Das ist kein Versagen der Digitalisierung. Es ist ein Signal, das die Branche ernst nehmen sollte.
Das Versprechen und die Wirklichkeit
Die Kritik an Excel ist berechtigt: Versionschaos in geteilten Arbeitsmappen, fehleranfällige Formeln, fehlende Konformität beim Datenaustausch, keine native Unterstützung für GAEB-Strukturen. Wer ein Leistungsverzeichnis mit 3.000 Positionen in einer Tabellenkalkulation verwaltet, betreibt Aufwand, der sich mit geeigneter Fachsoftware erheblich reduzieren ließe.
Und trotzdem: Die Abkehr von Excel ist meist in der Breite ausgeblieben. Der Grund dafür ist weniger Bequemlichkeit als vielmehr ein nüchternes Kosten-Nutzen-Kalkül. Excel ist in vielen Betrieben lizenziert, wird beherrscht, und – was oft übersehen wird – Excel ist radikal flexibel. Kein Bauprojekt gleicht dem anderen. Sonderstrukturen, projektspezifische Zuschläge, individuelle Auswertungen: All das lässt sich in einer Tabelle wesentlich schneller abbilden als in einer Fachsoftware, die erst konfiguriert, umfangreich geschult und eingeführt werden muss.
Was die Branche wirklich braucht
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Excel ersetzt werden sollte – sondern warum so viele Marketingversprechen an der betrieblichen Realität vorbeigehen. Wer Baufachleute zwingt, zwischen Normkonformität und Arbeitseffizienz zu wählen, hat das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert.
Hier liegt das Verdienst von Ansätzen wie GAEB-Online 2025: Die beliebte Bausoftware stellt sich nicht als Excel-Killer in Position, sondern als pragmatische Brücke. GAEB-Dateien aller gängigen Formate lassen sich damit importieren, verarbeiten und direkt wieder als Excel-Tabelle exportieren. Kalkulatoren arbeiten in der gewohnten Umgebung weiter; die GAEB-Konformität ist trotzdem gewährleistet.
Das ist keine technische Kapitulation vor dem Status quo. Es ist eher die Erkenntnis, dass Digitalisierung oft nur dann funktioniert, wenn sie bestehende Kompetenz einbindet statt entwertet.
Ein unbequemes Fazit
Excel wird im Bauwesen nicht verschwinden – zumindest nicht so lange, wie Fachsoftware ihre Nutzer mit Insellösungen, proprietären Formaten und überkomplexen Oberflächen vor den Kopf stößt. Die Tabellenkalkulation füllt eine Lücke, die eigentlich geschlossen sein sollte.
Lösungen, die diesen Widerspruch ernst nehmen und Excel als Realität akzeptieren statt als Problem, sind näher an der Praxis als viele ihrer ambitionierteren Konkurrenten. Das sollte zu denken geben – sowohl den Anbietern als auch den Entscheidern, die immer noch auf den großen digitalen Durchbruch warten.