Ein besonders praxisrelevantes Beispiel ist der öffentliche Verkehr: Autonome Shuttles bewegen sich in hochdynamischen, urbanen Verkehrsräumen – mit Fußgängern, Radfahrern, Verkehrszeichen, Lichtsignalen und unvorhersehbaren Hindernissen. Um hier sicher zu navigieren, setzen moderne Systeme auf die Fusion aus Kamera- und LiDAR-Daten. Kameras liefern Kontextinformationen wie Ampelphasen oder Beschilderungen, während LiDAR mit zentimetergenauer 3D-Punktwolkenkartierung die Objektkonturen und Entfernungen selbst bei Nacht oder starker Blendung erkennt.
Diese Fusion liefert nicht nur ein vollständiges Bild der Umgebung, sondern ermöglicht durch Echtzeitauswertung eine robuste Klassifikation von Verkehrsteilnehmern. Wie im aktuellen Handbuch des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV, 2024) betont, ist eine sensorbasierte Mehrfachabsicherung entscheidend für die Zulassung und den Betrieb autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Raum.
Die Umsetzung gelingt nur, wenn Wahrnehmung und Handlung eng gekoppelt sind. Plattformen wie NX NextMotion ermöglichen diese Verbindung durch ihre integrierte Steuerarchitektur – Drive-, Steer- und Brake-by-Wire – mit Echtzeit-Reaktionsfähigkeit, zertifiziert nach ASIL D und SIL3.
Präzision im Hafen: Sensorfusion für Logistikprozesse im Grenzbereich
Im Containerumschlag oder in intermodalen Logistikzentren zählt Zentimeterarbeit. Frachtfahrzeuge müssen bei Nacht, Nebel oder starkem Regen zuverlässig andocken – oft im Mischbetrieb zwischen Menschen, Maschinen und anderen Fahrzeugen. Hier haben sich Sensorarchitekturen etabliert, die Radar, LiDAR, GPS und IMUs kombinieren.
Radar liefert zuverlässige Objekt- und Abstandsdaten auch bei schlechten Sichtverhältnissen. LiDAR verfeinert die Konturerkennung und gleicht Messungen ab. Ergänzt wird dies durch inertiale Messeinheiten und hochauflösendes GPS – für eine Lokalisierung auf wenigen Zentimetern genau. Die Datenströme dieser unterschiedlichen Quellen werden durch Sensorfusion auf Systemebene synchronisiert, um Widersprüche zu erkennen und zu korrigieren – wie es in der Intel-Mobileye-Architektur für selbstfahrende Systeme eindrücklich beschrieben wird (Mobileye & Intel, 2024).
NX NextMotion unterstützt genau diese Anforderungen: Das System ermöglicht eine durchgängige Steuerungskette mit mehrfacher Redundanz in Sensorik, Kommunikation und Aktorik. Durch integrierte Edge-Logik entfällt die Notwendigkeit, Rohdaten auszulagern – was Latenz reduziert und Ausfallsicherheit erhöht.
Bergbau & Bauwesen: Autonome Fahrzeuge in extremen Umgebungen
In Minen, Stollen und auf ungesicherten Baustellen stoßen klassische Sensorlösungen schnell an ihre Grenzen. Dichte Staubwolken, unebenes Gelände und wechselnde Lichtverhältnisse machen die zuverlässige Umfeldwahrnehmung besonders herausfordernd. Gefragt sind robuste Sensorarchitekturen – etwa radarbasierte Systeme, ergänzt durch Wärmebildtechnik und selektive LiDAR-Fusion.
Sensorfusion wird in solchen Umgebungen zur Sicherheitsfrage: Sie ermöglicht nicht nur die Detektion von Personen und Hindernissen, sondern auch die Validierung der Sensordaten über mehrere Kanäle. Besonders bei teleoperierten oder teilautonomen Maschinen müssen falsche Positivmeldungen ebenso vermieden werden wie blinde Zonen.
Wie Fachanalysen zeigen, trägt multisensorielle Fusion entscheidend dazu bei, genau diese Fehlerquellen zu minimieren – durch die gezielte Kombination der Stärken unterschiedlicher Sensortypen und die Kompensation ungenauer oder fehlender Einzelmessungen. Diese erhöhte Zuverlässigkeit gilt als zentraler Erfolgsfaktor für die Wahrnehmungsleistung moderner autonomer Systeme – insbesondere unter schwierigen Umweltbedingungen.
