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Press release BoxID: 925967 (IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH)
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IKT-Warentest "Kurzliner für Hausanschlüsse": Die schaffen auch schwere Schäden

(PresseBox) (Gelsenkirchen, ) Zur Sanierung lokaler Schäden in Hausanschlussleitungen sind Kurzliner oft erste Wahl. Doch schaffen sie auch schwere Schäden? Jetzt liegen die Ergebnisse des neuen IKT-Warentest „Kurzliner für Hausanschlüsse“ vor.

Grundsätzlich ist es möglich, mit Kurzlinern auch schwere Schäden an Hausanschlussleitungen qualitativ ansprechend zu sanieren. Das zeigen die Ergebnisse des IKT-Warentest „Kurzliner für Hausanschlüsse“, den das IKT gemeinsam mit zwölf Abwassernetzbetreibern durchgeführt hat. Die acht getesteten Systeme erreichen dabei Noten von „SEHR GUT“ bis „BEFRIEDIGEND“. Allerdings gibt es in Sachen Qualität zwischen den einzelnen Anbietern auch deutliche Unterschiede.

Den Testsieg holt sich der Anbieter Twinbond Liner GmbH mit der Note SEHR GUT (1,2). Auf Platz zwei folgt Trelleborg Pipe Seals Duisburg GmbH ebenfalls mit einem SEHR GUT (1,4). Bodenbender GmbH (1,7), BKP Berolina Polyester GmbH & Co. KG (2,5), Cosmic Engineering GmbH (2,5) und MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG (2,5) erhalten jeweils die Note GUT. Mit BEFRIEDIGEND schlossen die Anbieter Alocit Chemie GmbH (2,7) und I.S.T. Innovative Sewer Technologies GmbH (2,9) ab.

Kurzliner hart geprüft

Eine Kurzliner-Sanierung soll die Standsicherheit des Kanals wiederherstellen, den hydraulischen Zustand des Kanals verbessern beziehungsweise sichern und die Schadstelle abdichten. Deshalb legten die IKT-Warentester und die beteiligten Netzbetreiber bei den Prüfungen besondere Schwerpunkte auf die Dichtheit, Betriebssicherheit und Standsicherheit der sanierten Bereiche. Dabei standen Belastungen durch Außenwasserdruck nach Sanierung im Vordergrund.

Ganz schön schadhaft

Für den vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium geförderten IKT-Warentest „Kurzliner für Hausanschlüsse“ hat das IKT insgesamt acht Versuchsaufbauten mit jeweils einer unteren und zwei oberen Leitungen in seinen 15 Meter langen, sechs Meter breiten und sechs Meter tiefen Großversuchsstand eingebaut. Zuvor präparierten die Tester die Rohre mit definierten Schadensbildern. Sie frästen Rissbilder in die Rohre, entfernten Dichtungen ganz oder teilweise, arbeiteten Scherben heraus und längten Rohre ab. Insgesamt wurden 64 Schadensbilder hergestellt – acht Versuchsaufbauten mit je acht Schadensbildern.

Die Schadensbilder wurden nach folgendem Schema auf die Leitungen verteilt:


Testaufbau I (untere Leitung, Außerwasserdruck 2m): Rissbildung, Scherbe, Querversatz, Abwinkelung
Testaufbau II (obere Leitungen, Außerwasserdruck 1m): schadhafter Werkstoffwechsel, schadhafter Nennweiten- und Werkstoffwechsel Guss DN 150 zu PVC DN 125, schadhafter Nennweiten- und Werkstoffwechsel Steinzeug DN 150 zu PVC DN 125, Scherbe im 45-Grad-Bogen


Sofort nach dem Einbau der Kurzliner begann das umfangreiche Prüfprogramm mit den ersten optischen Inspektionen und Dichtheitsprüfungen. Es folgten Kurzzeit- und Langzeit-Außenwasserdruckprüfungen und HD-Reinigungen mit unterschiedlichen Drücken und Düsen, Rückstauereignisse, wechselnde Grundwasserstände, Reinigungen mit Rohrreinigungsspiralen – und immer wieder optische Inspektionen und Dichtheitsprüfungen. Schließlich maßen die Tester an den ausgebauten Leitungen die Querschnittsreduzierungen und prüften Haftzugfestigkeiten und Ringsteifigkeiten.

Schulnoten für Kurzliner

Neben den Systemprüfungen der Kurzliner-Systeme in den Versuchsaufbauten beleuchteten die Tester auch die Qualitätssicherung der Anbieter. Und mit In-situ-Untersuchungen auf realen Baustellen wurden die Laborergebnisse auf Plausibilität geprüft. Die Endnoten in diesem IKT-Warentest gründen sich auf die Ergebnisse dieser drei Bewertungsschwerpunkte.

Die Ergebnisse aus den Baustellenuntersuchungen fließen allerdings ausschließlich über das Kriterium „Besonderen Auffälligkeiten“ in den Testteil „Qualitätssicherung“ ein. Das Notenspektrum orientiert sich an den Schulnoten und reicht von sehr gut (1,0) bis ungenügend (6,0).

