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KI-Workloads stellen RZ-Weichen neu

Interview mit Florian Sippel, COO der noris network AG

(PresseBox) (Otterfing, )
Large Language Models haben sich innerhalb kürzester Zeit zur Triebfeder der digitalen Wertschöpfung entwickelt. Für Rechenzentren steigen damit die Anforderungen an Leistung, Energie und Regulierung enorm. Florian Sippel, COO der noris network AG, erklärt, wie sich KI-Infrastrukturen souverän, skalierbar und nachhaltig betreiben lassen.

Herr Sippel, GPU-Cluster treiben die Leistungsdichte auf ein neues Niveau. Wo liegen die physischen Grenzen herkömmlicher Infrastrukturen?

Florian Sippel: Referenzarchitekturen kalkulieren bereits rund 1,1 Megawatt pro Compute-Rack. Das übersteigt die aktuelle Anschlussleistung vieler existierender Rechenzentren um ein Vielfaches. Der springende Punkt ist: Obwohl reichlich freie Fläche vorhanden ist, lassen sich zusätzliche KI-Lasten nicht mehr betreiben, weil die elektrische Versorgung nicht mehr mithalten kann. Wir müssen die Infrastruktur für den Einsatz von KI-Anwendungen also von Grund auf neu denken. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Stromversorgung, sondern auch für die Kühlung.



Stichwort Stromversorgung: Welche Rolle spielt die 800-VDC-Technologie in diesem Kontext?

Florian Sippel: Die Umstellung auf 800 VDC Gleichstromversorgung ist ein Hebel, um die Effizienz in hochdichten KI-Umgebungen zu steigern. Der physikalische Vorteil: Bei gleicher Leistung sinkt mit der höheren Spannung der Strom und damit der erforderliche Leiterquerschnitt. Das spart Material, reduziert ohmsche Verluste und vereinfacht die Kabelinfrastruktur erheblich. Hinzu kommt, dass gegenüber herkömmlichen Wechselstromarchitekturen Wandlungsstufen entfallen, die ihrerseits Energie kosten. Gerade bei Leistungsdichten im Megawattbereich ergibt sich daraus ein spürbarer ökonomischer und ökologischer Effekt.

Hochdichte GPU-Cluster erzeugen enorme Abwärme. Wie adressiert noris network die Herausforderungen bei der Kühlung?

Florian Sippel: Wir verfolgen einen mehrstufigen Ansatz. Für luftgekühlte GPU-Server bauen wir auf Ultra-High-Density-Racks. Für Leistungsdichten im Megawattbereich nutzen wir modulare Container-Rechenzentren mit hybriden Kühlsystemen, die Luft-, adiabate und Wasserkühlung kombinieren. Besonders vielversprechend ist unser Liquid-Cooling- Konzept ohne konventionelle Kältemaschine. Eine direkte Flüssigkeitskühlung der GPU-Module führt die Abwärme auf einem deutlich höheren Temperaturniveau ab als herkömmliche Luftkühlung. Das reduziert die mechanische Komplexität und die Wartungskosten erheblich.

Zum anderen wird die Abwärme auf diesem Temperaturniveau thermodynamisch nutzbar, beispielsweise für die Einspeisung in Fernwärmenetze oder als Prozesswärme für angrenzende Industrie. Was in konventionellen Rechenzentren als Verlust verpufft, wird so zur verwertbaren Ressource.

Neben der Technik steht die Frage der digitalen Souveränität im Raum. Wie bewerten Sie die regulatorische Landschaft?

Florian Sippel: Die regulatorische Dimension ist für viele unserer Kunden mittlerweile genauso entscheidend wie Verfügbarkeit oder Performance. Die DSGVO ist heute Grundlage. Darüber hinaus greifen branchenspezifische Regelwerke wie DORA, das Finanzunternehmen und Assekuranzen strenge Anforderungen an die digitale Betriebsstabilität auferlegt. Relativ neu ist der EU AI Act, der erstmals verbindliche Regeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz definiert.

Auf der anderen Seite steht der CLOUD Act. Das US-amerikanische Gesetz erlaubt es Behörden, auf Daten zuzugreifen, die bei amerikanischen Anbietern gespeichert sind, und zwar unabhängig davon, ob die Server in Europa stehen. Für Unternehmen mit sensiblen Daten oder in regulierten Branchen entsteht dadurch ein erhebliches Compliance-Risiko, das sich auch durch vertragliche Regelungen nicht ausschließen lässt. Unsere Infrastrukturen unterliegen ausschließlich deutschem und europäischem Recht.

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