NX NextMotion ist für diesen Anwendungsfall konzipiert. Die Plattform trennt sicherheitskritische von sekundären Funktionen, bietet Echtzeit-Fusion und ist geprüft nach Anforderungen wie VW80000 (Klasse 5). Durch die modulare Architektur lassen sich auch Legacy-Plattformen sicher nachrüsten – eine wichtige Voraussetzung für viele Betreiber in der Bau- und Rohstoffbranche.
Verteidigung & Remote-Mobilität: Kontrolle unter Bedrohung
In militärischen Anwendungen oder Krisengebieten steht die Fahrzeugkontrolle unter maximalem Risiko. Kommunikationsausfälle, Störsignale oder unwegsames Gelände verlangen nach Systemen, die nicht nur eigenständig operieren, sondern im Fehlerfall fail‑operational bleiben. Hier setzen Einsatzkräfte auf redundante Sensorarrays, oft mit physisch getrennten Recheneinheiten und mehrfachen Sicherheitslogiken, um sowohl gegen Ausfälle als auch gegen Störungen oder Angriffe geschützt zu sein.
Wie ein technischer Report der NATO Science and Technology Organization (STO) zur Sicherheit autonomer unbemannter Systeme zeigt, gehört die systematische Risiko‑ und Sicherheitsbewertung unbemannter Fahrzeuge zum Kern einer verlässlichen Mission Assurance — einschließlich der Identifikation von Bedrohungen, Risikoaggregation über Systemebenen und der Definition von Sicherheitsfähigkeiten, die in der Praxis implementiert werden müssen (STO Report, 2024).
Internationale Standards wie ISO/SAE 21434 (Cybersecurity im Fahrzeug‑Engineering) und die neu veröffentlichte ISO/PAS 8800 (Sicherheit künstlicher Intelligenz in Fahrzeugen) legen darüber hinaus verbindliche Anforderungen an Entwicklung, Absicherung und Risikoanalyse autonomer Systeme fest. Diese Normen adressieren funktionale Sicherheit, Cyber‑Resilienz und die Schnittstelle zwischen Wahrnehmung, Steuerung und Schutzmechanismen – zentrale Dimensionen, wenn autonome oder teleoperierte Fahrzeuge in sicherheitskritischen Umgebungen eingesetzt werden sollen (ISO/SAE 21434; ISO/PAS 8800).
NX NextMotion ermöglicht die Umsetzung solcher Architekturen durch seine 4‑fach redundante Steuerlogik, doppelte Spannungsversorgung, getrennte Kommunikationspfade und dedizierte Watchdog‑Logik. Die Fähigkeit, autonome oder ferngesteuerte Fahrzeuge auch in NATO‑kompatiblen Plattformen abzusichern, macht die Technologie besonders für Defence‑Zulieferer interessant. Für militärische UGVs (Unmanned Ground Vehicles), Aufklärungseinheiten oder konvoifähige Transporter liefert die Plattform bereits heute skalierbare Sicherheit – vorbereitet auf Teleoperation, KI‑Steuerung und Cyberbedrohungen gemäß den relevanten ISO‑ und verteidigungsbezogenen Sicherheitsrahmen.
Handlung statt nur Wahrnehmung: Echtzeit entscheidet
Alle genannten Anwendungsfelder zeigen: Sensorfusion allein reicht nicht. Erst durch die Integration in eine robuste Steuerungsarchitektur entsteht Sicherheit. Systeme müssen nicht nur erkennen, sondern sofort reagieren – auch unter Zeitdruck, bei Störungen oder in Ausnahmesituationen.
NX NextMotion verbindet diese Ebenen zu einem geschlossenen Reaktionssystem: von der Sensoraufnahme über die validierte Fusion bis zur Echtzeitsteuerung der Fahrzeugbewegung – Drive, Steer, Brake. Durch die direkte Anbindung von Aktoren, Safety-Modulen und Diagnosetools wird aus Wahrnehmung Handlung. Und aus Technologie Vertrauen.
We control what moves!