„Bei Goethe herrscht Aufbruchstimmung“

Klaus-Dieter Lehmann bilanziert die ersten 100 Tage seiner Amtszeit

(PresseBox) ( München, )
Nach hundert Tagen im Amt als Präsident des Goethe-Instituts hat Klaus-Dieter Lehmann eine positive Bilanz gezogen: Die Strukturreform sei erfolgreich umgesetzt. Nun widme sich die größte deutsche Mittlerorganisation gestärkt ihren Kernaufgaben. Das Institutsnetz in Afrika werde ausgebaut, eine breite Offensive für die Sprache gestartet und an Schwerpunktthemen wie "Klima und Kultur" oder "Wissensgesellschaft" gearbeitet. Zentral für den Erfolg des Goethe-Instituts sei es, mit starken Partnern zu kooperieren und sein Netzwerk optimal zu nutzen. Lehmann bekannte sich zu den klassischen Partnerländern der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: "Europa ist nicht die Sparbüchse des Goethe-Instituts."

Das Goethe-Institut stehe nach seiner Umstrukturierung glänzend da, sagte Klaus-Dieter Lehmann am Mittwochvormittag in Berlin. "Ich habe zu einem günstigen Zeitpunkt die Präsidentschaft übernommen. Aus dem Reformkonzept ist in den letzten Monaten gelebte Praxis geworden, die sich in ihrer Wirkung effizienter, serviceorientierter und inhaltsbezogener zeigt. Die Verantwortungsbereiche sind klar strukturiert. Die Zentrale in München ist zuständig für Strategie und Evaluierung sowie Beratung der Auslandsinstitute. Kernstück der Reform ist die dezentrale Autonomie der 14 Weltregionen, ihre Budgetierung und die unmittelbare Verantwortung der einzelnen Institute. Zusammengehalten wird das weltweite Goethe-Netz durch gegenseitige Vereinbarungen. Diese Struktur setzt Kreativität frei, schafft Gestaltungsmöglichkeiten und begreift das Netz als Qualitätsmerkmal. Die Aufbruchstimmung ist mit Händen zu greifen. Das Goethe-Institut hat den richtigen Weg beschritten und die Unterstützung des Parlaments und des Auswärtigen Amtes erhalten."

Um aber auch die Zukunft des Goethe-Instituts zu sichern, müssten, so Lehmann, die Reformen durch eine Erhöhung der Zuwendungen begleitet werden: "Jegliches Sparpotenzial ist ausgeschöpft, wir tragen noch die Altlasten der Mittelkürzungen der vergangenen Jahre." Das Goethe-Institut habe beispielsweise aus Spargründen viele deutsche Entsandtenstellen in Ortskraftstellen umwandeln müssen. "Aber wir brauchen die Entsandten", so Lehmann. "Sie sind die Nabelschnur der Auslandsinstitute zu den aktuellen Entwicklungen in Deutschland." In diesem Zusammenhang erwähnte Klaus-Dieter Lehmann auch Gebäudeprobleme: "Deutschland muss sich fragen, in welchen Häusern wir uns künftig präsentieren wollen." Auch hier gebe es Altlasten. Er wies zudem darauf hin, dass das Internet für die Kommunikation des Goethe-Instituts mit seinen Zielgruppen immer wichtiger würde. Die Website hätten letzten Monat mehr als 15 Millionen Nutzer besucht, in Russland und im Nahen Osten gebe es seit neuestem attraktive interaktive Jugendportale. Aber es bedürfe hier noch eines deutlichen Investitionsschubs zur Modernisierung.

Lehmann sieht in der Entwicklung von Großprojekten, die ihre Qualität und Sichtbarkeit durch die Nutzung des weltweiten Netzwerkes des Goethe-Instituts erhalten, ein neues Potenzial des Goethe-Instituts. Damit könnten kulturpolitisch bedeutende und öffentlich wirksame Initiativen gestartet werden. Das Goethe-Institut verfügt über 147 Institute in 83 Ländern. Die Wirksamkeit zeige sich bei der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" ebenso wie bei der "Aktion Afrika", aber auch bei thematischen Schwerpunktreihen. So plane das Goethe-Institut für das kommende Jahr in aller Welt Projekte zu den Themen "1989", "Klima und Kultur" sowie "Wissensgesellschaft" und "Geistiges Eigentum - Kultur als Kopie". Das Goethe-Institut habe intern eine Exzellenz-Initiative gestartet, für die als Merkmal "Integration nach innen und Kooperation nach außen" gelte.

