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Fachkräftebedarf wirkt der Krise entgegen

Ausbildungsmarkt in Südhessen 2009 voraussichtlich auf niedrigerem Niveau ausgeglichen

(PresseBox) (Darmstadt, )
Die wirtschaftlichen Folgen der Krise gehen auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbei. Trotzdem berücksichtigen die Unternehmen den künftigen Fachkräftebedarf bei der Ausbildungsplanung. Weil aber zugleich weniger Bewerber erwartet werden, bleibt der Lehrstellenmarkt in Südhessen 2009 voraussichtlich weitgehend ausgeglichen.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben IHK Darmstadt Rhein Main Neckar, Handwerkskammer Rhein-Main, die Agentur für Arbeit Darmstadt zusammen mit dem parlamentarischen Staatssekretär Andreas Storm heute eine Trendprognose für den Ausbildungsmarkt vorgestellt.

Aus den Hochrechnungen der einzelnen Institutionen ergibt sich folgende Prognose: Voraussichtlich werden sich 5.900 Bewerber auf 5.700 Ausbildungsplätze in Südhessen bewerben. Daneben stehen noch 400 Plätze für Einstiegsqualifizierungen (EQ) zur Verfügung. Damit, so Claus Gilke, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK Darmstadt, bekommt jeder ausbildungswillige und -fähige Schulabgänger eine betriebliche Ausbildungsmöglichkeit.

Seit Oktober letzten Jahres wurden rund 3.265 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 332 weniger als im Vorjahr, ein Minus von 9,2 Prozent. Zugleich gab es 4.472 Bewerbermeldungen, ebenfalls 332 weniger als im Vorjahr, was einem Rückgang von 6,9 Prozent entspricht. Damit kommen rein rechnerisch auf jeden Bewerber 0,73 Ausbildungsstellen. Im Vorjahr waren es 0,75 Ausbildungsstellen pro Bewerber.

Nicht ganz erklärlich ist die rückläufige Zahl der Bewerber, sagte Claus Gilke. Vermutlich fördere die derzeit unsichere Lage das Interesse, weiter die Schule zu besuchen, um einen höheren Abschluss zu erreichen.

"Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss die Ausbildung von Jugendlichen Vorrang haben", appellierte Staatssekretär Storm. "Ich ermuntere Betriebe und Verwaltungen, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen die Chance auf eine Ausbildung zu geben. Mein Dank gilt allen, die mit großem Engagement in die Zukunft der Jugendlichen und unseres Landes investieren", so Storm. Bundesweit wolle man trotz der schwierigen Wirtschaftslage im Rahmen des Ausbildungspaktes mindestens eine ausgeglichene Ausbildungsmarkt-Bilanz erreichen.

"Die Stellensituation ist zwar angespannter als in den Vorjahren, die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen halten viele Unternehmen ihr Ausbildungsengagement aufrecht und investieren in die Zukunft. Bevor nach der Krise Fachkräfte gesucht werden, die rar und teuer sind, ist es sicherer, heute auszubilden", sagte Birgit Förster, Vorsitzende der Agentur für Arbeit Darmstadt.

Auch für Claus Gilke und Alfred Will, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung der Handwerksammer, ist aus den Umfragen deutlich erkennbar, dass die Unternehmen ihren zukünftigen Fachkräftebedarf bei der Ausbildungsplanung berücksichtigen. Die Krise trifft die stark exportabhängigen IHK-Mitgliedsunternehmen allerdings stärker, als die auf die Region ausgerichteten Handwerker. Deshalb erwartet Gilke, dass Lehrstellenangebot bei den IHK-Unternehmen stärker zurückgehen werde als im Handwerk.

Mehr Beweglichkeit gefordert

Weniger Bewerber auf weniger Lehrstellen erwartet auch Dr. Thilo Pahl aus dem Geschäftsfeld Berufliche Bildung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin. Er ist verantwortlich für die bundesweite Online-Umfrage zur Ausbildung. In seiner Erhebung stellte er "erhebliche regionale Unterschiede" beim Lehrstellenangebot fest. Deshalb plädiert er für mehr überregionale Transparenz auf dem Ausbildungsmarkt, zum Beispiel durch Optimierung der IHK-Internet-Lehrstellenbörsen.

Mehr Beweglichkeit erwartet auch Birgit Förster von den Jugendlichen - und zwar in Bezug auf die Berufswünsche: Zahlreiche junge Männer wünschten sich eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker, Kaufmann im Einzelhandel, Bürokaufmann oder Industriemechaniker. Unter Bewerberinnen stünden genau wie im Vorjahr Ausbildungen zur Bürokauffrau, Kauffrau im Einzelhandel, Verkäuferin, Friseurin oder zur medizinischen Fachangestellten (früher Arzthelferin) hoch im Kurs. "In diesen beliebten Ausbildungsberufen herrscht dann auch eine enorme Konkurrenzsituation", so die Agenturchefin. Es gebe einige Berufe, die bei den Jugendlichen - teils aus Unwissenheit, teils auf Grund von Missverständnissen - nicht sehr gefragt sind. "Eines unserer Ziele ist es auch, Schülerinnen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu gewinnen und damit dem sich hier abzeichnenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. "So zeigen wir den Jugendlichen optimale Chancen für die Zukunft", sagte Förster weiter.

Im Vorfeld der Pressekonferenz hatte die IHK versucht, über die Staatlichen Schulämter in Südhessen Zahlen zu den Schulabgängern zu erhalten, die entweder weiter zur Schule gehen wollen oder sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Diese Daten wurden aber nur teilweise geliefert, sodass hier keine Mengeneinschätzung möglich ist.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Claus Gilke, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung, IHK Darmstadt, Telefon: +49 (6151) 871-240, E-Mail: gilke@darmstadt.ihk.de.
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