gibt es selten. Wichtig ist ein respektvoller Umgang. Die Unternehmenskultur ist meist hierarchischer geprägt, Entscheidungen fallen im Top-Management. Wir versuchen, unsere mitarbeiterorientierte Kultur einzubringen, aber Seniorität spielt weiterhin eine große Rolle.
SD: Wie kommunizierst du mit Geschäftspartnern in Asien?
Bernd Bögel: Hauptsächlich auf Englisch. Mein Chinesisch beschränkt sich auf ein paar Wörter – die Sprache ist sehr komplex. Englisch hat sich im Geschäftsleben etabliert. Unser erster Geschäftsführer in China, Herr Tu, hatte in Deutschland studiert, was die Kommunikation erleichtert hat.
SD: Bist du als Geschäftsführer auch disziplinarisch für die Mitarbeitenden in Asien verantwortlich?
Bernd Bögel: Die lokalen Geschäftsführer sind eigenständig tätig und tragen die Verantwortung vor Ort. Wir geben die strategischen Richtlinien aus dem Headquarter vor – das hat sich bewährt.
SD: Wie würdest du die Unternehmenskultur bei MEKRA Lang in Asien beschreiben?
Bernd Bögel: In China sind persönliche Beziehungen – Guānxì – entscheidend. Geschäfte basieren oft auf Vertrauen und Netzwerken. Unser Ansatz war nie, in China billig zu produzieren und nach Deutschland zu liefern. Wir produzieren für den lokalen Markt und leben unsere Werte auch dort, etwa beim Thema Menschenrechte. In Japan sind langfristige Partnerschaften zentral, in China ist man flexibler und wechselt Lieferanten schneller. Wir haben unser China-Geschäft von Anfang an eigenständig aufgebaut – ein Modell, das heute viele Unternehmen anstreben.
SD: Welche Standorte hat MEKRA Lang in Asien?
Bernd Bögel: Früher hatten wir drei Standorte in China: Shanghai, Changchun und Nanchang. Die beiden letzteren haben wir aufgegeben, da sie auf den PKW-Bereich ausgerichtet waren. In Japan haben wir ein Joint Venture, das den dortigen Markt betreut. Ein früheres Joint Venture mit einem Heizfolienlieferanten sowie eines in Thailand haben wir aus strategischen Gründen beendet. Aktuell sind wir mit dem Standort in Shanghai und der Beteiligung in Japan aktiv – flexibel und marktorientiert.
SD: Und in Südkorea?
Bernd Bögel: Dort haben wir ein unabhängiges Vertriebsbüro, das exklusiv für uns arbeitet. Die Belieferung erfolgt über unseren Standort in Shanghai und teilweise direkt aus Deutschland, z. B. für das DVS-System.
SD: Welche Ratschläge würdest du jungen Fachkräften geben?
Bernd Bögel: Neugier ist entscheidend – nicht die 35-Stunden-Woche. Für mich war es ein Abenteuer: „Herr Bögel, setzen Sie sich ins Flugzeug und schauen Sie, was es dort zu tun gibt.“ Heute ist diese Bereitschaft seltener. Wer offen für andere Kulturen ist und Chancen nutzt, kann viel lernen. Man muss auch mal ins kalte Wasser springen. Wer sagt: „China? Da muss ich Schlangen essen!“ – für den ist es vielleicht nichts. Aber Offenheit bringt Erfahrungen, die prägen.
SD: Wie siehst du die Zukunft von MEKRA Lang in Asien?
Bernd Bögel: Wir entwickeln gerade eine neue Asien-Strategie. Die globale Lage ist komplex: China, USA, Europa – alles hängt zusammen. Früher war China offen für Investoren, und wir hatten ein stabiles Geschäftsmodell. Heute ist der Wettbewerb härter, China ist wirtschaftlich enorm gewachsen. Wir prüfen neue Standorte, aber noch ist nichts entschieden. Klar ist: In China muss man flexibel und schnell reagieren. Der Markt ist dynamisch, trotz Fünfjahresplänen. Ich sehe Asien weiterhin positiv – aber mit mehr Herausforderungen als früher.
SD: Wie balancierst du Beruf und Privatleben, gerade bei vielen Reisen?
Bernd Bögel: Meine Frau und ich sind seit 1985 zusammen. Als die China-Reisen begannen, war ich oft lange weg – das erste Wort meiner Tochter war „Papa Changchun“. Die Work-Life-Balance war schwierig. Meine Frau hatte einen guten Job, aber wir entschieden gemeinsam, dass sie zuhause bleibt. Heute ist Elternzeit für Väter normal – damals nicht. Trotzdem habe ich ein sehr gutes Familienleben. Man muss Beziehungen pflegen, auch bei wenig Zeit. Wichtig ist, sich bewusst Zeit zu nehmen, wenn man zurückkommt.
SD: Was war dein Traumjob als Kind?
Bernd Bögel: Das war schon immer irgendwas mit Reisen – Pilot zum Beispiel.
SD: Und wie fühlt es sich an, dass dein Hobby zum Beruf wurde?
Bernd Bögel: Geschäftsreisen sind keine Urlaube, aber mein Interesse an fremden Kulturen konnte ich gut einbringen. Heute muss ich nicht mehr jede Woche fliegen, aber wir haben ein stabiles Umfeld in Asien aufgebaut. Das Reisen und die kulturelle Neugier begleiten mich seit meiner Kindheit – und haben sich ideal mit dem Beruf verbunden.
SD: Vielen Dank für das Gespräch!