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Klein aber fein: Der erste GUTcert Praxistag Biogas in Dresden

Qualifikationsanforderungen, Korrosionsschäden, Anlagen-Controlling, Handlungsoptionen in der Post-EEG-Ära und Wege der Anlagenoptimierung – wir blicken zurück

(PresseBox) (Berlin, )
Beim GUTcert Praxistag Biogas, der am 8. November bei unserem Kunden Stadtwerke Dresden GmbH (DREWAG) stattfand, standen anwendungsorientierte Themen im Mittelpunkt. Besonders spannend war der Besuch der werkseigenen Biogasanlage. Herzlichen Dank an unsere Gastgeber!

Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten im Biogasbereich steigen stetig

Frau Wiesheu vom Fachverband Biogas lieferte uns einen Überblick über die komplexe Anforderungsstruktur innerhalb der Biogasbranche. Neben den stetig steigenden Anforderungen an die Qualifikation der eigenen Mitarbeiter, etwa durch die bundeslandspezifische Umsetzung der neuen TRAS 120 und der TRGS 529, wurde das eigenverantwortliche Erfassen der Qualifikation von Fremdfirmen angesprochen. Dieser Anforderung ist eine neue Herausforderung: War es bislang schon schwierig, Firmen für die Planung und Umsetzung von Projekten wie Instandhaltung, Anlagenerweiterung, etc. zu finden, obliegt es nun auch der Sorgfalt der Betreiber, deren Qualifikation zu prüfen. Aber Achtung: Qualifikationsnachweise können auf bestimmte Tätigkeiten begrenzt sein!

Auch die Akademie der GUTcert wird deshalb ab 2020 Pflichtschulungen zum Thema TRAS 529 anbieten.

Ursache für vielfältige Korrosionsschäden aufgedeckt

Von April 2018 bis September 2019 hat die GICON® Korrosionsschäden an Biogasanlagen im Freistaat Sachsen erfasst und detailliert untersucht. Ziel der Untersuchung und Schadensanalyse war es, Zusammenhänge zu Anlagenkonstruktion, Anlagenbetrieb und den eingesetzten Substraten und Betriebsstoffen abzuleiten.

Das Projekt führte der Ingenieurdienstleister im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie durch. Herr Herms von der GICON Großmann Ingenieur Consult GmbH stellt im Ergebnis fest, dass vor allem die Luftdosierung als Entschwefelungsprozess in landwirtschaftlichen Anlagen für die Bildung von Schwefelsäure und damit einer aggressiven Atmosphäre innerhalb der Prozessbehälter verantwortlich ist. Das führte teilweise zu einer massiven Beschädigung der Prozesstanks und den Einbauten.

Hauptursache von Korrosion ist die Luftdosierung – wenn möglich und finanziell noch rentabel (empfohlene Restlaufzeit mind. 10 Jahre) sollte über eine externe Entschwefelung nach¬gedacht werden. Ist dies nicht möglich oder der Schaden bereits vorhanden, empfehlen sich Foliensysteme zum Schutz der Behälterwände und Gurtsysteme als Ersatz von Holzdecken.

Anlagen-Controlling: Das Betriebstagebuch der Regpower GmbH macht‘s möglich

In der Vielzahl ungenutzter Zähler steckt Potenzial. Werden diese Quellen sinnvoll angezapft, lässt sich daraus ein optimales Tool zum Monitoring und Controlling einer Biogasanlage erstellen. Das Excel-Betriebstagebuch (BTB) der Regpower GmbH kann viel mehr, als nur Substratmengen aufzunehmen.

Herr Herb erläuterte, wie mit dem BTB eine ständige, automatisierte Überwachung des Gülle-Bonus (mit Alarmfunktion), des Maisdeckels, der Verweilzeit und des Methanschlupfes möglich ist. Das BTB ermöglicht es, verschiedene Szenarien zum Substratmix zu fahren. Dabei können der Substratbestand an der Anlage, Substratreichweite und Substratkosten analysiert werden. Die grafischen Auswertungen unterstützen Planung und Analyse und liefern so einen schnellen Überblick.

Die GUTcert testet das BTB derzeit mit kritischem Blick auf seine Anwendbarkeit im Rahmen von EEG-Prüfungen.

Handlungsoptionen für Biogasanlagen nach dem EEG

Herr Grönsch von der Technischen Hochschule Ingolstadt stellte das Forschungsprojekt „REzAB – Repoweringmaßnahmen“ vor mit Bezug auf die zukünftigen Aufgaben von Biogasanlagen. Welchen Repoweringbedarf haben Biogasanlagen, die nach dem Ende ihrer EEG-Laufzeit an Ausschreibungen teilnehmen wollen, bzw. weitere zehn Jahre wirtschaftlich Strom produzieren möchten? Analysiert wurde der bauliche Zustand und das technische Optimierungspotenzial von 14 Praxisanlagen, die für typische Biogasanlagen in Deutschland repräsentativ sind.

