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Rückenwind für Ausbildungsberufe im Baugewerbe

(PresseBox) (München, )
Mit dem Beginn des neuen Ausbildungsjahrs 2023 zeigt sich erneut, wie sehr der Fachkräftemangel unsere Wirtschaft bremst. Eine Berufsausbildung im Baugewerbe scheint für viele Bewerber und Bewerberinnen immer noch als wenig attraktiv – zu Unrecht. Denn wer heute auf der Baustelle anpackt, hat einen sicheren Arbeitsplatz, nutzt innovative Technologien, braucht soziale Skills und kann proaktiv und professionell Umweltschutz betreiben.

Dass qualifizierte Bewerber immer rarer werden, zeigt ein Blick in die Statistik1: 2022 gab es 546.000 gemeldete Berufsausbildungsstellen, aber nur 422.000 Bewerber. Während sich die Anzahl der offenen Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr um 23.000 erhöht hatte, war die Zahl der Interessenten um 12.000 geschrumpft. Dass beim Bau besonders viele Stellen unbesetzt bleiben, ist nicht zuletzt auf viele noch bestehende Vorurteile zurückzuführen: Die Arbeit gilt als gefährlich und anstrengend fürs Kreuz – aber eher unterfordernd für den Kopf.

Neue Technologien für einen anspruchsvollen Arbeitsplatz

Mit der Wirklichkeit haben diese Vorstellungen indes wenig gemein. Denn die aktuellen Entwicklungen machen das Berufsfeld zunehmend attraktiver: Der Einzug der Digitalisierung verlangt von den Mitarbeitenden umfangreiche Kompetenzen, zum Beispiel beim Programmieren und Steuern von Robotern, beim Verstehen von digitalen Bauplänen. Die Fachkräfte müssen sich gut auskennen, bei modernen Baustoffen und deren Wiederverwertbarkeit. Dank neuer Technologien wird die Arbeit körperlich leichter und sicherer: Maschinelle Hilfsmittel, beispielsweise Bohr-, Bau- und Abbruchroboter oder Exo-Skelette, machen den Beruf auch für ältere Quereinsteiger interessant. Maschinen können heute prinzipiell sogar aus der Ferne gesteuert werden. Digitalisierte und damit weitaus effizientere und bessere Prozesse ermöglichen zudem flexiblere Arbeitszeiten.

Vorausschauend planen und sicherer arbeiten

Computermodelle werden zukünftig helfen, den Arbeitsschutz auf Baustellen zu verbessern, indem beispielsweise fehlende Absturzsicherungen an Fassaden und Dächern in Echtzeit erkannt und gemeldet werden. Das zeigt ein Projekt unter Beteiligung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Mehr als die Hälfte der Arbeitsunfälle auf Baustellen ist auf Planungsmängel zurückzuführen. Bauherren und Planer müssen relevante Informationen allen Beteiligten frühzeitig zur Verfügung zu stellen und dafür sorgen, dass die Schutzmaßnahmen für die einzelnen Arbeiten aufeinander abgestimmt werden. Umsetzen lässt sich dies über „Building Information Modeling“.

"Mit BIM können Informations- und Kommunikationsdefizite vermieden und die Einhaltung von Sicherheitsregeln überprüft werden“, sagt Prof. Frank Werner, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Prävention von der BG BAU. „Die Daten liefern wertvolle Informationen für die Gefährdungsbeurteilung zum Schutz der Beschäftigten und die Grundlage für eine KI-gestützte Überwachung zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Somit bietet BIM auf der Baustelle der Zukunft auch eine gute Grundlage für den Arbeitsschutz.“

Wissen, Empathie und Kooperation gefragt

Nicht jeder möchte sein gesamtes Arbeitsleben im Büro verbringen und dabei nur die Maus bewegen. Wer lieber praktisch arbeitet, ist auf der Baustelle richtig. Was dort heute und in Zukunft zählt, ist aber weniger der starke Arm zum Steine- und Baumaterialheben, sondern neben dem technischen Wissen vor allem Empathie, Kommunikation und Vernetzung. Denn auf der Baustelle der Zukunft wird partnerschaftlich gearbeitet – mit BIM und integraler Planung. Hier können Bewerber und Bewerberinnen ihre Stärken voll und ganz ausspielen.

Klimaschutz proaktiv mitgestalten

Ebenso wichtig: Neben dem reinen Gelderwerb stellt sich für die Generation Z heute vor allem die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit. Die jungen High Potentials wollen sich proaktiv für unseren Lebensraum einsetzen. Und gerade hier stehen die Frau und der Mann vom Bau heute wie morgen mehr denn je in der Verantwortung. Fast 40 Prozent beträgt der Anteil des Gebäudesektors am Energieverbrauch in Deutschland. Die Bundesregierung strebt an, dass der Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 nahezu klimaneutral wird. Dafür muss der Bedarf an Primärenergie um 80 Prozent gesenkt werden.2 Ein Grundpfeiler dieser Energie- und Klimawende sind: effiziente Gebäude – und qualifiziertes Fachpersonal, um sie zu bauen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2 Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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