„Der Erfolg der Nordic Bonds zeigt, dass Investoren in Europa bereit sind, KMUs Fremdkapital zur Verfügung zu stellen“, erklärt Ingo Wegerich, Präsident des Interessenverbands Kapitalmarkt KMU. „Gleichzeitig ist es aber bedauerlich, dass deutsche Mittelständler hierfür auf den skandinavischen Markt ausweichen müssen – und deutsche Privatanleger oftmals die damit verbundenen Risiken unterschätzen:
- Rechtsrahmen: Die Emissionen werden in Deutschland auch an Privatanleger vertrieben, unterliegen jedoch nicht deutschem Recht und primär zuständig sind skandinavische Gerichte.
- Treuhänderstruktur: Der eingesetzte, von den Anlegern nicht gewählte „Nordic Trustee“ hat ein sogenanntes verdrängendes Mandat und vertritt exklusiv die Anlegerinteressen – er hat jedoch seinen Sitz in Skandinavien. Ob deutsche Privatanleger ihre Rechte auch anderweitig effektiv geltend machen können, ist unklar. Zudem ist fraglich, ob ein faktisches Monopol in diesem sensiblen Bereich sinnvoll ist.
- Gläubigerversammlungen: Im Unterschied zum deutschen Recht bestehen erhebliche Unterschiede bei Beschlussfassungen. So bedarf es bei einer zweiten Gläubigerversammlung keiner Mindestteilnahme – selbst weitreichende Maßnahmen können also von einer sehr kleinen Investorengruppe durchgesetzt werden.
Die Analyse des Interessenverbands zeigt: Der deutsche KMU-Anleihemarkt kann von den skandinavischen Strukturen profitieren, ohne deren Schwächen zu übernehmen. Besonders folgende Punkte sind relevant:
- Standardisierung: Einheitliche Vertrags- und Dokumentationsstandards senken Kosten und erhöhen das Vertrauen der Investoren.
- Institutionelle Investoren: Pensionsfonds und Versicherungen stützen in Skandinavien den Markt. Deutschland muss Anreize schaffen, institutionelle Anleger stärker einzubinden.
- Starke Gläubigerrechte: Der „Nordic Trustee“ sorgt für klare Vertretung – ein ähnliches Modell ist auch in Deutschland sinnvoll, jedoch mit Wettbewerb statt Monopol.
- Transparenz: Laufendes, standardisiertes Reporting erhöht Vergleichbarkeit und Sicherheit.
- Internationalisierung: Zweitlistings und englischsprachige Dokumentation erleichtern den Zugang zu internationalen Investoren.
- Investorenorientierte Rechtsformwahl: Die Rechtswahl soll sich an den Investoreninteressen orientieren.
„Unser Ziel ist ein German SME Bond Standard, der die Stärken bestehender Formate vereint“, so Wegerich. „Mittelständischen Unternehmen sollen sich wieder attraktive Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen und nationalen sowie internationalen Investoren Renditechancen bei gebotenem Anlegerschutz. Der Wunsch der Marktteilnehmer nach einem deutschen Standard ist sehr groß.“
Der Verband ruft zu einem intensiven Stakeholder-Dialog mit Emittenten, Investoren, Börsen, Banken und Regulierern auf, um diesen Standard zu entwickeln.
Der Verband wird eine Arbeitsgruppe initiieren, die allen Interessierten zur Mitwirkung offensteht.
Interessenten werden gebeten, sich unter untenstehenden Kontaktdaten zu melden.
Hier finden Sie den Original-Artikel: Kapitalmarkt KMU fordert "German SME Bond Standard"