SBD Automotive testet den neuen Porsche Taycan

Das Infotainment-System schneidet dabei deutlich unter den Erwartungen ab

Abbildung 1: folgende Systemkomponenten des Porsche Taycans wurden ausgewertet (PresseBox) ( Düsseldorf, )
Das neueste Infotainment-System im Porsche Taycan bleibt laut der jüngsten UX-Evaluierungsstudie der Berater-Firma SBD Automotive leider hinter den Erwartungen zurück. Trotz seiner wirklich ästhetischen Touchscreen-gesteuerten Implementierung weist das System zahlreiche Bugs auf. Einige Elemente könnten sogar erheblich zur Ablenkung des Fahrers beitragen. Auch die Spracherkennung fällt im Vergleich zu den Angeboten der Konkurrenz unterdurchschnittlich aus.

Im Mai 2020 führt das Expertenteam von SBD Automotive in München seine Infotainment-Usability-Evaluierung (UX) des Cockpits im Porsche Taycans durch. Der 2019 gelaunchte Taycan ist der erste Voll-EV aus dem Hause Porsche, und gibt so die Richtung für die zukünftigen EV-Modelle von Porsche vor. Ebenso ist das Infotainment-System eine völlig neue Generation, die auf der MIB3-Plattform des VW-Konzerns basiert.

Es besteht kein Zweifel:  das System ist mit 5 Bildschirmen wirklich beeindruckend. ein 16,8-Zoll-Kombidisplay, ein 10,9-Zoll-Zentraldisplay und ein passendes optionales Beifahrerdisplay, ein 8,4-Zoll-Klima- und Touchpad-Bildschirm und schließlich ein optionaler 5,9-Zoll-Klima-Bildschirm für die Fond-Passagiere. Kaum eine physische Taste ist im Cockpit zu sehen. Das Layout orientiert sich an dem ersten Modell 911 aus dem Jahr 1964, das über eine erhöhte Kombi-Instrumententafel mit fünf Zifferblättern und Schalter verfügt, die auf eine Linie unterhalb des Armaturenbretts beschränkt sind.

Das Menü des Infotainmentsystems wurde im Vergleich zu früheren Generationen vereinfacht: es gibt die 3 Hauptbereiche: Home, Car und Benachrichtigungen. Der Hauptstartbildschirm ähnelt dem Layout eines Smartphones mit konfigurierbaren Verknüpfungen zu allen Apps, zusätzlich steht ein anpassbarer Widget-Bildschirm zur Verfügung.

Zu den wirklich bemerkenswerten Features gehören der Vollbildschirm des HLK, einschließlich Einstellung der Luftstromrichtung, ein Beifahrerdisplay mit einem hohen Maß an Funktionalität, das gleichzeitig mit den anderen Bildschirmen verwendet werden kann (z. B. die Bereitstellung von bis zu drei Navigationsdarstellungen über die oberen drei Displays) und das gewölbte, randlose Kombi-Display mit integrierten Touch-Schaltern auf beiden Seiten.

VW hatte bei dem Golf 8 und ID3 erhebliche Probleme bei der Softwareentwicklung, und es scheint, dass auch Porsche zu kämpfen hat: das aktuelle System vermittelt den Eindruck einer Beta-Implementierung und nicht die eines serienreifen Produkts. Während des Tests erlebte das SBD-Team zahlreiche Systemabstürze und war immer wieder mit Problemen konfrontiert, die es unmöglich machten, das System erwartungsgemäß zu bedienen.

Das untere zentrale Display stellt ein weiteres Problem dar: Die Positionierung führt potenziell zur Ablenkung des Fahrers, besonders weil die Touchpad-Umsetzung durch einen Touchscreen anstelle eines Pads wie bei BMW oder Mercedes realisiert wurde. Das obere zentrale Display ist auch niedriger als bei dem 911er. Hier legt Porsche klar mehr Fokus auf Design und Ästhetik, als auf Vermeidung der Fahrerablenkung.

