- Drei zentrale Anwendungen: Vehicle‑to‑Vehicle, Vehicle-to-Site und Vehicle‑to‑Grid
- Bidirektionales Laden besonders relevant für eLkw im Regionalverkehr unter 100.000 km jährliche Fahrleistung
- Durch intelligente Stromnutzung lassen sich Energiekosten um rund 15 bis 20 Prozent senken
- Markthochlauf ab 2027/28 möglich
Im praktischen Einsatz stehen drei Anwendungen im Fokus. Beim Vehicle‑to‑Site‑Ansatz (V2S) inklusive des Vehicle‑to‑Vehicle‑Ansatzes (V2V), nutzt ein Unternehmen den in der Lkw-Batterie gespeicherten Strom unmittelbar am eigenen Standort, um Lastspitzen zu vermeiden, den Eigenverbrauch von Photovoltaikstrom zu erhöhen oder Gebäudeinfrastruktur zu unterstützen. In der Praxis führt das zu Einsparungen von etwa 15 bis 20 Prozent beim Strompreis des Nutzers. Bei einer Laufleistung von 100.000 km pro Jahr entspricht dies bis zu 20.000 km „zum Nulltarif“. Bidirektionales Laden kann also einen gewichtigen Beitrag zur TCO‑Parität elektrischer Lkw leisten.
Vehicle‑to‑Grid (V2G) erweitert dieses Potenzial: Hier speist der eTruck Energie ins öffentliche Netz zurück – etwa in Zeiten hoher Strompreise oder zur Unterstützung der Netzstabilität. Betreiber können so künftig zusätzliche Erlöse erzielen. Ab dem erwarteten Markthochlauf 2027/28 wird dies ein zunehmend attraktives Geschäftsmodell, da Energiemärkte, Netzdienste und Logistikprozesse sukzessive stärker miteinander verzahnt werden.
Zitat Klaus Nagl, CEO Consolinno Energy GmbH: „An einem Speditionsstandort wie im Projekt Spirit-E kann ein Vielfaches an Potentialen für ein netzdienliches Verhalten im Vergleich etwa zu einem Einfamilienhaus erschlossen werden. Die Digitalisierung und die Verfügbarkeit solcher eTrucks hat gezeigt, welches Potenzial in dieser Technologie steckt und wie Elektro-Lkw die Energiewende künftig mitgestalten.“
Im Projekt SPIRIT‑E wurden bereits reale Energieflüsse umgesetzt, darunter das Versorgen eines Gebäudes durch eTrucks oder das Nachladen von Elektro-Autos aus dem Lkw‑Speicher. Jedoch ist bidirektionales Laden nicht ausnahmslos für alle Lkw-Einsätze sinnvoll: beispielsweise, wenn der Betrieb der Fahrzeuge keine längeren Standzeiten an einem Depot erlaubt.
SPIRIT‑E wird von einem breiten Konsortium getragen, das die gesamte Wertschöpfungskette von Fahrzeugtechnik über Energiewirtschaft bis hin zur Systemintegration abdeckt. Zu den Partnern gehören die Technische Universität München (TUM) als Konsortialführer, das Fraunhofer IEE, die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), SBRS (Shell), TenneT, Hubject, Consolinno Energy sowie MAN Truck & Bus. Gemeinsam haben sie Lösungen entwickelt, die in einem Reallabor an einem Logistikstandort erprobt werden.
Mit SPIRIT‑E zeigt das Konsortium, wie elektrische Lkw künftig über ihre Transportaufgabe hinaus mit Netzdienstleistungen zu einem aktiven Element der Energieinfrastruktur werden – wirtschaftlich, vernetzt und bereit für die nächste Stufe der Elektrifizierung.