Studenten lernen an der Uni kochen

Wichtiges Wissen für angehende Lehrer

(PresseBox) ( Hannover, )
Nur zwei von drei 11- bis 15-Jährigen in Deutschland frühstücken täglich, so lautet das Ergebnis einer Studie der Weltgesundheitsorganisation. Und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren sind übergewichtig, konstatierte die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KIGGS des Robert-Koch-Instituts bereits vor sechs Jahren. "Kinder nehmen in der Grundschulzeit zu, während sie bei der Einschulung noch nicht so übergewichtig sind", erklärte jüngst Andrea Lambeck von der Plattform Ernährung und Bewegung bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag. Das heißt auch, die Schule kann Veränderungen bewirken. Seit Jahren schon versuchen viele Akteure mit großem Engagement, bei Schülern Ernährungsbewusstsein zu wecken. In Niedersachsen gibt es jetzt ein weiteres Projekt mit einem neuen Ansatz: CookUOS. Das beginnt nämlich bei den zukünftigen Lehrern.

An der Universität Osnabrück werden Lehrer für alle Schularten ausgebildet - unter anderem Berufsschullehrer für die Fachrichtung Gesundheitswissenschaften. Und genau dort entstand auch die Idee für ein überaus genussvolles Uni-Seminar. Das Konzept ist so einfach wie erfolgversprechend: Das, was einem selbst Spaß macht, kann man auch gut vermitteln. Die Lehramtsstudenten sollen später ihr Wissen und vor allen Dingen ihre Erfahrungen aus diesem Projekt an ihre Schüler weitergeben.

An insgesamt sechs Samstagen absolvieren sie zunächst einen theoretischen Teil, besorgen dann die Zutaten auf dem Wochenmarkt und treffen sich schließlich mit Profis zum gemeinsamen Kochen und Essen. Das sind die Mensa-Küchenchefs Jutta Püschel und Markus Ebert sowie der 3-Sterne-Koch Thomas Bühner aus dem Osnabrücker Restaurant "la vie".

Warum ein 3-Sterne-Koch mit Studenten kocht? Ganz einfach, erklärt Thomas Bühner: "Es trifft genau die richtigen Leute, die ihre Erfahrungen nachher wieder weiter in die Welt transportieren. Es ist ja schade, dass sich gerade viele Studenten nicht gut ernähren. Dass der Coffee to go zu einer Lebensanschauung geworden ist - und nicht mehr das gemeinsame Herstellen von Essen und das gemeinsame Essen."

Das Gemeinsame ist wohl das entscheidende Stichwort für den Erfolg dieses Seminars. "Wir wollten angehenden Lehrern einen Zugang zu Nahrungsmitteln und zur Ernährung zu geben, aber ohne den erhobenen Zeigefinger", sagt Projektkoordinator Uwe Neumann. "Wir bieten keine Kochschule an, um etwa perfekt kochen zu lernen. Wir wollen einfach die Freude und den Zugang zu einer abwechslungsreichen, vielfältigen Ernährung ermöglichen."

Regionale Partner waren dafür schnell gefunden: die AOK, das Studentenwerk, ein Bio-Gärtner vom Wochenmarkt, eine Berufsschule und Thomas Bühner. Das Ergebnis am Ende des Semesters: Die Studenten sind begeistert. "Ich habe viel zum Thema Organisations- und Zeitmanagement gelernt", erklärt die Studentin Jennifer Seiferth. "Was heißt es überhaupt, zu kochen, welcher Aufwand steckt dahinter, wie viel Zeit muss ich einrechnen, welche Rezepte kann ich mit Schülern realisieren?"

Ähnlich erging es auch ihrer Kommilitonin Melanie Escher. "Ich studiere Sport und denke, dass es gut ist, in diesem Fach den Aspekt der Ernährung mit der Bewegung zu verbinden. Ich halte es auch für wichtig, bei Schülern anzufangen. Wenn ich jetzt beginne, mich anders zu ernähren, dann dauert das wahrscheinlich länger, bis ich mich umgestellt habe, als wenn sich Schüler anders ernähren. Ich glaube es ist einfacher, da eine Umstellung in Gang zu setzen."

