Trotz guter Jahresentwicklung und Stimmung: Vorpommerns Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen

Arbeit der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern verändert sich mit den Anforderungen der Unternehmen

(PresseBox) ( Greifswald, )
Mit hoher Arbeitsintensität und zahlreichen betreuten Unternehmen, intensiven Marketingaktivitäten und Projektmaßnahmen will die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern (WFG) Vorpommern auch in Zukunft weiter voranbringen.

Bei dem Jahrespressegespräch der WFG zog Geschäftsführer Rolf Kammann Bilanz für die Region. Die Botschaft des Pressetermins war klar: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich auch in Vorpommern mit sehr hoher Intensität und Geschwindigkeit und die Unternehmen und Betriebe befinden sich in dynamischen Veränderungsprozessen und stehen vor großen Herausforderungen. Damit unterliegen auch die Aufgaben der Wirtschaftsförderer neuen Anforderungen. Dies schlug sich im vergangenen Geschäftsjahr deutlich nieder.

Weiter hohe Nachfrage der Betriebe nach Beratung und Unterstützung – auch Investitionsinteresse weiter auf hohem Niveau, Umstrukturierungen nehmen zu

Insgesamt wurden 350 Unternehmensvorgänge bearbeitet und betreut. Mit 151 Neuzugängen im Sinne von Neukunden oder -fällen, lag der Jahreswert gegenüber dem Vorjahr (145) sogar noch etwas höher, was sowohl die hohe Dynamik als auch den steten Unterstützungsbedarf verdeutlicht.

Die davon 61 Neuansiedlungsanfragen zeigen einerseits auf, dass Vorpommern für potenzielle Investoren weiterhin eine Rolle spielt. Andererseits ist bereits seit mehreren Jahren festzustellen, dass die Zahl der Ansiedlungsanfragen stagniert. Ein leichter Rückgang ist bei Erweiterungsinvestitionen zu verzeichnen (22 ggü. 27 im Vorjahr), was deutlich macht, dass die Unternehmen trotz teilweise guter Auftrags- und Stimmungslage, zumindest bei Investitionsentscheidungen vorsichtiger agieren.

Einen seit Jahren fortgesetzten Anstieg verzeichneten die Wirtschaftsförderer bei sogenannten allgemeinen Anfragen (46 ggü. 42 im Vorjahr), die hauptsächlich auf Geschäftsfeldentwicklungen, Prozessoptimierung/Digitalisierung, Förder-, Finanzierungs- und Liquiditätssicherungsfragen sowie Geschäftspartner-, Nachfolge- und Fachkräftesuche gerichtet waren. Insbesondere die Zahl der Gründungsanfragen erhöhte sich – wenn auch auf niedrigem Niveau – deutlich von sechs in 2018 auf 17, was vor allem dem begonnenen Projekt „Neue Unternehmer“ (s. u.) zuzuschreiben ist.

Zusammengefasst kann also festgestellt werden, dass neben reinen Investitionsvorhaben zunehmend andere Fragen der unternehmerischen Entwicklung an Bedeutung gewinnen. Zu nennen sind neben klassischen Finanzierungs- und Förderfragen vor allem Modernisierungs- / Digitalisierungsvorhaben, Liquiditätssicherung / Krisenbewältigung und Fachkräftesicherung und -akquise. Auch das Gründungsgeschehen gewinnt ganz offensichtlich an regionaler Bedeutung.

Neue Kunden werden überwiegend selbst generiert

Nach wie vor werden die meisten Neuzugänge (119 von 151) durch Direktakquise der WFG und Vermittlung innerhalb des Netzwerkes generiert – und dies auch mit wachsender Tendenz, was für Bekanntheit und Vertrauen in die Leistungen der Wirtschaftsförderer spricht. Nur knapp ein Fünftel der Neukunden und -anfragen gelangten über Landes- und Bundeswirtschaftsförderung zur regionalen Wirtschaftsförderung.

Branchenbezogen entstammten die Neuanfragen vorrangig dem verarbeitenden Bereich (v. a. Ernährungswirtschaft, Maschinen- und Metallbau sowie dem sonstigen verarbeitenden Gewerbe und dem Handwerk), während klassische regionale Branchen wie etwa touristische Vorhaben nur in geringem Umfang begleitet wurden.

