Land und L-Bank vergeben Landespreis für junge Unternehmen.

Comemso gewinnt Auszeichnung des Landes | Ministerpräsident Kretschmann: „Junge Unternehmen bringen Ökonomie und Ökologie zusammen, stärken den gesellschaftlichen Zusammenhang und gestalten damit die Welt von morgen.“

Quelle: L-Bank / K.D.Busch
(PresseBox) ( Stuttgart, )
„Ein Unternehmen neu zu gründen und aufzubauen verlangt einem schon alles ab. Es dann aber auch noch durch eine Pandemie zu steuern, ist eine ganz besondere Leistung“, so der Schirmherr des Landespreises für junge Unternehmen Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Preisverleihung am Donnerstag (15.07.2021) in der L-Bank in Stuttgart. „Meine Landesregierung tut, was möglich ist, damit Unternehmen – und gerade auch junge Unternehmen – hier in Baden-Württemberg weiterhin erfolgreich sein können. Viele von ihnen haben während der Pandemie Überbrückungshilfen und Soforthilfen abgerufen. Und fast jedes zweite, das Soforthilfen beantragt hat, ist ein junges Unternehmen, das noch keine zehn Jahre am Markt ist. Und wir unterstützen diese Unternehmen auch mit ganz speziellen Gründerprogrammen. Damit wir weiterhin Ökonomie und Ökologie zusammenzubringen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und die Welt von morgen mitzugestalten – sei es in der Mobilität, der Gesundheit oder der Industrie 4.0.“

Die Rekordzahl von 619 Bewerbungen in der aktuellen Wettbewerbsrunde zeigt, dass der unternehmerische Nachwuchs nach vorne drängt. Gemeinsam mit Edith Weymayr, der Vorsitzenden des Vorstands der L-Bank, ehrte Kretschmann die zehn Finalisten des Landespreises 2020. Dabei ging erste Platz an die comemso GmbH aus Ostfildern. Mit seinem 2010 gegründeten Unternehmen für Prüf- und Messsysteme hat sich das Ehepaar Anita und Kiriakos Athanasas weltweit einen Namen auf dem Gebiet der Elektromobilität gemacht. Die technologisch führenden Testgeräte für Batterie-Steuergeräte und die Testsysteme für Ladestationen sind in der Automobil- und E-Mobilitätsbranche bestens etabliert.

Für Weymayr unterstreicht der Landespreis 2020 einmal mehr die Vielfältigkeit und die regionale Breite des Gründertums in Baden-Württemberg: „Es gab spannende Projekte in den unterschiedlichsten Branchen von der Prüf- und Messtechnik bis zum medizinischen Bereich. Auch bei den jungen Unternehmen zeigt sich damit: Vielfalt ist Trumpf in Baden-Württemberg. Im Handwerk ebenso wie in der Industrie, dem Handel, bei den Hotels und der Gastronomie oder den Dienstleistungen. Und für die gute regionale Streuung sind wir ja ohnehin bekannt: Der ländliche Raum erwirtschaftet mehr als ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung Baden-Württembergs.“ Besonders zuversichtlich macht Weymayr die Herangehensweise vieler Gründerinnen und Gründer: „Sie wollen nicht möglichst schnell an die Börse und streben keinen kurzfristigen Exit an. Ihre Motivation sind die Freiräume und die Gestaltungsmöglichkeiten, die ein eigenes Unternehmen bietet. Ihre Zielsetzung ist es, ein ambitioniertes mittelständisches U nternehmen aufzubauen. So wie es unsere Landespreisträger getan haben.“

„Wir haben Dinge erreicht, von denen wir nicht mal geträumt haben“

Wenn es um Prognosen geht, wie sich die Elektromobilität in Deutschland entwickeln wird, stellt sich die Frage nach der Verfügbarkeit von Ladestationen. Denn selbst ausgeprägten E-Auto-Fans graust es bei der Vorstellung, bei verringerter Reichweite – im Vergleich zu klassischen Autos – ohne Lademöglichkeit liegen zu bleiben.

Wo andere Probleme sahen, baute das Ingenieurspaar Kiriakos und Anita Athanasas seit 2010 in Ostfildern Lösungen: „Mit unserer ersten Entwicklung werden die Reichweite, Sicherheit und Langlebigkeit von Elektrofahrzeug-Batterien optimiert und sichergestellt. Eine Batterie hat ein überwachendes Batterie-Steuergerät, welches wiederum gut getestet werden muss. Genau das leistet unser Batteriezellen-Simulator“, erläutert Gründer Dr.-Ing. Kiriakos Athanasas. Doch bis das realisiert wurde, hatte das Paar einen einjährigen Härtetest zu überstehen: "Wir wollten im Januar 2010 mit Testsystemen für den Bereich Fahrerassistenz-Systeme starten. Doch bis Ende 2010 waren alle Projekte, die wir eingeplant hatten, wegen der Finanzkrise auf ‚Hold‘ gesetzt“, so Athanasas. Erst kurz vor Weihnachten gab es einen Lichtblick: Ein Ingenieur eines Automobilunternehmens beauftragte das Unternehmen, ein Testgerät für Batterie-Steuergeräte in Elektrofahrzeugen zu entwickeln. Nach der Präsentation im Januar 2011 mussten die Geräte bis April fertiggestellt und ausgeliefert werden: „Der Ingenieur erklärte uns, unser Prototyp sei besser als alles, was sich damals auf dem Markt befand“, ist die heute 37-jährige Anita Athanasas stolz.