Nicht nur die Studenten, auch die Osnabrücker Mensaköche haben neue Erfahrungen sammeln können. Sie erleben die Studierenden sonst nur als hungrige und etwas gehetzte Gäste, die möglichst schnell satt werden wollen, um anschließend möglichst schnell ins nächste Seminar zu verschwinden. "Hier ist das der Hauptpunkt, dass wir essen, dass wir Spaß miteinander haben und dass wir zusammen kochen. Und das war total super", erklärt Küchenchefin Jutta Püschel.

Das Seminar soll im kommenden Semester fortgesetzt werden. Auch 3-Sterne-Koch Bühner kann sich gut vorstellen, noch einmal mit dabei zu sein. "Was mir noch wichtiger ist als das Kochen und das Vorbereiten, ist das anschließende gemeinsame Essen. Dass Essen ein gemeinsames Erlebnis ist - das würde ich gern vermitteln. Und wenn man sieht, dass sich die Studenten ein paar Wochen später treffen und dort das, was sie gelernt haben, nachkochen - mit vier oder sechs Leuten - und feststellen, wie gesellig und schön das ist, dann ist das doch ein schönes Ergebnis. Wenn wir das weitertragen können, würde mir das schon reichen."

Angehende Lehrer kochen und essen gemeinsam, um diese Begeisterung anschließend an ihre Schüler weiterzugeben - ein Beispiel, das in Deutschland vielleicht (Hoch-)Schule machen kann.

Dazu auf der didacta 2012

Gesundheit und Ernährung werden auch auf der diesjährigen didacta in Hannover ein wichtiges Thema sein - auf Sonderschauen, in den Kita-Seminaren, auf dem Hochschul- oder UNESCO-Tag. Viele Aussteller präsentieren überdies Lehrmaterialien, die passenden Ausstattungen und viele Anregungen zu diesem Themenkomplex.

14. bis 18. Februar

Pausensnacks, Verbraucherbildung, Qualitätsstandards für Schulverpflegung oder Ernährungsführerschein: Das Bundesministerium für Ernährung informiert während der gesamten Messe über all diese Themen. Halle 14, Stand J26. Das detaillierte Programm.

UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" Jahresthema Ernährung. Die Weltbevölkerung angemessen zu ernähren, stellt eine der größten Herausforderungen für eine sozialgerechte nachhaltige Entwicklung dar. Warum landet eine große Menge unserer Lebensmittel auf dem Müll und an anderer Stelle verhungern Menschen? Was hat die Wurst in meinem Pausenbrot mit dem Klimawandel zu tun? Was ist fair am fairen Handel? Schmeckt öko einfach besser oder steckt noch mehr in der Bio-Rübe? Diesen Fragen widmet sich die Deutsche UNESCO-Kommission in diesem Jahr im Rahmen der internationalen Bildungsoffensive UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Ansätze für den Unterricht, Projekttage und außerschulische Bildungsprogramme zeigen ausgezeichnete Good-Practice-Beispiele auf der Sonderschau zum Thema Ernährung. Außerdem organisiert die Deutsche UNESCO-Kommission eine Lehr- und Lernmaterialienbörse, bei der Lehrerinnen und Lehrer aktuelle Unterrichtsmaterialien zum Thema Ernährung finden. Halle 15, Stand E44

Landwirtschaft bildet - Beobachten, Erleben, Handeln – Der außerschulische Lernort Bauernhof lädt zum „Mitmachen“ ein, Halle 23, Stand A53.

14. Februar

Der erste Tag der Kita-Seminare hat den Themenschwerpunkt Gesundheit.

Convention Center (CC), Saal 1A

15. Februar

UNESCO-Tag

10 bis 14 Uhr, Convention Center (CC), Saal 3B.

Um 11 Uhr: Zwiegespräch zu Ernährung und Bildung und nachhaltige Entwicklung zwischen Dr. Robert Kloos, Bundeslandwirtschaftsministerium, Minister a.D. Walter Hirche, Deutsche UNESCO-Kommission.

Um 12 Uhr: Auszeichnung: Offizielle Projekte der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung", Referent: Prof. Dr. Gerhard de Haan, Freie Universität Berlin.

18. Februar

Zertifizierung der Schulverpflegung. Wie viel Professionalität braucht das Schulessen in Deutschland, Podiumsdiskussion mit Dr. Michael Polster, Deutsches Netzwerk für Schulverpflegung; Prof. Dr. Volker Peinelt, Hochschule Niederrhein.

13 bis 13.45 Uhr, Halle 23, Stand A22, Forum didacta aktuell
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