Weniger Messen – deutlich mehr Veranstaltungen

Vor allem aufgrund knapper Ressourcen verschoben sich die Veranstaltungsaktivitäten der Wirtschaftsförderer: So besuchte die WFG 17 klassische Messen und verdoppelte ihre Aktivitäten in der Organisation von und der Beteiligung an insgesamt 26 regionalen Veranstaltungen mit insgesamt fast 2.000 Teilnehmern.

Neben etablierten Veranstaltungen wie der Regionalproduktemesse oder dem Immobilientag wurden viele branchen- und projektbezogene Veranstaltungen organisiert. Oft wurden die Themen durch die Bedarfe der Unternehmen bestimmt, so ging es u. a. um Existenzgründung und Unternehmensnachfolge, Verbesserung der Wertschöpfungskette regionaler Lebensmittelerzeuger, die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume, die Entwicklung eines Gründer-, Startup- und Kreativzentrums, die Stärkung des Standortes Vorpommern in der überregionalen Wahrnehmung sowie um E-Mobilität und Wasserstoff als Zukunftsthemen.

Erfolgsgeschichten

Durch die Aktivitäten der Wirtschaftsförderer konnten 41 Unternehmensvorhaben positiv abgeschlossen werden, darunter z. B.


Neuansiedlung der Vilua Healthcare GmbH in Greifswald
Produktions- und Logistikstandorteröffnung der AkkuSys GmbH am Pommerndreieck,
der Baubeginn für das Ostsee-Reiter Resort in Dierhagen,
Umstrukturierung und Erweiterung der flz – stahl- und metallbau lauterbach GmbH,
Umstrukturierung der Losberger Cover all GmbH in Wendorf oder
Hafenerweiterung der Marina Neuhof in Sundhagen.


Insgesamt 308 Arbeitsplätze konnten erhalten und 30 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 100 weitere werden im Zuge der Umsetzung der Vorhaben perspektivisch entstehen.

Unternehmer der Region zeigen sich tendenziell zufrieden mit ihrem Standort

Die insgesamt dritte Kunden- und Standortbefragung der WFG gab Anlass, Trendentwicklungen aufzuzeigen. Festzustellen war, dass sich Unternehmer am Standort Vorpommern grundsätzlich und zunehmend wohl fühlen. Besonders positiv werden vor allem die Lebensqualität und das Image des Standortes gesehen.

Verbesserungsbedarfe werden vor allem bei der Infrastruktur und den Verkehrsverbindungen ersichtlich. Hier schlug sich die Situation auf der A20 deutlich in der Bewertung nieder. Außerdem verschlechterte sich im Mehrjahresvergleich die Bewertung des Schienenverkehrs zunehmend. Wachsende und große Herausforderungen sind für vorpommersche Unternehmen außerdem die unzureichende Kommunikationsinfrastruktur sowie die sinkende Fachkräfteverfügbarkeit.

Arbeiten. Leben. Investieren. Auf Deutschlands Sonnendeck als integriertes ganzheitliches Standortmarketing

Mit einem einheitlichen regionalen Standortauftritt für Vorpommern www.vorpommern-sonnendeck.de entstand ein neuer Webauftritt für Vorpommern im attraktiven Design – bildstark, emotional und mit vielen neuen Funktionen. Dieser bündelt neben der Wirtschaftsfördergesellschaft regionale Akteure, wie die Förder- und Entwicklungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH sowie den Landkreis Vorpommern-Rügen und die ABS gGmbH aus Greifswald als Betreiber der drei Welcome Center in Vorpommern. Unter einem Dach betreiben die beteiligten Akteure regionales Standortmarketing, Fachkräftesicherung und -gewinnung und stellen die regionale Willkommenskultur an zentraler Stelle nach außen. Seit Freischaltung der Website im Sommer konnten so allein auf dem Reiter Vorpommern in wenigen Monaten 10.100 Nutzer und 42.100 Seitenaufrufe gezählt werden.

Erstmals verfügt die Website nun über ein regionales Stellenportal, auf dem Unternehmen sich kostenfrei mit ihren Vorteilen präsentieren und Stellenangebote veröffentlichen können. Bis Jahresende 2019 registrierten sich bereits 50 regionale Betriebe, 237 Stellenangebote wurden veröffentlicht.

