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Erich-Klabunde-Preis 2019 für Dimitri Ladischensky "Was vom Leben übrig bleibt"

(PresseBox) (Hamburg, ) Dimitri Ladischensky, Redakteur und Autor bei der Zeitschrift mare, erhält den Erich-Klabunde-Preis 2019 für seine Reportage "Was vom Leben übrig bleibt". Sie erschien in der Oktober-/November-Ausgabe 2017 des Magazins.

Anlass für die Reportage ist eine Seekiste voller Einzelstücke. Sie enthält Momentaufnahmen eines Menschen, der auf seinem Weg über die Weltmeere und durchs Leben persönliche Erinnerungen und Gegenstände in dieser Kiste verwahrt hat.

In präzisen, komprimierten Beschreibungen schildert Dimitri Ladischensky, Jahrgang 1972, seine Faszination an Form und Inhalt der Kiste und nimmt Leser und Leserinnen mit auf Spurensuche. So versucht er, einem namenlosen Mann eine Identität zu geben.

Der unbekannte Seemann, der jedes Jahr für ein paar Nächte in der Hamburger Seemannsmission unterkam, deponierte in der Kiste jedes Mal ein Erinnerungsstück, Fotos oder auch Sozialversicherungsbelege. Genauso geordnet wie die Gegenstände in der Metallkiste verwahrt wurden, versucht Autor Ladischensky mithilfe journalistischen Handwerks, den Menschen dahinter zu entziffern.

Akribische Recherche wird ergänzt durch Fragen, die Lücken schließen sollen. Doch wo die Faktenlage vage bleibt, verschleiert Ladischensky nicht, sondern erklärt den Versuch für gescheitert, das Schicksal eines Menschen aufzuklären oder sein Porträt aus Bruchstücken zusammenzusetzen. Das Porträt bleibt verschwommen und eröffnet stattdessen eine neue Dimension. Der Titel der Reportage "Was vom Leben übrig bleibt" steht für die Suche nach dem, was ein Mensch hinterlässt. Ladischenskys Recherche paart sich mit den Streiflichtern einer beziehungsarmen, rastlosen Welt, in der ein Mensch, der alle Weltmeere bereist hat, verschwinden kann, ohne dass ihn scheinbar jemand vermisst.

Mit eindrücklichen Fotos von Nele Gülck, Darstellungen von Gegenständen aus der maritimen Schatzkiste des Seefahrers wie beispielsweise einem Anzug mit Nagespuren oder Bärenabwehrspray, schafft das klare Layout des mare-Artikels den Rahmen für Selbstreflektion von Autor und Leser/in. Was ist vergänglich, was soll die Nachwelt von mir in Erinnerung behalten, welche Beziehungen sind bleibend? Die prämierte Arbeit ist ein ebenso würdigendes wie kühles Portrait eines Unbekannten, das auf fremde gesellschaftliche Realitäten und letztlich auf die Sinnfrage verweist.

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert, und der Jury gehören neben der Hamburger DJV-Vorsitzenden Marina Friedt auch Nadja Stavenhagen (Direktorin der Akademie für Publizistik), Hans-Jürgen Börner (Fernsehjournalist), Susanne Gerbsch (Pressereferentin Bischofskanzlei Hamburg), Bruno Schrep (Klabunde-Preisträger und "Spiegel"-Autor), Dr. Martin Wilhelmi (Rundfunkjournalist) sowie der 2. Vorsitzende des DJV Hamburg Peter Jebsen an.

Der Erich-Klabunde-Preis für sozial engagierten Journalismus wurde erstmals 1957 vergeben und zählt zu den ältesten deutschen Journalistenpreisen. Der Namensgeber Erich Klabunde (20.2.1907 - 21.11.1950) war 1945 Gründer und erster Vorsitzender der damaligen Berufsvereinigung Hamburger Journalisten und später des Deutschen Journalisten-Verbandes auf Bundesebene.

Weitere Informationen finden Sie unter www.djv-hamburg.de