Wir haben fünf zentrale Erkenntnisse aus 2025 gesammelt – als Grundlage für das kommende Jahr.
Der Rahmen: Was hat 2025 geprägt?
Der Fachkräftemangel bleibt ein Dauerproblem. Viele Unternehmen suchen nicht nur, sie kämpfen um jede qualifizierte Person.
KI im Recruiting ist vom Zukunftsthema zur Realität geworden. Erste Anwendungen sind Alltag, auch wenn der strategische Umgang noch nicht überall sitzt.
Flexibilität und Sinn sind zentrale Entscheidungskriterien geworden – Bewerbende achten stärker auf Arbeitszeitmodelle, Gestaltungsspielräume und Inhalte als auf reine Gehaltstabellen.
Employer Branding hat an Gewicht gewonnen. Authentizität und erlebte Kultur sind wichtiger als Hochglanzkampagnen.
HR-Rollen wandeln sich: weg von der Verwaltung, hin zur aktiven Gestaltung von Strategie und Kultur.
5 Recruiting-Erkenntnisse aus 2025
1. KI ist Alltag – aber kein Selbstläufer
Bewerbende nutzen KI selbstverständlich, und auch HR setzt vermehrt KI-Tools ein. Das beschleunigt Prozesse, birgt aber Risiken wie Einseitigkeit oder den Verlust der persönlichen Note. Der European AI Act setzt hier neue Rahmenbedingungen: Besonders bei sensiblen Anwendungen wie Recruiting gelten strengere Vorgaben für Transparenz und Fairness.
Fazit: KI unterstützt, ersetzt aber nicht den menschlichen Kontakt.
2. Fachkräftemangel bleibt – nur anders
Der Mangel verschiebt sich: Digitale und spezialisierte Kompetenzen sind besonders knapp. Gleichzeitig zeigt sich, dass Quereinsteigende, ältere Mitarbeitende und Weiterbildungen unverzichtbar geworden sind.
Fazit: Recruiting endet nicht mit der Einstellung, Bindung und Entwicklung sind ebenso entscheidend.
3. Arbeitgebermarke und Candidate Experience zählen doppelt
Ein schöner Auftritt allein überzeugt niemanden mehr. Bewerbende achten sehr genau darauf, ob das Bild, das ein Unternehmen nach außen zeigt, auch mit dem übereinstimmt, was sie im Prozess erleben. Dazu gehören schnelle Rückmeldungen, klare Kommunikation und ein ehrlicher Einblick in den Arbeitsalltag.
Fazit: Employer Branding entsteht dort, wo Bewerbende es direkt spüren – im Kontakt mit Menschen, in der Art der Kommunikation und im Erleben des Bewerbungsprozesses.
4. HR wird strategischer Partner
HR-Abteilungen, die nur verwalten, verlieren an Relevanz. Gefragt sind Datenkompetenz, Beratung für Führungskräfte und aktive Mitgestaltung von Kultur und Strategie.
Fazit: HR gewinnt an Einfluss, wenn es die Unternehmensziele aktiv mitgestaltet.
5. Flexibilität ist Standard
Homeoffice, Gleitzeit oder neue Arbeitszeitmodelle sind keine Benefits mehr, sondern für viele Grundvoraussetzungen. Die Herausforderung liegt darin, Strukturen zu schaffen, die flexibel und gleichzeitig stabil sind.
Fazit: Flexible Modelle sind nur dann erfolgreich, wenn sie die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und die Anforderungen des Unternehmens in Balance bringen.
Lessons Learned für 2026
1. KI, Flexibilität und Employer Branding sind keine Trends mehr – sie gehören zur Basis
Lange Zeit wurden diese Themen als „Zukunftsmusik“ gehandelt. 2025 hat aber gezeigt: Sie sind längst Alltag. Wer heute noch darüber diskutiert, ob KI sinnvoll ist, verpasst den Anschluss. Gleiches gilt für Flexibilität: Homeoffice, Gleitzeit oder moderne Arbeitszeitmodelle sind nicht mehr nur Bonuspunkte im Jobangebot, sondern werden als selbstverständlich erwartet. Und Employer Branding entscheidet darüber, ob Bewerbende sich überhaupt für ein Gespräch öffnen.
Für 2026 heißt das: Unternehmen müssen diese Bereiche nicht länger als Sonderthemen behandeln, sondern in ihre Grundstruktur integrieren – genauso selbstverständlich wie Gehaltsabrechnung oder Arbeitsverträge.
2. Die richtige Reihenfolge zählt – nicht alles auf einmal anstoßen
2025 hat viele HR-Teams vor eine Herausforderung gestellt: zu viele Themen gleichzeitig, zu wenig Ressourcen. KI einführen, Recruitingprozesse digitalisieren, neue Zielgruppen erschließen, Weiterbildungsprogramme starten – das alles parallel zu stemmen, überfordert jede Abteilung.
2026 erfordert klare Prioritäten. Statt alle Trends gleichzeitig bedienen zu wollen, sollten Unternehmen genau prüfen: Was passt zu unserer Situation, was bringt jetzt den größten Hebel, und welche Themen können im nächsten Schritt folgen? Klare Roadmaps sind wichtiger als hektischer Aktionismus.
3. Menschen bleiben im Zentrum – egal wie digital die Prozesse werden
Technologie kann Bewerbungen vorsortieren, Chatbots können Fragen beantworten, Daten können Entwicklungen vorhersagen. Doch am Ende geht es im Recruiting immer um Menschen – ihre Wünsche, ihre Ängste, ihre Entscheidungen. 2025 hat gezeigt: Bewerbende merken sehr genau, ob sie als Individuen gesehen werden oder nur als „Profil im System“.
Für 2026 heißt das: Digitale Prozesse müssen menschlich begleitet werden. Persönliche Gespräche, ehrliches Feedback und echtes Interesse bleiben entscheidend. Unternehmen, die hier investieren, gewinnen nicht nur neue Mitarbeitende, sondern auch langfristiges Vertrauen.
2025 hat gezeigt: Recruiting wird komplexer, aber auch vielfältiger. Technologie erleichtert vieles, löst aber nicht alle Probleme. Wer 2026 erfolgreich sein will, braucht Klarheit in den Prioritäten, Mut zur Veränderung – und ein festes Bewusstsein dafür, dass Recruiting am Ende immer ein People-Business bleibt.