Die Suche nach Fachkräften stellt für viele regionale Unternehmen weiter die sehr große Herausforderung dar, weshalb das Fachkräfte- und Zuzugsmarketing fester und stark nachgefragter Bestandteil ist. 35 Unternehmen und Partner wirkten 2019 an der Fachkräftekampagne „Leben & Arbeiten auf Deutschlands Sonnendeck“ mit (Vorjahr 30) und ermöglichten regionale und überregionale Präsentationen, u. a. auf neun Jobmessen oder in sozialen Medien wie facebook und XING.

Flankiert wurde das kombinierte Standort- und Fachkräftemarketing durch hochwertige, informative und unterhaltsame Printprodukte für Vorpommern, wie die Neuauflage einer deutsch- und englischsprachigen Imagebroschüre, welche Wirtschaftskraft und vorpommersche Lebensqualität vereint sowie das Buch „Vorpommern – Von Menschen und Machern am Meer“, welches den Fokus auf Marinas, Bootsbau, Maritimer Wirtschaft und Tourismus legt und 13 Macher und Visionäre der Region zu Wort kommen lässt, die erzählen wie sie in Vorpommern vor Anker gegangen sind und Menschen mit ihren Ideen begeisterten.

Intensive Unterstützung erhielt das Standort- und Fachkräftemarketing durch das Landesmarketing MV tut gut und durch den Vorpommern-Fonds.

Projektentwicklung und -management stärken Region und Wirtschaftsförderung

Sechs laufende Projekte mit einem Gesamtvolumen von 8,5 Mio. Euro wurden von der WFG bearbeitet. Über die EU-Projekte „South Coast Baltic“, „Fish Markets“, „JOHANN“ und „ELMAR“ gelang es, erhebliche Finanzmittel für Vorpommern zu akquirieren: Markt- und Nachfrageanalysen, Konzepte, zahlreiche Messeauftritte und Veranstaltungen, Vermarktungsaktivitäten, Markterschließungen, Unternehmenskooperationen und Knowhow Transfer konnten so realisiert werden, die ohne eine Projektverankerung und -finanzierung nicht möglich gewesen wären.

Die EU-Projekte Fish Markets und JOHANN wurden im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen. Im Fish Markets Projekt engagierte sich die WFG insbesondere in der Erstellung der Vermarktungsplattform www.myfish-ostsee.de, nahm an verschiedenen Studienreisen teil und organisierte eine Reihe von Veranstaltungen mit und für Vertreter der Fischerei.

JOHANN trug dazu bei, den kleinen Kreuzfahrttourismus zu entwickeln. Besonders aktiv beteiligten sich Mukran Port und die Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft Sassnitz an dem Vorhaben. Unter anderem gründete sich der Verein „Destination Rügen – Cruise & Ferry Network“, der das Thema zukünftig weiter vorantreiben wird.

Im Projekt South Coast Baltic, welches den maritimen Tourismus befördern soll, agierte die WFG Vorpommern bis Mitte des Jahres als Lead-Partner, musste diese Funktion aber abgeben, weil für die inzwischen bewilligte Verlängerung bis März 2020 keine Ressourcen mehr verfügbar waren. Messebesuche wie zum Beispiel der boot in Düsseldorf konnten ebenso finanziert und realisiert werden wie viele weitere Vermarktungsprodukte.

Im ELMAR-Projekt, in dem die WFG Vorpommern ebenfalls die Lead-Partner-Rolle innehat, soll die regionale Kompetenz im Bereich neuer Antriebsmodelle im Schiff- und Bootsbau ausgebaut und ein Zugang für regionale Unternehmen zu internationalen Lieferketten geschaffen werden. Die Hochschule Stralsund mit ihrer ausgewiesenen Kompetenz im Bereich Erneuerbarer Energien, speziell Wasserstoff, aber auch Unternehmen wie die Weiße Flotte, Ostseestaal oder HanseYachts sind interessierte Projektakteure.

Ansprache und Gewinnung von Gründern und Nachfolgern in den Metropolen

In dem Anfang 2019 gestarteten Projekt „Neue Unternehmer für Vorpommern“, welches in Kooperation mit der WITENO GmbH, der Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern, den Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammer bearbeitet und durch das Wirtschaftsministerium über das Regionalbudget und den Regionalbeirat Vorpommern unterstützt wird, werden erstmals für ganz Mecklenburg-Vorpommern Gründer und Nachfolgeinteressierte außerhalb des Landes beworben.