Dichtheit zählt am meisten

Die Ergebnisse aus den Systemprüfungen gehen mit 85 Prozent in das Prüfurteil ein. In diesen Bewertungsschwerpunkt fließen die drei Kriterien „Dichtheit“ (60 Prozent), „Betriebssicherheit“ (20 Prozent) und „Standsicherheit“ (20 Prozent) ein. Der Bewertungspunkt „Qualitätssicherung“ macht die übrigen 15 Prozent an der Gesamtnote aus. Diese fünf Kriterien fließen mit jeweils 20 Prozent in die Bewertung der Qualitätssicherung ein: Verfahrenshandbuch, Schulungen, DIBt-Zulassung, Fremdüberwachung und Besondere Auffälligkeiten.

Unbenotete Zusatzinformationen ergänzen die harten Testkriterien. So werden die Ergebnisse der Innendruckprüfungen nach Freilegung der Leitungen genauso aufgeführt wie die ermittelten Haftzugfestigkeiten. Die durch den Sanierer vorgenommenen vorbereitenden Maßnahmen wie Erstinspektion, Untergrundvorbereitung und Reinigung werden dokumentiert. Ebenfalls von Interesse für Auftraggeber und deshalb mit aufgeführt: „Einsatztage vor Ort“, „Anzahl der Sanierer“, „Zeitbedarf für die Vorarbeiten und Sanierung“ und „Kosten“.

Die schaffen das schon

Im IKT-Warentest zeigten die Anbieter, dass viele der im Bildreferenzkatalog NRW dargestellten schweren Schäden an Hausanschlüssen – sogenannte A-Schäden – zuverlässig mit Kurzlinern abgedichtet werden können. Dies betrifft die im Test näher untersuchten Schadensgruppen „Ausbrüche/Risse“ sowie „Versätze/Abwinkelungen“. Insbesondere die Sanierungsleistungen der Anbieter „Twinbond“ und „Trelleborg“ zeigten sich sowohl unter dauerhaftem Grundwasserstand und Betriebslasten als auch nach Simulation von Rückstauereignissen und wechselnden Grundwasserständen stets zuverlässig dicht gegenüber Außenwasserdruck. Dafür gab es verdientermaßen die Teil-Note 1,0.

Besondere Herausforderung: Nennweiten- und Werkstoffwechsel

Zwar konnten grundsätzlich auch die Schadensbilder mit Nennweiten- und Werkstoffwechsel in Testaufbau II mit einigen Verfahren abgedichtet werden. Vier Anbieter stießen hier jedoch an ihre Grenzen. Ihre Kurzliner zeigten zum Teil deutliche Schwachstellen, die zu Infiltrationen an den sanierten Schadensbildern führten. In einem Fall war bereits direkt nach Einbau des Kurzliners eine als „Wasserschwall“ bewertete Infiltration unter Außenwasserdruck erkennbar. Nennweiten- und Werkstoffwechsel fordern offensichtlich eine besondere Ausführungsqualität und -sorgfalt.

Testaufbau I: Durchweg zuverlässig abgedichtet

Alle acht Anbieter zeigten für die vier Schadensbilder im Testaufbau I sehr gute bis befriedigende Ergebnisse. In diese Strecken waren die gemäß Bildreferenzkatalog NRW als A-Schaden klassifizierten Schadensbilder „Rissbildung“, „Scherbe“, „Querversatz“ und „Abwinkelung“ eingebaut. Im gesamten Beobachtungszeitraum wurden hier keine Infiltrationen festgestellt. Bei etwa der Hälfte der Anbieter zeigten sich allerdings an einigen Sanierungsstellen optische Auffälligkeiten in Form von „Feuchtigkeit und/ oder Verfärbung“, jedoch ohne abflusswirksame Tropfenbildung.

Gewährleistet: Standsicherheit des Kurzliners

Die Untersuchungen zur Standsicherheit der Kurzliner zeigten, dass diese grundsätzlich eine zuverlässige Haft- beziehungsweise Tragwirkung aufweisen. Bei den Produkten mit vollflächigem Verbund des Kurzliners zum Altrohr wurden kaum Auffälligkeiten beobachtet – keine „Rissbildung“, „übermäßige Verformung“, „Stabilitätsversagen“ oder großflächiges „Lösen des Haftverbunds“. Nur bei den Schadensbildern Werkstoffwechsel sowie Nennweiten- und Werkstoffwechsel zeigte sich bei fünf Produkten ein stellen- oder teilweises „Lösen des Haftverbunds“, allerdings ohne weitere Folgen.

Beim Anbieter Cosmic ist planmäßig kein vollflächiger Verbund zwischen Kurzliner und Altrohr vorgesehen, sondern nur ein Haftverbund im Anfangs- und Endbereich. Der Anbieter konnte aber einen statischen Nachweis vorlegen, der die im Versuch beobachtete eigene Standfestigkeit des Kurzliners belegte.

Ohne besonderen Einfluss: Betriebslasten und Rückstauereignisse

Die während der Betriebssimulation aufgebrachten Belastungsszenarien wie Kanalreinigung, Rückstauereignisse und wechselnde Grundwasserstände hatten keinen nennenswerten Einfluss auf das Sanierungsergebnis.