Ziel des Projekts ist ein Leitfaden für Bestandsbiogasanlagen zum wirtschaftlichen Weiterbetrieb nach dem Ende des EEG-Vergütungszeitraums. Der Leitfaden „Biogas nach den EEG (wie) kann´s weitergehen?“ erscheint voraussichtlich im März 2020 und soll Betreibern von Biogas-BHKW-Anlagen Hinweise und Empfehlungen für eine mögliche Teilnahme an Ausschreibungen geben.

Konsens im Auditorium war, dass das Fortbestehen der Biogasbranche von politischer Unterstützung abhängt. In Zeiten des Rückbaus von fossilen Energiequellen wie Kohle behindern die jetzigen politischen Rahmenbedingungen einen grundlastfähigen „Grünen Ersatz“.

Biogasanlagenoptimierung im Rahmen des EEG - Erfahrungsberichte unserer Anlagenbetreiber

Herr Reiche von der Biogas Produktion Altmark GmbH erzählte, wie er und sein Team es relativ pragmatisch schaffen, trotz sich ständig ändernder Eigentumsverhältnisse und immer neuer gesetzlicher Anforderungen Ertragssteigerungen im Sinne des EEGs zu erzielen. „Ohne den KWK-Bonus geht es nicht“, so Herr Reiche. Doch nicht an allen Biogasanlagen lässt sich ein sinnvolles bzw. rentables Wärmenetz errichten. Die landwirtschaftliche Trocknung hingegen ist sehr gefragt. Um die Kosten für notwendige Baugenehmigungen für fest installierte Trocknungsanlagen nicht ausufern zu lassen, werden Trocknungsanlagen auch gern auf einem Anhänger an die Anlage gestellt.

„Fit für die Zukunft“ ist das Motto von Herrn Fromm für seine Anlagen der Seydaland Agrar GmbH. Jedes neue EEG führte zu Anpassungen der Anlagen. So wurde mit neuen Substratalternativen (z.B. Sudangras und Silphie) experimentiert um den Maisdeckel einzuhalten, die Düngeverordnung forderte die Erhöhung der Lagerkapazität, etc.

Aber Aufgeben steht nicht zur Debatte, wie bei der GUTcert heißt es auch bei Seydaland immer besser werden. Herr Fromm hat neben der Flexibilisierung für die Zukunft auch andere innovative Ideen zum Weiterbetrieb seiner Biogasanlagen, etwa Elektroladesäulen oder Biogastankstellen in seinem Portfolio.

Nach ein paar einleitenden Worten zur DREWAG durch Herrn Reichelt ging es in die Biogasanlage Klotzsche, eine der vielen regenerativen Erzeugungsanlagen der DREWAG, die das städtische Fernwärmenetz Dresdens versorgt. Die Anlage wurde von vornherein als Besucheranlage konzipiert – so heißt man hier auch jeden Interesseierten zur Besichtigung willkommen.  Sie ist auf 500 kWel ausgelegt und wird mit Mais und Gülle betrieben. Schon in der Planung gut durchdacht wurde die externe Entschwefelung, die sich seither als überaus wartungsarm erweist.

Biogas Exzellenznetzwerk 2020

Sollten Sie unseren Praxistag in diesem Jahr verpasst haben, empfehlen wir Ihnen, sich direkt für unseren alljährlichen Erfahrungsaustausch am 28. April 2020 in Berlin anzumelden! Profitieren Sie bis noch zum 31. Januar vom Early Bird-Bonus!

Haben Sie Fragen oder Hinweise zum Thema Bioenergie? Wenden Sie sich gerne an Christiane Helbig

GUTcert GmbH

Die Zertifizierung von Integrierten Managementsystemen mit den Schwerpunkten Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Arbeitssicherheit sowie Energiemanagement ist das Hauptgeschäft der GUTcert. Weitere Kernkompetenzen der GUTcert sind die Verifizierung von Treibhausgasemissionen nach anerkannten Standards sowie die Zertifizierung der Nachhaltigkeitsanforderungen für Biomasse.

Als Mitglied der AFNOR Gruppe bietet die GUTcert ihre Zertifizierungsdienstleistungen im internationalen Netzwerk an, welches weltweit 28 Niederlassungen umfasst und mit 1.500 Auditoren und 20.000 Experten Kunden in über 90 Ländern betreut.

Die GUTcert Akademie bündelt das Fachwissen von Auditoren und anderen Experten, um Teilnehmern direkt anwendbare Kompetenzen mit nachhaltigem Mehrwert zu vermitteln.

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