Elektromobilität ohne LEAN – geht das?

Kommentar von Karl Heinz Döppler - Herausgeber LEANmagazin.de

Elektromobilität ohne LEAN – geht das? Ein Kommentar von K.H. Döppler Herausgeber LEANmagazin.de
(PresseBox) ( Marktheidenfeld, )
Wie auf der diesjährigen IAA zu sehen ist - dürfte es langsam in die letzten Hubraumwinkel deutscher Automobilbauer vorgedrungen sein – es wird eine ganze Branche grundlegend verändert, ja geradezu neu erfunden.

Allein VW will 20 Milliarden in die Elektromobilität investieren! Daimler, BMW und Opel werden nachziehen (müssen). Doch was heißt dies konkret. Es stehen riesige, komplexe Entwicklungsprojekte an, die sowohl technologisch wie auch personell für die meisten Autobauer und Zulieferer absolutes Neuland sind.

Sehr schnelle Entwicklungszeiten in unbekannten Technologiefeldern, die Entwicklung von umfassenden Softwaresystemen, regelmäßige Softwareupdates (ohne Kosten für den Kunden – wie beim i-Phone), die Entwicklung neuer Geschäftsfelder Stichwort Mobilitätskonzepte, Batterie-Know-How, sowohl von der technologischen, wie auch die fertigungstechnischen Kompetenzen bzw. Kapazitäten sind schnell aufzubauen – alles nicht gerade die Kernkompetenz der deutschen Automobilbauer, ganz zu Schweigen von den gigantischen Anforderungen an die Entwickler.

Haben wir in Deutschland genügend kompetente Softwareentwickler? Ich meine bewusst nicht nur die Studienabgänger in Informatik, sondern junge, dynamische, technologieverliebte, teils chaotische Praktiker, wie sie beispielweise im Silicon Valley anzutreffen sind.

Die zu stemmenden Projekte können nicht mehr mit klassischem DIN-Projektmanagement und mehr oder weniger sequentiellen Abarbeiten der Meilensteine und Quality Gates in unterschiedlichen Fachabteilungen bewältigt werden.

Die noch vielfach hierarchischen – ja schon fast beamtenähnlichen Strukturen – in den Entwicklungsabteilungen der deutschen Großkonzerne sind in Windeseile an agile Strukturen anzupassen. Leichter gesagt wie getan. Aus eigener Anschauung kann ich berichten, daß z.B. alleine eine Veränderung der Stellenbezeichnung eines Projektleiters in Chief Product Owner in deutschen Traditionsunternehmen kaum zu realisieren ist. Wohlwissend das nicht die Veränderung der Bezeichnung, sondern die Veränderung der Kompetenzen, Einstellung und Verantwortung dieser Funktion die wirklich entscheidende Größe ist, sind die unabdingbar notwendigen organisatorischen und strukturellen Veränderungen noch riesig.

Um eine mittlere Entwicklungsabteilung mit den angrenzenden Bereichen wie Einkauf, Qualität, Controlling, Produktion etc. vom traditionellen Projektmanagement in eine agile, verschwendungsarme und dynamische Entwicklungsumgebung zu überführen, sind in der Regel mehr wie drei Jahre – der entsprechende Wille und die Konsequenz beim Management vorausgesetzt - notwendig. Eine Zeit in der Firmen wie Tesla oder Apple in der Regel mehrere neue Produkte oder zumindest mehrere Produktverbesserungen auf den Markt bringen.

Nein, eine derartige Umwälzung der Mobilitätsindustrie lässt sich nicht ohne die Anpassung der Arbeitsweisen und Strukturen bewältigen. Ohne die konsequente Etablierung von Lean, Scrum, und agilen Methoden wird Deutschland zumindest der elektromobilen Konkurrenz hinterherfahren!

Karl Heinz Döppler
Herausgeber LEANmagazin

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