Wachsender Ökostrommarkt, Verbrauchertäuschung und stagnierende Energiewende

Auswertung des Grüner Strom-Label zur neuen Ökostrom-Marktanalyse des Umweltbundesamtes / Fake-Ökostrom-Produkte täuschen Verbraucher*innen und haben keinen Effekt auf den Ausbau Erneuerbarer Energien

Wachsender Ökostrommarkt, Verbrauchertäuschung und stagnierende Energiewende (PresseBox) ( Bonn, )
Das Umweltbundesamt (UBA) hat kürzlich die ‚Marktanalyse Ökostrom II‘ veröffentlicht. Neben der Entwicklung des Ökostrommarktes und seinen Rahmenbedingungen wurden auch die Perspektiven von Verbraucher*innen beleuchtet. Eine Analyse des Grüner Strom Label e.V. zeigt: Angebot und Nachfrage von Strom aus Erneuerbaren Energien sind deutlich gestiegen. Allerdings erfüllt ein Großteil der vermeintlichen Ökostromprodukte weder die Erwartungen der Verbraucher*innen noch führen sie zu einem Ausbau Erneuerbarer Energien. Ökostromtarife mit konkreter Investitionskomponente hingegen bringen die Energiewende voran, werden jedoch nur selten angeboten.

„Die Studie hat dargelegt, dass die meisten sogenannten Ökostromprodukte in Deutschland ausschließlich auf Herkunftsnachweisen basieren und keinerlei echten Umweltnutzen bewirken.“, erläutert Dietmar Oeliger, Vorsitzender des Grüner Strom Label e.V. „Verbraucher*innen wollen mit ihrem Ökostrombezug nicht nur ihre eigene Energieversorgung nachhaltig gestalten, sondern auch die Energiewende voranbringen. In beiden Punkten werden sie bei den meisten Ökostromprodukten getäuscht“, so Oeliger weiter.

Dabei gibt es Fördermechanismen, die die Energiewende voranbringen, heißt es in der UBA-Studie: Die stärksten Zusatznutzen resultieren aus nachgewiesenen Beiträgen zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen [1].

Ein solches Förderkonzept mit garantierten Investitionen verfolgt das Grüner Strom-Label. Jedes Ökostromprodukt, das mit dem Ökostromlabel der Umweltverbände zertifiziert ist, garantiert: Ein fester Betrag je Kilowattstunde Ökostrom wird binnen zwei Jahren in Energiewende-Projekte investiert, wie Photovoltaik-Anlagen, Windenergieanlagen sowie Energieeffizienz-, E-Mobilitäts- oder Bildungsmaßnahmen. Vor der Projektrealisierung werden sowohl ökologische als auch ökonomische Kriterien überprüft. In den letzten 20 Jahren konnten so mit rund 65 Millionen Euro über 1.300 Energiewende-Projekte kofinanziert und umgesetzt werden. Dabei liegt die Förderquote im Schnitt bei etwa einem Fünftel; die Gesamtinvestitionen betragen über 360 Millionen Euro.

Positive Effekte auf die Zubauwirkung Erneuerbarer Energien allein durch Herkunftsnachweise konnte die UBA-Studie nicht bestätigen. Darauf basiert aber ein Großteil aller Ökostromprodukte [2]. Dabei gehen über 60 Prozent der Ökostromkund*innen davon aus, dass sie durch ihren Ökostrombezug einen Beitrag zum Ausbau Erneuerbarer Energien leisten [3]. Ebenso viele finden es auch wichtig, dass ihr Stromanbieter selbst in die Energiewende investiert [4, 5].

„Die Menschen sind bereit, durch den Bezug von Ökostrom einen Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz zu leisten. Wir haben keine Zeit mehr, dieses tolle Potenzial ungenutzt zu lassen, denn der Klimawandel ist bereits in vollem Gange.“, erklärt Daniel Craffonara, Geschäftsführer des Grüner Strom Label e.V. „Viele Energieanbieter müssen ihre Ökostromprodukte radikal umgestalten und den Ausbau Erneuerbarer Energien aktiv vorantreiben. Denn die ökologische Energieversorgung ist ein Grundpfeiler zur Bewältigung der Klimakrise und eine Erde 2.0 gibt’s nicht. Deshalb brauchen wir die Energiewende, jetzt.“

Nachweise:
[1] Umweltbundesamt (Hrsg.) (16.08.2019): Marktanalyse Ökostrom II; https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/marktanalyse-oekostrom-ii, Seiten 36, 168.
[2] Umweltbundesamt (Hrsg.) (16.08.2019): Marktanalyse Ökostrom II; https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/marktanalyse-oekostrom-ii, Seiten 33, 34.
[3] Umweltbundesamt (Hrsg.) (16.08.2019): Marktanalyse Ökostrom II; https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/marktanalyse-oekostrom-ii, Seite 247.
[4] Umweltbundesamt (Hrsg.) (16.08.2019): Marktanalyse Ökostrom II; https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/marktanalyse-oekostrom-ii, Seiten 252.
[5] Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (Hrsg.) (21.12.2011): Erwartungen der Verbraucher an Ökostrom und Konsequenzen für Ökostrom-Labelkriterien; https://www.vzbv.de/pressemitteilung/kein-durchblick-bei-oekostrom; Seite 18. 
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