Das war der Start einer fulminanten Unternehmensentwicklung. Noch immer bilden Testgeräte für Batterie-Steuergeräte eine wichtige Produktfamilie von comemso. „Den technischen Vorsprung haben wir verteidigt, denn inzwischen gibt es unser Testgerät in achter Generation“, so Anita Athanasas. Ab 2011 kam eine zweite Produktfamilie hinzu. Mit ihr lassen sich Ladevorgänge testen. 2017 betrat das Unternehmen ein weiteres Mal Neuland, als es zum ersten Mal ein Testgerät entwickelte, das ausdrücklich nicht von Ingenieuren, sondern von Servicetechnikern bedient werden kann. Die mobilen Ladestationstester können die Funktionen an den Ladestationen prüfen und Hinweise zur Fehlerbehebung geben.

Zu Beginn arbeitete das Gründerpaar in den eigenen vier Wänden. Doch auch als zusätzliche umliegende Raumkapazitäten zugekauft wurden, erwiesen sich diese schnell als zu gering. So investierten die beiden zehn Millionen Euro in ein neues Forschungs- und Entwicklungsgebäude. Etwa zehn Jahre nach der Gründung, Mitte 2020, wurde es bezogen. Anita Athanasas fragte ihren Mann bewegt: „Hättest du das gedacht, als wir angefangen haben?“ Und ihr Mann schüttelte nur den Kopf, beide haben Tränen in den Augen. Man spürt bei den Gründern Dankbarkeit und Stolz zugleich. Das Unternehmen ist ihr Lebenswerk. Heute befindet sich selbstverständlich auch ihre Wohnung auf dem Betriebsgelände: „Wir leben comemso!“

Über 100 Beschäftigte finden momentan Platz in den neuen Räumen. Für das gewünschte Wachstum gibt es noch freie Flächen. „Der Neubau sollte die nächsten fünf Jahre reichen“, meint das Unternehmerpaar augenzwinkernd. „Elektromobilität ist natürlich seit Jahren ein Trend und ein dynamischer Wachstumsmarkt“, so Kiriakos Athanasas. „Und wir wachsen mit.“ Sie sind froh, alle Herausforderungen gemeinsam anpacken zu können. Während sie die Vertriebsleitung übernommen hat, koordiniert er die Teamleitungen. Strategien für die Produktentwicklung und Investitionen werden gemeinsam festgelegt.

Die meisten Wochenenden investiert das Ehepaar in das Unternehmen. Sieht man von zwei Wochen Weihnachtspause ab, liegt der letzte Urlaub des Gründerpaares dreizehn Jahre zurück. „Wer gerne Urlaub macht, sollte besser kein Unternehmen gründen“, so die Ingenieurin lachend. Doch auch die freien Tage stehen ganz im Zeichen des gemeinsamen Unternehmens: „Wenn wir eine Woche ausgeruht haben, dann sprudeln die Ideen in der zweiten Woche.“ Diese werden dann im neuen Jahr dem Team wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk präsentiert: „Die Mitarbeiter wissen schon, dass wir mit einem Sack voller Ideen aus den Weihnachtsferien zurückkommen.“

Der Erfolg treibt sie an, was wiederum weitere Herausforderungen nach sich ziehe: „Wie bei einem Marathonläufer gibt es kein Ausruhen: Es geht immer weiter.“ Ob es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht manchmal zu viel wird mit der Dynamik? Anita Athanasas schüttelt energisch den Kopf. Das Gefühl, etwas bewirken und neue Ideen umsetzen zu können, gefällt auch dem Team.

Die Wirtschaft sieht Kiriakos Athanasas im Umbruch. „Die E-Mobilität wird sich beim Automobil durchsetzen“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Bei LKWs und Bussen, sagt er, habe zudem der Wasserstoffantrieb eine gute Chance. „Aber auch dort gibt es Batterien und damit für uns zu tun.“ Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden auch in Zukunft bei comemso eine gute Perspektive haben. „Aber vielleicht werden wir weniger Absolventen aus dem Maschinenbau benötigen“, glaubt Anita Athanasas. „Dafür wird es mehr Personalbedarf im Bereich Elektrotechnik und Software geben.“

So oder so: Dynamisch bleibt es auf jeden Fall und vor Herausforderungen haben die beiden keine Furcht, denn schließlich hätten sie mitten in der Krise gegründet und es trotzdem geschafft. Sie sind überzeugt, dass circa alle zehn Jahre mit einer Wirtschaftskrise zu rechnen ist. „Und jede Krise ist Veränderung und damit auch eine neue Chance! Wenn wir heute einen Start für eine Unternehmensgründung nochmals wählen müssten, wäre es erneut genau in solch einer Situation – so hat man Gelegenheit, sein Unternehmen aufzubauen und auf ein stabiles Fundament zu stellen.“
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