Das Spracherkennungssystem im Taycan ist enttäuschend, und nicht vergleichbar mit den Konkurrenzsystemen bei Mercedes, BMW und den chinesischen Herstellern, die auch kürzlich von SBD Automotive getestet wurden. Es bietet eine langsame und inkonsistente Leistung, mit begrenzter Erkennung, die sich auf Schlüsselwörter und nicht auf kontextbezogene natürliche Spracherkennung stützt. (Anmerkung: das getestete Auto war deutsch und wurde in deutscher Sprache getestet)

Fazit: Das Infotainment-System des Taycans zeigte in der von uns getesteten Version noch einige „Kinderkrankeiten“. Viele Verbesserungen könnten aber über ein Software-Update vorgenommen werden, was sicherlich sofort zu einer Erhöhung des aktuellen SBD-UX-Scores des Autos führen würde. Weitere Möglichkeiten zu Verbesserung sind im Detail im Report von SBD Automotive zu finden.

Bewertung aus Marktsicht

Neben dem Fokus auf CASE (Connected, Autonomous, Shared/Serviced,Electrified), das auf eine ganzheitliche User Experience (UX) zielt, ist auch die Implementierung von überzeugenden Infotainmentsystemen eines der zukünftigen Schlachtfelder für die OEMs. SBD Automotive beobachtet hier momentan den Trend, Autos mit unzuverlässigen oder unvollständigen Software-Implementierungen auf den Markt zu bringen, wahrscheinlich aufgrund des Drucks, schnell mit anderen innovativen Feature-Sets zu konkurrieren. Die Entwicklung des Infotainments hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und die Automobilindustrie versucht, mit den Verbrauchererwartungen aus der Unterhaltungselektronikbranche/Smartphone Schritt zu halten.

Die Zukunft der Infotainmentsysteme wird wahrscheinlich weiterhin holprig sein, aber einige wichtige Veränderungen werden diese zukünftigen Innovationen wirklich spannend machen:
  1. Neue agile Entwicklungsprozesse der Systeme passen sich mehr und mehr der vom Endkunden erwarteten kürzeren Time-to-market an
  2. OTA-Updates (Over-the-air) werden immer breiter verfügbar, was den Systemen schneller die Möglichkeit bietet, Anwendungen und Lösungen nach Launch zu aktualisieren
  3. Es stehen neue HMI-Entwicklungstools zur Verfügung, die Möglichkeiten für innovativere Benutzerinteraktion bieten
  4. Die Eingabemethode der Spracherkennung wird mehr und mehr durch multimodale Lösungen abgelöst, aber generell gilt noch "Voice first" als die bevorzugte Variante
UX-Bewertungen & Methodik von SBD Automotive

Der Taycan-Report ist einer von insgesamt 12 UX Evaluierungsreports, die SBD Automotive in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Infotainment durchführt. Diese Testberichte werden seit mehreren Jahren in Folge erstellt, und liefern eine fachkundige Bewertung der führenden Navigations- und Infotainmentsysteme auf dem europäischen, US-amerikanischen, chinesischen und japanischen Markt. Die Reportreihe beinhaltet immer vier Abschnitte, um die OEMs in den verschiedenen Phasen des Entwicklungszyklus optimal zu unterstützen: Benchmark und Ergebnis, Definition der Problempunkte, und Best Practice, sowie umsetzbare Empfehlungen. Dabei werden immer die drei Kernkomponenten der UX bewertet: Funktionalität, Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit.

Die Reports basieren auf einer fundierten Methodik, die über die gesamte Laufzeit der Serie entwickelt wurde. Jeder Report erfasst über 1.000 Datenpunkte in 12 verschiedenen Kategorien, einschließlich statischer und dynamischer Tests, Systemleistung, einer Feature-Checkliste und System-Usability-Scoring. Somit wird eine vergleichbare und konsistente Bewertung aller konkurrierenden Autos erstellt, einschließlich einer finalen prozentualen System-UX-Bewertung.
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