Qualitätssicherung: Auf sehr hohem Niveau

Keine Klagen beim Thema Qualitätssicherung: Sieben von acht Anbietern konnten sämtliche Kriterien zum Schwerpunkt Qualitätssicherung erfüllen und erhielten die Note 1,0. Lediglich der Anbieter „Cosmic“ konnte ein Kriterium nicht nachweisen, es lag keine DIBt-Zulassung vor. Hierfür wurde die Note 2,0 vergeben.

Bleibt festzuhalten, dass Kurzliner ein probates Mittel sind, um auch stark beschädigte Hausanschlüsse wieder dicht zu kriegen. Zumindest, wenn man von den Testkandidaten ausgeht, die alle mindestens befriedigende Ergebnisse lieferten. Wichtig ist allerdings die Sorgfalt beim Einbau. Und: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auf jeden Fall nach Sanierung und vor Ablauf der Gewährleistung ganz genau nachschauen.

Ergebnistabelle: www.bit.ly/wt-kurzliner-tabelle

Download Warentest-Bericht: www.bit.ly/wt-kurzliner-bericht

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. (FH) Serdar Ulutaş, MBA
Telefon: 0209 17806-32
E-Mail: ulutas@ikt.de 

INFOBOX

Der Lenkungskreis – Support auf allen Ebenen

Diese Kommunen haben sich inhaltlich und finanziell am IKT-Warentest „Kurzliner für Hausanschlüsse“ beteiligt:


SEH Stadtentwässerung Herne AöR (Federführung)
Gelsenkanal
Gemeente Arnhem
Göttinger Entsorgungsbetriebe
SEG Stadtentwässerung Schwerte
Stadt Billerbeck
Stadt Rheda-Wiedenbrück
Stadtentwässerung Dortmund
Stadtentwässerung Düsseldorf
Technische Werke Burscheid AöR
Wirtschaftsbetriebe Hagen
Wirtschaftsbetriebe Duisburg AöR


INFOBOX

IKT-Warentests: Produkte und Verfahren im Vergleich

Ziel der IKT-Warentests ist es, den Netzbetreibern zuverlässige und unabhängige Informationen über Eigenschaften von marktgängigen Produkten und Verfahren zu liefern. Angaben in Verfahrensbeschreibungen und Werbeinformationen der Anbieter werden durch den IKT-Warentest einer unabhängigen und neutralen Prüfung unterzogen.

Der Fokus liegt auf der Eignung von Produkten unter langfristigen Betriebsbedingungen. So werden vor allem während des Betriebs auftretende Beanspruchungen untersucht, denen die Produkte in der Praxis jahrzehntelang ausgesetzt sind.

Die Gewährleistungsfrist für Produkte der Kanalisationstechnik beträgt heute maximal fünf Jahre. Dies ist verglichen mit den angestrebten Nutzungsdauern eine sehr kurze Zeitspanne. Von besonderem Nachteil für Auftraggeber sind Schäden, die erst nach Ablauf der Gewährleistungsfrist auftreten. Ein Rückgriff auf den Anbieter ist nur in den seltensten Fällen möglich. Daraus resultiert ein erhebliches finanzielles Risiko für die Netzbetreiber, das durch die vergleichenden IKT-Warentests reduziert werden kann.

Ein IKT-Warentest wird immer durch eine Gruppe von Netzbetreibern begleitet, dem sogenannten Lenkungskreis. Dieser Lenkungskreis entscheidet in regelmäßigen Sitzungen über

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die Auswahl von Produkten beziehungsweise Verfahren für die erste Testreihe
die Bau- beziehungsweise Instandhaltungsaufgabe für den Einsatz der Produkte oder Verfahren im Test
die maßgeblichen Leistungsziele und Qualitätsanforderungen
den Umfang und die Ausrichtung des Prüfprogramms
den Informationsaustausch mit den Produkt- beziehungsweise Verfahrensanbietern
die Bewertung und die Veröffentlichung der Ergebnisse


Die eigentliche Prüfung und die Dokumentation der Ergebnisse erfolgen durch das IKT als unabhängiges Institut. Das IKT ist im Rahmen der Prüfung insbesondere verantwortlich für die ingenieurtechnische Entwicklung und Umsetzung der Prüfaufbauten und des Prüfprogramms. Diesbezügliche Entscheidungen werden in unmittelbarer Abstimmung mit dem Lenkungskreis getroffen.

Mehr über IKT-Warentests: www.bit.ly/ikt-warentest-konzept
Download IKT-Warentest-Berichte: www.bit.ly/IKT-Warentests 

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IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH

Das IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur in Gelsenkirchen ist ein neutrales, unabhängiges und gemeinnütziges Forschungs-, Prüf- und Schulungsinstitut. Es arbeitet praxis- und anwendungsorientiert an Fragen des unterirdischen Leitungsbaus. Schwerpunkt ist die Kanalisation. Für Bau, Betrieb und Sanierung unterirdischer Infrastruktureinrichtungen führt das IKT Forschungsprojekte, Prüfungen, Warentests, Beratungen und Seminare durch.