Vorpommerns Stärken und Chancen als Region zum Leben und Arbeiten werden für unternehmerisch denkende Menschen präsentiert und kommuniziert, hier v. a. die bereits vorhandenen Gründer-Communities, die Infrastrukturen in Form von Gründerzentren und CoWork-Einrichtungen und die guten Unterstützungsmöglichkeiten. Hierbei zeigte sich bereits in den ersten Monaten ein hohes Interesse seitens der „Berliner Szene“, sowohl bei Gründern selbst als auch bei strategischen Partnern wie Gründerzentren und Wirtschaftsakteuren. Fast 20 potentielle Gründer und Nachfolger konnten bereits akquiriert werden und in Lietzow auf Rügen wird konkret an der Entwicklung einer CoWork-Einrichtung, dem Light House Lietzow, mit Berliner Partnern und regionalen Akteuren gearbeitet.

„Plant³ - Bioökonomie für den Strukturwandel in der Region Vorpommern

Erfolgreich beantragt wurde schließlich – gemeinsam mit der Universität Greifswald, der WITENO GmbH und der Enzymicals AG – das inzwischen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligte Projekt „Plant³ - Bioökonomie für den Strukturwandel in der Region Vorpommern“. In den kommenden fünf Jahren stehen nun zunächst über sechs Millionen Euro für einen biobasierten Strukturwandel in Vorpommern bereit. Ziel des Verbundvorhabens ist es, die Veredlung pflanzlicher Rohstoffe zum Motor des Wandels im östlichen Mecklenburg-Vorpommern werden zu lassen.

Die beschriebenen Projektaktivitäten machen deutlich, wie eine erfolgreiche Wirtschafts- und Regionalentwicklung durch enge Kooperationen von Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftsförderung bei entsprechender politischer Unterstützung vorangetrieben werden kann. Hier gilt es auch zukünftig, eng zusammenzuarbeiten und die Ressourcen zu bündeln. Im internationalen Wettbewerb um Investoren, Wissenschaftseinrichtungen, Fachkräften, Studenten und Zuzüglern wird eine regionale Wahrnehmung nur zu erreichen sein, wenn ein gebündeltes Standortmarketing unter einem gemeinsamen Label stattfindet.

Wahrnehmung Vorpommerns als starke ländliche Region wächst

Aus 60 ländlichen Regionen Deutschlands wurden für das dreijährige Regionalentwicklungs-Projekt „Strategische Kooperationsregionen in ländlichen Räumen“ sieben Regionen ausgewählt, darunter auch Vorpommern. Die WFG vertritt im Projekt die Region und koordiniert die Einbindung weiterer Akteure. Vorpommern erlangt eine Vorreiter-Rolle und erhält die Chance, sich über die Grenzen hinaus zu vernetzen, und auszutauschen. Ziele sind u. a. herauszuarbeiten, welchen Handlungsanforderungen ländliche Regionen gegenüberstehen und welche Faktoren bei der Entwicklung von Lösungsstrategien maßgeblich sind.

Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützten Partnerregionen präsentieren sich gegenwärtig gemeinsam auf der Internationalen Grünen Woche und führen dort auch das zweite Netzwerktreffen durch.

Künftige Herausforderungen im Blick

Große (überregionale) Mega-Trends und regionalspezifische Änderungen, wie z. B. sich weiter verstärkende demografische Effekte, sich verändernde Arbeitsformen, die Digitalisierung, wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit / Klimawandel / Ressourcenschutz, die zu erwartende Verschlechterung der Fördermöglichkeiten, ein weiterer Rückgang bei Ansiedlungsanfragen, eine wachsende Komplexität der Bestandsentwicklung oder die steigende Bedeutung der weichen Standortbedingungen, führen dazu, dass sich Anforderungen an die Kommunalpolitik und damit die Aufgaben für die regionale Wirtschaftsentwicklung stark wandeln werden.

Voraussetzung, damit die zukünftigen Herausforderungen für die Wirtschaftsförderung gemeistert werden können, ist, dass die Arbeit fokussiert, die regionale Kooperation verbessert und gestärkt und der Mitteleinsatz optimiert werden. Hierzu gibt es aktuelle Überlegungen der Gesellschaft, der Gesellschafter und weiterer regionaler Akteure, die es in 2020 weiter zu entwickeln und umzusetzen gilt.
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