"Ich bin überzeugt," so Lehmann, "dass wir nur dann optimale Wirkung erzielen, wenn wir mit den besten Partnern zusammenarbeiten und so Ressourcen und Know-How potenzieren. Früher war eine Einrichtung stark, wenn sie autonom war, heute ist sie stark, wenn sie gut vernetzt ist." Lehmann nannte die Region Subsahara-Afrika, wo derzeit eine Reihe von Verbindungsbüros gegründet, zwei neue Institute eröffnet und wo Projekte mit einer Vielzahl von Partnern aus Afrika entwickelt werden. "Damit wollen wir nicht nur die afrikanische Kunst- und Intellektuellenszene nachhaltig unterstützen und vernetzen, sondern auch langfristig zur Stärkung der afrikanischen Zivilgesellschaft beitragen." Netzstrukturen sollen auch in China, Russland und Lateinamerika unter Einbeziehung lokaler Strukturen des Gastlandes gestärkt und gepflegt werden.

Die Zusammenarbeit mit der deutschen Kulturszene spiele künftig ebenfalls eine große Rolle, so Lehmann. "Durch meine bisherigen Tätigkeiten kann ich viele Kontakte einbringen. Wie bei unserem "Tropen"-Projekt, bei dem die Institute, die im Tropengürtel liegen, kooperieren und die Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum in Berlin vorbildlich ist." Am 11. September eröffnet Lehmann die Ausstellung "Die Tropen. Ansichten von der Mitte der Weltkugel" im Berliner Martin-Gropius-Bau. Darüber hinaus sind es aus seiner Sicht die persönlichen Netzwerke von Künstlern und Kulturschaffenden, die eine produktive Eigendynamik entwickeln und nachhaltige internationale Projekte hervorbringen. "Deshalb verstärken wir unsere "Artist-in-Residence"-Programme in allen Kunst-Sparten."

Klaus-Dieter Lehmann machte deutlich, dass das Engagement für die deutsche Sprache, die er als einen "Kulturträger ersten Ranges" ansieht, von größter Bedeutung für das Goethe-Institut sei: "Wir haben deshalb eine Offensive gestartet, die die verschiedenen Handlungsfelder der Spracharbeit integriert: Schule, Jugendarbeit, Sprachenpolitik und Deutsch für Zuwanderer." Man müsse die ganz Jungen für die deutsche Sprache und Deutschland gewinnen, so Lehmann. "Das tun wir mit der von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ins Leben gerufenen Initiative "Schulen: Partner der Zukunft", bei der die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen Partner ist. Aber auch mit der "Spracholympiade", die Jugendlichen Lust aufs Sprachenlernen macht. Der überragende Erfolg dieser Wettbewerbe zeigt, dass mit guten Konzepten eine wahre Leidenschaft für die deutsche Sprache entfacht werden kann." Darüber hinaus engagiere sich das Goethe-Institut mit dem Großprojekt "Sprachen ohne Grenzen" weltweit für Mehrsprachigkeit.

Lehmann betonte, es sei nicht mehr möglich, Außen- und Innenpolitik voneinander zu trennen. Deshalb übernehme das Goethe-Institut zunehmend Aufgaben, die auf die bessere Integration in Deutschland zielten. So etwa die sprachliche und landeskundliche Vorbereitung von Zuwanderinnen und Zuwanderern. "Das ist ein Beitrag zur Emanzipation", so Lehmann. "Durch die enge Zusammenarbeit unserer Institute im Ausland mit denen in Deutschland können wir eine umfassende Betreuung garantieren."

"Wer mir am Herzen liegt, sind auch unsere unmittelbaren Nachbarn. Europa ist nicht die Sparbüchse des Goethe-Instituts." Hier würden zwar keine neuen Institute eröffnet wie in Afrika, wo man bislang unterrepräsentiert gewesen sei. "Aber wir müssen den Ermüdungserscheinungen, die im Prozess der europäischen Integration zurzeit unübersehbar sind, etwas entgegensetzen." Lehmann betonte in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit anderen europäischen Kulturmittlern. Dabei könne es nicht um ein europäisches Kulturinstitut gehen: "Wir leben definitiv nicht in postnationalen Zeiten. Dennoch: Abgrenzung und Selbstbespiegelung sind sicher keine zukunftsträchtigen Konzepte. Goethe steht für Öffnung und Vernetzung."

Klaus-Dieter Lehmann hat am 1. April 2008 das Amt des Präsidenten des Goethe-Instituts angetreten. In die sechsjährige Amtszeit seiner Vorgängerin Jutta Limbach waren sowohl Phasen der Mittelkürzungen und Institutsschließungen, als auch im letzten Jahr eine Trendwende hin zu einer Aufwertung der Außenkulturpolitik gefallen. Hiermit war auch eine deutliche Erhöhung der Zuwendungen für das Goethe-Institut einhergegangen.
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