Wenn Macht ein Spiel ist, dann hat sich einer besonders geschickt aufgestellt: der Mann mit dem Gesundheits-Tick. Während Friedrich M. durch die Vordertür Richtung Kanzleramt stolperte, räumte Karl L. das Kabinett von hinten auf. Sein Ziel: das Mikrofon nicht aus der Hand legen, solange noch ein Puls messbar ist. Politik als Live-Schalte.
Der erste Wahlgang für Merz war weniger ein Krönungsakt als eine parlamentarische Peinlichkeit. Wer auch immer da das Messer ansetzte, stach punktgenau. Und in den Fluren tuschelte man: Ein sozialdemokratischer Doktor mit Hang zur Dauerkommunikation soll es gewesen sein. Einer, der lieber im Ministerium bleibt als auf der Oppositionsbank an chronischem Einflussmangel leidet.
Und tatsächlich, als alle dachten, der Posten sei futsch, tauchte Karl L. wie Phönix aus der Koalitionsasche auf. Im Kabinett, im Amt, im Bild. Der Trick: ein paar Stimmen hier, ein bisschen moralischer Druck da – fertig war der Machtpoker. Und Friedrich, der sich gerade erst in die Rolle des Staatsmanns eindenken wollte, durfte gleich den Preis zahlen: Ministerwahl per Ultimatum. So blieb Lauterbach im Sattel, zumindest solange, bis er seine Reform-Wunschliste abgearbeitet hat oder das Gesundheitswesen genervt aufgibt.
Jetzt, wo er das Ressort doch geräumt hat, bleibt er natürlich nicht stumm. Das wäre ja auch zu viel verlangt. Schließlich gibt es Mikrofone, Kameras, Kommentarspalten. Der Mann hat keine Funktion mehr, aber eine Mission: nerven.
Von Engin Günder, Fachjournalist