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Weizen- und Rapsmarkt 2012: Schwierige Zeiten für Erzeuger

Die Preisbildung für Weizen und Raps hängt von den verschiedensten Einflussfaktoren ab. Welche bestimmen in den kommenden Wochen die Richtung?

(PresseBox) (Berlin, )
Die Balance zwischen Angebot und Nachfrage und die daraus resultierenden globalen und regionalen Bestände haben sich zu einem sehr sensiblen Preisbarometer entwickelt. Immer öfter beobachten wir jedoch, dass so manche Preisschwankung mit den fundamentalen Daten allein nicht mehr zu erklären ist. Zunehmend an Bedeutung gewinnen spontane Faktoren wie Witterungsextreme, die Aktivitäten von Finanzinvestoren und politische Entscheidungen, die zu erheblichen Turbulenzen an den Märkten führen. Aber auch länger wirkende Einflüsse wie die weiterhin allgegenwärtige Thematik der internationalen Schuldenkrise, die anhaltende Rezessionsangst und der sich abzeichnende Ölkonflikt mit dem Iran belasten die Rohstoffmärkte nachhaltig. Die Unsicherheit nimmt spürbar zu.

Weizen: Regionale Unterschiede
Der globale Weizenmarkt zeigt sich zu Jahresbeginn ausgesprochen komfortabel versorgt. Alle international angesehenen Analysen prognostizieren zum Ende des Wirtschaftsjahres 2011/12 einen deutlichen Aufbau der Bestände, das amerikanische Landwirtschaftministerium (USDA) geht von rund zehn Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr aus. Mit insgesamt 210 Millionen Tonnen soll damit am Saisonende knapp ein Drittel des globalen Jahresverbrauchs an Weizen in den Silos dieser Welt lagern.

Dagegen wird die Weizenbilanz in der EU-27 im laufenden Wirtschaftsjahr weitgehend ausgeglichen sein. Nach einer aktuellen Schätzung der Europäischen Kommission steht einem Angebot von 144,1 Millionen Tonnen (Erzeugung 135,9 Millionen Tonnen, Import 8,2 Millionen Tonnen) eine Nachfrage von 144,2 Millionen Tonnen (Verbrauch 128,2 Millionen Tonnen, Export 16 Millionen Tonnen) gegenüber. Diese Konstellation hat sicher dazu beigetragen, dass sich die Preise am heimischen Weizenmarkt bisher auf einem relativ stabilen Niveau zwischen 170 und 200 Euro je Tonne bewegten – wenn auch seit der Ernte mit leicht rückläufiger Tendenz.

Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil Russland, Kasachstan und die Ukraine seit Sommer vergangenen Jahres den Weltmarkt wieder mit Exportweizen zu Billigpreisen geflutet haben. Der EU-Export von Weizen wird folglich die Vorjahresmengen nicht erreichen können, wobei in diesem Zusammenhang auch das Wechselkursverhältnis Euro/US-Dollar eine wichtige Rolle spielt. Je schwächer der Euro notiert, umso besser stellen sich die Wettbewerbsfähigkeit von EU-Weizen und damit die Exportchancen für die europäischen Erzeuger am Weltmarkt dar. Die Einschätzung des Marktes bleibt jedoch schwierig, da schon kleine Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage eine enorme Hebelwirkung auf den Preis entwickeln können. Nicht zuletzt die Spekulationen der vergangenen Wochen darüber, ob Moskau ab April dieses Jahres wieder Exportsteuern erheben wird, um das Getreide im Land zu halten, haben das gezeigt. Hinzu kommt das gerade in den Wintermonaten intensiv diskutierte Wetter.

Die Ende Januar aufgetretene Kältewelle ließ die Weizenpreise an den Börsen spontan und deutlich ansteigen. Der Maiweizen 2012 an der Matif in Paris hat sich seit dem Tiefstand Ende November 2011 von 172,50 Euro je Tonne auf 211,00 Euro je Tonne am 1. Februar 2012 erhöht. Wie lange diese Entwicklung aber Bestand hat, lässt sich im Moment nicht abschätzen.

Raps: Hoffen und Bangen
2012 verheißt auch am Rapsmarkt wieder ein schwieriges Jahr zu werden. Ein schwaches Angebot aus der EU-Ernte 2011, eine folglich knappe Versorgungslage am europäischen Binnenmarkt und sehr zurückhaltende Prognosen zur Aussaatfläche von Winterraps für die kommende Ernte wären eigentlich gute Voraussetzungen für steigende Preise gewesen. Doch diese fundamentalen Faktoren konnten nach der Ernte 2011 ihre Wirkung zunächst nicht entfalten.

Erst ab Mitte Dezember hat sich der Rapsmarkt spürbar belebt. Dabei spielten vor allem Negativmeldungen über die südamerikanische Sojabohnenernte, ein anhaltend hoher Rohölpreis in Verbindung mit dem angekündigten EU-Ölembargo gegen den Iran und die im Januar intensiver werdenden Ängste vor erheblichen Auswinterungsschäden auf Rapsflächen in Osteuropa eine entscheidende Rolle. Aber auch die Versorgungsbilanz der Ernte 2011 rückte wieder mehr in den Fokus der Marktteilnehmer.

Die globalen Lagervorräte an Raps werden zum zweiten Mal in Folge deutlich sinken und zum Ende des aktuellen Wirtschaftsjahres bei voraussichtlich unter zehn Prozent des jährlichen Bedarfs von rund 60,4 Millionen Tonnen liegen. In der EU werden Ende Juni 2012 möglicherweise nur noch etwa eine Million Tonnen Raps und damit weniger als fünf Prozent des Jahresverbrauchs vorrätig sein. Dies eröffnet die Spekulation darüber, wie gut oder knapp die Ölmühlen bis zur kommenden Ernte überhaupt versorgt sind, und es mehren sich die Stimmen, dass Bedarfskäufe im zweiten Quartal dieses Jahres den Markt nochmals nach oben bewegen werden.

Vor diesem Hintergrund könnte der Preisanstieg im Januar durchaus nachhaltig sein, zumal auch das Ex-Ernte-Geschäft 2012 zunehmend von Interesse wird. Befürchtungen einer defizitären Rapsernte 2012 sowohl weltweit als auch in der EU, gestützt durch den erwarteten Ausfall von Winterraps-Aussaatflächen in der Ukraine aufgrund der aktuellen Witterung, erwecken offensichtlich Handlungsbedarf bei den Verarbeitern. Der Maikontrakt 2012 an der Matif für Raps hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gefestigt. Lag der Kurs Anfang Dezember noch bei 401,25 Euro je Tonne, so notierte der Kontrakt am 1. Februar 2012 bei 448,50 Euro je Tonne.

Fazit
Wenn Wetterkapriolen, politische Entscheidungen oder spekulative Einflüsse die Märkte kaum vorhersehbar, aber in kürzester Zeit massiv bewegen, bleibt wenig Spielraum für ernsthafte und überzeugende Prognosen. So konzentrieren sich die Vermarktungsempfehlungen für Erzeuger wieder darauf, nicht alles auf eine Karte zu setzen und aufgrund der hohen Unsicherheiten den Weizen- und Rapsverkauf unter dem Aspekt der Kostendeckung zu splitten, also günstige Preisausschläge zum Verkauf von Teilmengen auszunutzen.

Herbert Goldhofer, LfL Institut für Ernährung und Markt,
Herbert.Goldhofer@LfL.bayern.de


Abbildung

Bislang gut versorgt:
Entwicklung wichtiger Eckdaten zu den weltweiten Weizenbeständen

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